Tobias Hoffmann Trio in Altdorf

Mit Hendrix auf der Lok

Das Tobias Hoffmann Trio interpretierte bei Jazz & Beyond in Altdorf liebevoll bekannte und weniger bekannte Klassiker. | Foto: Frank Erik Walter2020/01/Altdorf-Tobias_Hoffmann_Trio-scaled.jpg

ALTDORF – Das Tobias Hoffmann Trio begeistert als Samstags-Act bei Jazz & Beyond.

Vorsichtig, fast in Zeitlupe, schweben die ersten Takte des Jazz-Klassikers „Chitlins Con Carne“ über die Zuhörer im Altdorfer Kulturtreff Baudergraben. Als ob seine Gitarre erst die richtige Stimmung finden müsste, lässt Tobias Hoffmann die Töne bedächtig durch den Raum wabern, bevor Bassist Frank Schönhofer und Schlagzeuger Etienne Nillesen das fragile Klangkonstrukt in einen treibenden Beat einbetten. Die ersten Köpfe im Publikum nicken rhythmisch.

Keine eigenen Stücke
Es sind keine eigenen Stücke, die das Tobias Hoffmann Trio nach Altdorf zu „Jazz & Beyond 2020“ mitgebracht hat – dem neuen Veranstaltungsformat der Soulbuddies, die mit ihren MIA-Festivals längst zum sommerlichen Pflichtprogramm für Musikfreunde gehören. Bandleader Tobias Hoffmann, der mit entspannter Stimme zwischen den einzelnen Titeln moderiert, macht sich selbst über diesen Umstand lustig: „Ja, wir haben keine eigenen Stücke dabei. Man hat heutzutage so wenig Zeit. Und wir sind vielleicht auch ein bisschen faul.“ Wobei das Trio Letzteres eindrucksvoll widerlegt. Zahlreiche Auszeichnungen haben sich die Künstler verdient, vom WDR Jazzpreis bis hin zum Echo. Mit fieberhafter Energie verbiegen die drei Musiker sich und ihre Instrumente, um das Publikum mit neuen, facettenreichen und dennoch eingängigen Jazz-Interpretationen zu verblüffen.

Tickende Jazz-Takte
So ertränkt das Trio den Doors-Hit „Riders On The Storm“ unter einer Flut tickender Jazz-Takte, aus deren Wogen gelegentlich das musikalische Thema hervorbricht, um gleich darauf wie ein Surfer im nächsten Wellen-Tunnel abzutauchen. Der jubelnde Charts-Stürmer „The Locomotion“ von Little Eva und Kylie Minogue wird mal eben in einen sinnlich-langsamen Steh-Blues verwandelt. Bei Bruce Springsteens „The River“ sägt Drummer Etienne Nillesen nachdenklich am Becken seines Schlagzeugs und entlockt dem Instrument gläsern-sphärische Töne. Zum Schluss rast eine stampfende Dampflok namens „Voodoo Child“ durchs Publikum, den lachenden Jimi Hendrix im Führerhaus, während das Tobias Hoffmann Trio fleißig Kohlen nachlegt. Die Zuhörer danken es ihnen mit krachendem Beifall. Die Zugabe ist Ehrensache.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren