Furioser Einstieg für „Jazz in der Burg“ mit dem Thilo Wolf Quartett

Swing as swing can

Ein eingespieltes Team läutete eine Serie musikalischer Höhepunkte ein (v.l.): Norbert Nagel, Paul Höchstädter, Thilo Wolf und Markus Schieferdecker. | Foto: Gisa Spandler2017/07/thilo-wolf.jpg

BURGTHANN – Manchmal kommen die Highlights eines Festes mit mehreren Programmpunkten eben schon gleich zu Beginn. „Wenn ich Jazzfan wäre, dann wäre genau das meine Musik“, sagt mein Tischnachbar am Freitagabend im Burghof. Kann gut sein, dass er jetzt Fan ist. Wer, wenn nicht Thilo Wolf und seine drei Mitspieler, könnte hier Überzugungsarbeit leisten.

Die Vier stehen gut gelaunt auf der Bühne des gut gefüllten Hofs und steigen swingend ein mit einem Benny Goodman-Klassiker. Spielend schaffen sie es dabei – auch im weiteren Verlauf des Abends – Songs, die schon Tausende Male gespielt wurden, attraktiv und mitreißend zu interpretieren, was zweifellos daran liegt, dass sich hier ein meisterliches Quartett zusammengefunden hat, das blind auf einander eingespielt ist, im wahrsten Sinn des Wortes. Unabhängig davon werden aber auch ganz reizvolle Eigenkompositionen präsentiert. Auf charmante Weise plaudert Thilo Wolf aus dem Nähkästchen, gibt Erläuterungen zu den Stücken und zur Entwicklung der Band und lobt zu allererst das romantische Ambiente.

So erfährt man, dass Kollege Norbert Nagel (Saxophon, Klarinette) und er abwechselnd die Chefs der jeweiligen Formationen waren, in denen sie schon seit Jahrzehnten zusammen spielen. Bereits in einer Studenten-Band seien sie mit dem Count-Basie-Virus infiziert worden, verrät der Pianist, der in diesem Jahr mit seiner Bigband 25-jähriges Jubiläum feiert. Und lässt sogleich eine raffinierte Version von „Cute“ folgen, in der Schlagzeuger Paul Höchstädter mit einem fetzigen Drum-Solo brilliert, das nicht das einzige des Abends bleibt.

Viele Höhepunkte erlebt dieser Abend, und abseits der musikalischen Bravourstückchen gelingt es dem TV-erprobten Chef des Quartetts bestens, den Kontakt zum Publikum herzustellen und aufrecht zu erhalten. Allein die Tatsache, dass die Zuhörer unter freiem Himmel und trotz allerlei Ablenkungen den Musikern zu jeder Zeit ihre ungeteilte Aufmerksamkeit schenken, beweist das starke Charisma von Musikern und Musik.

Im Programm finden sich jede Menge musikalischer Leckerbissen. Da ist zum Beispiel Victor von Scheffels „Frankenlied“, eine getragene und zu Herzen gehende Interpretation, in der sich „The Nobs“ Norbert Nagel und Thilo Wolf mit zarten und dann wieder wieselflinken Fantasien abwechseln.

Trotzig und rotziger Sound

Der No-no-Blues, eine Komposition von Wolf, in der er das Trotzalter seines damals dreijährigen Sohnes verewigte, wird von Nagel mit einer trotzigen und rotzigen Bass-Klarinette umgesetzt, und „Tessas Waltz“, ebenfalls eine Eigenkomposition, gibt Markus Schieferdecker viel Raum für seine dröhnenden und dennoch melodiösen Bass-Linien.

Nicht nur zur bewährten Klarinette, sondern auch zur Querflöte greift Norbert Nagel bei der Rhapsody in Blue, und nicht fehlen darf natürlich auch der Klassiker „Summertime“, bei dem der Pianist schier unglaubliche Läufe auf den Tasten produziert und mit variabler Dynamik und Rhythmik Improvisationselemente einbaut, die einfach nur Gänsehaut erzeugen.

Da die Chemie zwischen Musikern und Zuhörern so perfekt ist, kommen natürlich auch die kleinen auflockernden Gags gegen Ende der Veranstaltung bestens an. Wo sonst darf das Publikum schließlich abstimmen, ob es sich die „Sing sing sing“-Version von Duke Ellington oder die von Benny Goodman anhören möchte?

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler