Premierenlesung für Ursula Muhrs neues Buch

„Stellas Reise“ in eine hochgefährliche Welt

Stella ist wieder in die Vergangenheit getaucht und findet sich im Jahr 1939 zu Kriegsbeginn mit ihrer Urgroßmutter am Bahnhof wieder, wo grölende Nazis den Hitlergruß zeigen. Das Innengewölbe des Gebäudes hat die Illustratorin dem alten Nürnberger Bahnhof nachempfunden.Illustrationen: Irma Stolz2016/04/db-stella1.jpg

ALTDORF/SCHNAITTACH – „Stellas Reise“ heißt das neue Buch der Altdorfer Autorin Ursula Muhr. Es ist erst vor wenigen Tagen auf den Markt gekommen und ist für ältere Kinder und Jugendliche geeignet, die sich für packende Erzählungen interessieren, für gute Unterhaltung, für kindgerecht aufgemachte historische Bezüge und nicht zuletzt fantastische Geschichten. All dies vereint Muhr in dem kleinen Taschenbuch, das man nicht mehr aus der Hand legen mag/kann, wenn man mit der Lektüre angefangen hat.

Der Autorin, die nicht nur, aber vorwiegend Kinder- und Jugendbücher verfasst, geht es nicht allein um spannende Unterhaltung und Zeitvertreib. In Zeiten, in denen sich schon die Jüngsten mit Smartphone, Apps, Tablets und Computerspielen der unterschiedlichsten Art beschäftigen, ist die Produktion von Büchern zwar allein schon Leseförderung, aber die Altdorferin hat mehr im Sinn. In Workshops und interaktiven Lesungen motiviert sie die jungen Menschen, sich auf vielfältige Weise mit Literatur auseinanderzusetzen. Sie arbeitet viel mit Schulklassen, fördert Fantasie und Schreiblust, hat aber immer auch den Anspruch, Botschaften zu vermitteln, und zwar ohne den gefürchteten erhobenen Zeigefinger. So gelingt es ihr immer wieder, auch in Märchen oder Bilderbüchern Themen aus der Lebenswelt der Kinder aufzugreifen, und sie ihnen mit Menschlichkeit und – ganz wichtig – viel Humor nahezubringen.

Dass sie dabei auch schwerere Themen nicht ausklammert, hat sie bereits in dem Kinderbuch „Abschied von Oma“ gezeigt, in dem sie auf sensible, natürliche und versöhnliche Weise das Thema Tod anpackt.

Nun liegt das neue Büchlein vor, das sich ebenfalls mit einem heiklen Thema beschäftigt: Der Zweite Weltkrieg wird auf einer der Handlungsebenen zum Schauplatz einer spannenden und warmherzigen Geschichte von Mut und Zivilcourage, die Fantastisches und Historisches aus der deutschen Vergangenheit verbindet und trotz der geschichtlichen Hypothek, die auf der Epoche lastet, nicht düster und moralisierend daherkommt, sondern ein reizendes Kinderbuch geworden ist.

Die Illustrationen stammen wieder, wie schon in Muhrs jüngsten Büchern, von Irma Stolz, die ein enormes Gespür für den Charakter und den Stil des Textes zeigt und einzelne Szenen mit einfachen und ausdrucksstarken Zeichnungen unterstreicht.

Zwei verquickte Welten

Die Geschichte entfaltet ihren Charme dadurch, dass sich zwei Welten gegenüberstehen, die auf interessante Weise miteinander verquickt werden. Da ist die Hauptperson, das Mädchen Stella, bis vor kurzem in der heilen Welt der Gegenwart verwurzelt, das durch einen Zauber in die Vergangenheit rutscht und sich dort im Körper eines jüdischen Mädchens in einer schwierigen und gefährlichen Lage während des Naziregimes im Zweiten Weltkrieg wiederfindet. Muhr versteht es dabei meisterhaft, die Episoden, denen ja keine romantischen Abenteuer, sondern lebensgefährliche Situationen zu Grunde liegen, für Kinder verständlich und nicht zu belastend aufzubereiten, aber eben auch nicht banal und beschönigend. Das Fantastische und vor allem das Spannende stehen beim Plot ganz eindeutig im Vordergrund. Aber auch die leiseren Zwischentöne, zum Beispiel als das moderne Mädchen von Zweifeln gebeutelt wird und versucht, das Unglaubliche mit sich selber auszumachen, oder als die Sorge um die geliebte Urgroßmutter, die eine Schlüsselrolle in der Geschichte spielt, Oberhand gewinnt, geraten sensibel und authentisch.

Die Stärke des Buches liegt so nicht allein in den spannenden Momenten oder in den behutsamen Informationen zum Thema Nationalsozialismus, sondern vor allem in der gelungenen, an sich komplex verwobenen Story, die sich gegen Ende aber absolut nachvollziehbar auflöst. Stella erfährt auf unglaubliche Weise, dass ihre Urgroßmutter im Krieg ein jüdisches Mädchen unter großen Gefahren versteckt hat und spielt gleichzeitig durch ihre Zeitreisen in dieser brandgefährlichen Geschichte selber mit.

Passende Premieren-Lesung dieses neuen Muhr’schen Werks ist am Sonntag, 24. April, um 14 Uhr im Rahmen einer Familienlesung in der Bücherei Schnaittach, Marktplatz 2. Veranstalter ist das Jüdische Museum Franken zusammen mit der Bücherei. Plätze kann man sich über [email protected] reservieren lassen.

Ursula Muhr, Stellas Reise, Illustration Irma Stolz, Spielberg Verlag, Neumarkt/Regensburg, 2016.

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