Wenn Jogi auf Kohl und Stoiber trifft

Bernd Händel schlüpfte in Schnaittach auch in seine Paraderolle als Mafioso Silvester Capone mit Sonnenbrille, Hut und Hand am Revolver. Foto: Krieger2012/02/38859_berndhaendeltausendschoenhutbrilleik_New_1330268463.jpg

SCHNAITTACH — Helmut Kohl, Gerhard Schröder, Boris Becker und Jogi Löw gemeinsam in Schnaittach? Im Austausch über Gott und die Welt? Lieber nicht? Doch, wenn Bernd Händel sie gibt. Der als Präsident der „Fastnacht in Franken“ weithin bekannte Nürnberger Stimmenimitator und Kabarettist hatte bei seinem Auftritt im Tausendschön viel Prominenz im Gepäck – und das Publikum auf seiner Seite.

Eigentlich war ja am Aschermittwoch Zapfenstreich für die Zeit, wo der Rollentausch flächendeckend erlaubt ist und auch der gemeine Politiker gern zur Perücke greift, um bei der mittlerweile auch in intellektuellen Kreisen anerkannten Faschingssause „Fastnacht in Franken“ zumindest optisch mal so richtig lustig zu sein.

Doch Bernd Händel hat die diesjährige Fernseh-Prunksitzung offensichtlich gut verdaut. Und frönt in Schnaittach schon wieder gut gelaunt seinem liebsten „Tick“: dem Parodieren bekannter Politiker und Prominenter. „Stimmen, Stars und schräge Typen“ heißt sein aktuelles Programm und es ist in weiten Teilen eine Retrospektive auf fast 40 Jahre Karriere, in der Händel sich dank seiner unglaublichen stimmlichen Begabung vieler bekannter Persönlichkeiten bemächtigte und sie genüsslich an ihren Eitelkeiten und Eigenheiten packte.

So auch im Tausendschön, wo am runden Tisch zunächst längst vergessene aber auch aktuelle Politgrößen wie Helmut Kohl, Norbert Blüm und Gerhard Schröder miteinander frotzeln dürfen und im Sekundentakt ausgewechselt werden. Denn auch Willi Brandt, Edmund Stoiber und Günter Beckstein wollen ihren Senf loswerden. Nicht zu vergessen Franz Josef Strauß, den Kabarett-Kollege Helmut Schleich zwar um einiges treffender kann, der aber auch aus Händels Kehle ordentlich kommt.

Wer am Kalauer der sich produzierenden Polit-Oldies vorbei die Augen schließt, könnte auch Zeuge einer Talkshow der 80er oder 90er Jahre sein, so perfekt beherrscht Bernd Händel seine Figuren. Nahtlos reiht er die politischen Urgesteine aneinander und gibt ihnen für kurze Zeit wieder eine Bühne, vor allem bei Kohl, Blüm und Schröder stimmen auch Mimik und Gestik mit den Originalen fast perfekt überein. Dass der Nürnberger dabei nicht politisch ist und manche der Gags nicht so richtig zünden, mag man ihm verzeihen – den Voyeurismus jedenfalls bedient er glänzend.

Und der macht auch vor Kollegen nicht Halt. Ottfried Fischer, Harald Schmidt und Michael Mittermeier dürfen gemeinsam im Schlachthof auftreten. Das ist richtig witzig und richtig gut, denn es gehört schon eine sehr gute Körperbeherrschung und Beobachtungsgabe dazu, die atemlosen Schnell-Ansagen des Schwergewichts Fischer so treffend wiederzugeben und dann blitzschnell auf Zyniker Harald Schmidt und Comedy-Kaspar Mittermeier umzuschalten.

Das gilt auch für die Live-Sportübertragung aus dem Easy-Credit-Stadion, in der Rubenbauer, Beckenbauer und Löw fachsimpeln dürfen und Boris Becker und Lothar Matthäus wie gewohnt dazwischen quatschen. Genüsslich bedient Händel die Klischees, reißt Witzchen am Fließband – und das Publikum lacht.

Nach der Pause darf dann endlich Silvester Capone ran, Händels Fernseh-Paraderolle eines sizilianischen Bodyguards, die er bis ins Detail ausgearbeitet hat und die auch an diesem Abend zu den Höhepunkten zählt. Mit Sonnenbrille und Revolver liefert der Mafiosi tiefe Einblicke in die sizilianische Seele – und in einen Bernd Händel, der viel mehr kann, als gefragt ist.

Dass auch noch der längst verstorbene Herbert Hisel auferstehen darf, ist wohl dem Publikum geschuldet, das fast durchweg Händels Jahrgang und älter ist und sich gerne an das Nürnberger Mundart-Urgestein erinnert. Der Rest des Abends plätschert dahin, aufgelockert durch diverse Seniorenwitze und Einlagen mit der E-Gitarre, an der sich Bernd Händel respektabel musikalisch zeigt.

Fazit: kein Abend mit Tiefgang, aber mit vielen netten Begegnungen.

N-Land Isabel Krieger
Isabel Krieger