Fitzgerald Kusz im Dehnberger Hof Theater

Schwere Kost vom Mundartdichter

Sicherheitshalber hat er sich hinter der Zeitung verschanzt, der Ehemann, dessen Part Fitzgerald Kusz bei „Des woärs“ übernimmt. Seine Gattin (Antje Cornelissen) schlägt mit Worten um sich. Foto: Krieger2013/11/73338_kusz_New_1384789864.jpg

DEHNBERG — Mit seiner szenischen Lesung „Des woärs“ hat Mundartdichter Fitzgerald Kusz im Dehnberger Hof Theater ein schwarzes Kammerspiel über eheliche Koexistenzen präsentiert, das Schauspielerin Antje Cornelissen mit großer Bühnenpräsenz zum Leben erweckte. Ein Wohlfühlabend allerdings sieht anders aus.

Die lose Aneinanderreihung von Minidialogen aus der Feder des Nürnberger Lyrikers und Autors hat es in sich, das zeigt schon die Tatsache, dass zwölf der insgesamt 25 Szenen, die Kusz und Cornelissen im DHT interpretieren, den Titel „Nahkampf“ tragen. Und der darf, nein, muss so im wörtlichen Sinne verstanden werden. Denn die Dialoge und Monologe kommen an diesem Abend Schlag auf Schlag und landen wie giftige Pfeile direkt im Publikum, das mit einer Mischung aus Faszination und Abwehr den beiden auf der Bühne da lauscht, die sprachlich die Messer wetzen, bis der Schlaganfall kommt.

„Reiz mich ned!“ lautet der zyklisch wiederkehrende Schlachtruf, mit dem Cornelissen mit einem scharfen Blick über die Brille ihrem stoischen Gegenüber auf die Pelle rückt – und dabei eigentlich meint: „Reiz mich!“ Doch dafür ist es in der Beziehung dieser beiden schon zu spät. Kusz, der seinen Part der Szenen vorliest, pariert so viel Kommunikationsbedürfnis meist mit vielsagender Sprachlosigkeit – verschanzt hinter der Tageszeitung oder im Hobbykeller, wo die Gattin keinen Zugriff hat.

Makaberer Humor

Das ist zwischendrin ganz unterhaltsam, vor allem in der Szene, in der der gegängelte Ehemann seine Frau versehentlich umbringt und am Ende nicht weiß, wie er sie entsorgen soll. Oder am Ende, als Kusz im Rollstuhl dem Wortschwall seiner Frau hilflos ausgeliefert ist. Da kommt er durch, der makabere und böse Humor des Nürnberger Autors.

Doch das passiert leider zu selten an diesem Abend. Vieles wiegt schwer, vor allem in der engen Zusammenschau der Szenen, die es kaum ermöglicht, Luft zu holen und die einzelnen Dialoge setzen zu lassen. Und so lässt die Lesung nach knapp eineinhalb Stunden das Publikum trotz der hervorragenden schauspielerischen Leistung von Cornelissen und der schelmisch akkuraten Lesung von Kusz ein bisschen ratlos und auch bedrückt zurück. Der Applaus fällt nur höflich aus.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren