Konzert im Burgkeller

Soul-Prinzessin und Jazz-Giganten

Eigene Songs voller Leidenschaft und Rhythmus präsentiert Audrey Martells. Im Hintergrund der Vollblut-Bassist Petr Dvorsky. | Foto: Gisa Spandler2017/11/burgthann-audrey6.jpg

BURGTHANN – Journalisten sollten sehr sparsam mit diesem Satz umgehen, aber manchmal stimmt er eben: „Wer dieses Konzert nicht erlebt hat, hat wirklich etwas versäumt.“ Der Auftritt von Audrey Martells zusammen mit dem Phishbacher Trio im Keller der Burgthanner Burg war schon ein ganz besonderer. Zu erleben waren eine Frau, die Jazz und Soul nicht nur singt, sondern lebt, mit jeder Faser ihres Körpers, und ein Jazz-Trio, das auch ohne die Solistin begeistert und alle Register zieht, keine Wünsche offen lässt.

Mit ihrer kraftvollen und dennoch sensiblen Stimme beherrscht die zierliche Sängerin mit den hüftlangen Rastalocken aber sofort die Szene, nachdem das Intro als Instrumental auf die Solistin vorbereitet hat. Dann zeigt sie in den Songs, die hauptsächlich aus ihrer Feder stammen, dass sie die gesamte Palette an Klangfarben, Höhen und Tiefen, mühelos beherrscht, sehr professionell und gleichzeitig herrlich unangestrengt und natürlich. Hier verbinden sich Talent und Können aufs Schönste, nichts wirkt aufgesetzt, Mimik und Gestik sind authentisch. Gleichzeitig verrät die Künstlerin immer wieder ihre eigene Leidenschaft, wenn sie von den Songs und ihren Inhalten erzählt und ihre Begeisterung vom Auftrittsort in dem alten Burggemäuer beinahe demütig immer wieder beteuert und schließlich schnell ein paar Fotos mit dem Handy schießt. Die Sympathien der zahlreich erschienenen Zuhörer gewinnt sie daher nicht nur wegen ihrer phantastischen Performance und ihrer umwerfenden Optik von Anfang an. Da tut sie sich natürlich leicht, das Publikum zum Mitklatschen und Refrainsingen zu animieren.

Hoher Stellenwert der Texte

Auch die Texte der Lieder haben einen hohen Stellenwert bei ihren Kompositionen. In „Harlem“ geht es um den berühmten New Yorker Stadtteil mit seinen typischen Hotspots für die Künstler, in „Sweet Regine“ berichtet sie von den Sorgen einer Mutter, deren Tochter viel zu früh auf die Piste geht, in „Never Looking Back“ geht es – natürlich – um eine verlorene Liebe. Und auch die Politik kommt nicht ungeschoren davon: Jeder weiß, auf wen sie abzielt, wenn sie eine Nummer ankündigt, die von jemandem handelt, der in ihrer Heimat „eine Mauer bauen möchte“. All diese Themen schildert sie mit einer musikalischen Intensität, die beinahe vergessen lässt, dass sie nicht die einzige Spitzen-Musikerin auf der Bühne ist.

Das Phishbacher Trio begleitet sie perfekt, nimmt sich Raum für atemberaubende Soli und streut ab und zu eines seiner Instrumentals ein, in dem man immer wieder neu entdeckt, dass diese Drei eben nicht die Begleitmusiker von Audrey Martells sind, sondern eine perfekte eigenständige Combo mit phantastischen Musikern.

An vorderster Front fasziniert Walter Fischbacher am Piano, wo er sich ebenso gefühlvoll als Begleiter wie auch als rasender Solist präsentiert. Der Sonnyboy Ulf Stricker an den Drums zeigt immer wieder, dass er nicht allein für den Rhythmus zuständig ist, wenn er zu voller Form aufläuft und sich langsam, aber unaufhaltsam ein Schlagzeug-Gewitter anbahnt. Überzeugende Bass-Soli liefert Petr Dvorsky, der sich zwar eher im Hintergrund hält, sich aber tatsächlich nicht verstecken muss.

Dass nicht nur vor, sondern auch auf der Bühne die außergewöhnliche Stimmung zu spüren ist, wenn ein Stück besonders gelingt und mitreißt, beweist die Umarmung von Dvorsky und Stricker nach einem ihrer besonderen Duette, die das Publikum den Atem anhalten lässt.

Neben den Eigenkompositionen von Martells, die teils balladig, teils mit viel Schwung jazzig-swingend oder soulig-bluesig daher kommen, finden aber auch immer wieder Latin-Klänge Eingang in ihre Songs, und ganz ohne die bewährten Standards wie „On Broadway“ oder „Route 66“ mag auch sie nicht auskommen.

Vor der Zugabe gibt sie schließlich ein Statement ab, das ihr offensichtlich eine Herzensangelegenheit ist: Jeder möge nach seiner Facon selig werden, Toleranz heißt das Stichwort, und dann singt sie mit Inbrunst und Publikumsbeteiligung das Fazit: „Live your life“.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler