Themenkunstverein präsentiert Theaterstück über Beuys zum achten Mal

Wenn Hüte sprechen könnten …

Hans Joachim Strauß und Ernst Klier vom Themenkunstverein freuen sich, zum achten Mal Friederike Pöhlmann-Grießinger und Roland Eugen Beiküfner mit ihrem Stück über Joseph Beuys präsentieren zu können. | Foto: Johannes Gurguta2021/09/Feucht-Themenkunstverein-Beuys-scaled.jpg

Feucht – Am kommenden Freitag präsentieren der Themenkunstverein Feucht gemeinsam mit der Theatergruppe Kunst und Drama aus Nürnberg ein Theaterstück zum 100. Geburtsjahr von Joseph Beuys.

Joseph Beuys hat bis heute Einfluss auf die Kunstszene. In seinen zahlreichen Werken setzte er sich mit Themen wie Humanismus und Sozialphilosophie auseinander. So erschuf er den erweiterten Kunstbegriff, der Kunst mit Gesellschaft und Politik verbindet. Das ist auch der Grund, warum sich die Theaterleiterin, Schauspielerin und Regisseurin Friederike Pöhlmann-Grießinger und der Schauspieler und Künstler Roland Eugen Beiküfner mit Beuys in ihrem Stück „Der Hut von Joseph Beuys oder Die Ursache liegt in der Zukunft“ auseinandersetzen. Morgen präsentieren sie das Stück schon zum achten Mal in Feucht und haben es seit seiner Uraufführung im Dezember 2008 in der Kofferfabrik Fürth bereits auf zahlreichen Bühnen im deutschsprachigen Raum aufgeführt.

Kritischer Visionär

Beuys war ein Visionär in vielen Bereichen und hat viel bewegt“, erzählt Pöhlmann-Grießinger. Das Stück sei jedoch keine Glorifizierung der Person Beuys, weil vieles in seinem Schaffen auch kritisch gesehen werden kann. Sie selbst sei ihm zufällig während ihres Studiums in München begegnet. Das habe Eindruck hinterlassen, weil seine Kunst auch bei ihren Eltern, die als Architekten gearbeitet haben, oft Thema war. „Sein Werk und er dürfen nicht vergessen werden, er bleibt auch bis heute aktuell“, sagt sie.
Das Theaterstück „Der Hut von Joseph Beuys oder Die Ursache liegt in der Zukunft“ ist im Grunde ein Solostück, das aber zwei Rollen innehat. Die Handlung ist ein Zwiegespräch zwischen dem fiktiven, pensionierten Geschichtslehrer und Beuys-Schüler Roland Ebenhart, gespielt von Roland Eugen Beiküfner, und Joseph Beuys‘ Filzhut. Gemeinsam gehen sie durch die wichtigsten Ereignisse der Biografie des Künstlers. „Die Entscheidung dieser Konstellation soll den Zeitgeist und die politischen Zusammenhänge einfangen“, erklärt Pöhlmann-Grießinger, die das Stück geschrieben hat. Schließlich sei beispielsweise die 68er Bewegung vor allem bei jüngeren Leuten nicht mehr so präsent. „Es ist wichtig, den Menschen Beuys zu zeigen und seine Kunst verständlich zu machen.
Die Idee zum zweiaktigen Stück hatte Roland Eugen Beiküfner bei der Geburt seiner Tochter am 12. Mai 2003, dem Geburtstag von Beuys. Dabei ist auch ihm der zeitliche Zusammenhang beim Stück besonders wichtig. „Jeder ist ein Kind seiner Zeit.“ Der Hut erzähle von seiner Zeit mit Beuys, und der Geschichtslehrer hinterfragt kritisch. „Das Besondere am Theaterstück ist, dass es immer im Wandel ist und ständig was dazu kommt“, erklärt Beiküfner.
Vieles an den Werken von Beuys habe nämlich einen fast prophetischen Charakter. Das Kunstwerk „Cosmos und Damian“ beispielsweise werde oft mit den Terroranschlägen auf das World Trade Center in New York in Verbindung gesetzt. „Das gesamte Leben ist wichtig für das Verständnis seiner Person.“ Im ersten Akt gehe es vor allem um sein Verständnis von Demokratie und Pädagogik, während sich der zweite Akt mit seinen Aktionen auseinandersetzt.

Viele gemeinsame Stücke

„Der Hut von Joseph Beuys oder Die Ursache liegt in der Zukunft“ ist nicht das einzige Stück, dass Pöhlmann-Grießinger und Beiküfner aufführen. Nachdem sie sich durch das Theater kennengelernt hatten, gründeten sie die Kultur- und Theatergruppe Kunst und Drama, mit der sie bis dato zwölf Stücke auf die Bühnen gebracht haben. Sieben davon sind Biographien. „Wir wollen außergewöhnliche Menschen in außergewöhnlichen Situationen zeigen“, erklärt Pöhlmann-Grießinger. Das habe auch einen gewissen Arbeitsaufwand, weil damit viel Recherche und Auseinandersetzung mit den Menschen einhergeht.
Außerdem ist die theatralische Auseinandersetzung mit Biographien ein komplett neues Genre, fügt Roland Beiküfner hinzu. „Wir wollten etwas Neues, den Sommernachtstraum kann ja jeder“, sagt er. Was zudem den Schauspieler antreibt, sind die Schicksale der Personen, die behandelt werden. „Unser Stück über den Polarforscher Ernest Shackleton ist so intensiv, dass manche Zuschauer in der Pause der Aufführung gegangen sind“, erklärt Beiküfner.

Kunst und Corona

Die Corona-Pandemie habe für die beiden Kunstschaffenden alles verändert. „Das Theater lebt von der Interaktion mit dem Publikum und als Schauspieler braucht man die Präsenz und die Aura des Publikums“, sagt Beiküfner. Das sei unabhängig von der Anzahl der Zuschauer, aber bei einem Live-Stream nicht gegeben.
Während der Corona-Pandemie entstanden deshalb auch zwei Hörspiele und eine Webserie. Ersetzen könne das die Bühne aber niemals. Umso wichtiger seien die Erinnerungen der beiden Künstler an die schönsten Momente auf und hinter der Bühne. „Seit ich zum ersten Mal auf einer Empore stand, wollte ich im Theater arbeiten“, erinnert sich Pöhlmann-Grießinger. Sehr schnell habe sich die Passion zur Regie herauskristallisiert. Am meisten ist ihr ein Auftritt in Lindau am Bodensee über William Becher in Erinnerung geblieben. „Es war zum ersten Mal die perfekte Beleuchtung, und das hat unwahrscheinlich gut getan.
Für Roland Eugen Beiküfner war es ein Auftritt mir dem Beuys-Stück am 7. November 2009 in Heidelberg. „Alles lief so gut, ich bekam Standing Ovations und ich habe danach mit dem Rauchen aufgehört und nie wieder angefangen“, blickt er zurück.

Film und Fernsehen

Neben dem Theater haben Pöhlmann-Grießinger und Beiküfner auch Erfahrungen als Schauspieler in Filmen und TV-Serien gemacht. Sie waren schon in den Serien „Verdachtsfälle“, „Mein dunkles Geheimnis“, „Alarm für Cobra 11“ und „Aktenzeichen XY“ zu sehen. „Das ist völlig verschieden zum Theater“, erklärt Beiküfner.
Das Produktionstempo sei hoch und die Stimmung am Set oftmals gereizt. „Wir machen das nicht nur wegen dem Geld, sondern es steckt auch eine Herausforderung dahinter“, führt er aus. Viele Serien seien Fließbandproduktionen, bei Kinofilmen habe man insgesamt mehr Zeit. „Das ist ab und zu ganz nett, aber nichts für immer.“ Außerdem gehe es auf Dauer an die Substanz, ergänzt Pöhlmann-Grießinger.
Die Freude ist groß, nach langer Zeit wieder auf der Bühne zu stehen. Vor allem Feucht habe für sie eine besondere Bedeutung. „Wir sind dem Themenkunstverein zu großem Dank verpflichtet, weil sie uns immer herzlich willkommen heißen und wir Narrenfreiheit für all unsere Stücke und Projekte bekommen“, sagt die Regisseurin.

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