Kabarett in Hersbruck

Michael Altinger setzt ein „Schlaglicht“

Grimassen gehören bei Michael Altinger zum Programm. | Foto: M. Gundel2019/11/michael_altinger.jpg

HERSBRUCK – Einen niederbayerischen Grantler hoch zehn erlebten die Gäste der Geru-Halle, als Michael Altinger alles aus sich herausholte, was sich irgendwie kabarettistisch verwerten ließ.

Michael Altinger kommt auf die Bühne und lässt sich erst mal feiern. Mit ausgestreckten Armen badet er im Applaus und animiert seine Zuhörer zu noch mehr Geklatsche. Und dann legt er los. Schnurstraks, ohne Umschweife, in einem Tempo, das man erst mal durchhalten muss. Vorher kann er sich aber einen kurzen Seitenhieb auf seinen Auftrittsort nicht verkneifen: „Was gibt es denn Besonderes in Hersbruck? Therme und Finanzamt? Und die Citta Slow – was das heißt, weiß hier kein Mensch.“

Auch die Themen wechselt Altinger schneller, als sich mancher die Lachtränen aus dem Gesicht wischen kann. Vom verhassten Internet zum Älterwerden, vom Sex zum Zähneputzen und von der heutigen Schnelllebigkeit zur Demokratie, mit der doch etwas nicht stimmen kann, wenn der Wahlzettel länger ist als eine Klopapierrolle. Und zwischendurch taucht immer wieder seine imaginäre Grillparty auf, die er wieder und wieder vertrösten muss, weil sich sein Ehrengast verspätet. Helmut Lux heißt der, eine angebliche Lichtgestalt, ein Erfinder und großer Denker, den Altinger bei einem Autounfall im ersten Teil seiner Kabarett-Trilogie kennengelernt haben will.

Die Gäste der Grillparty dienen dem Kabarettisten denn auch oft als Beispiele für seinen komisch-kritischen Blick auf die Gesellschaft. Der Typ aus der Männeryogagruppe, die sich im Heimatdorf Strunzenöd neben dem dortigen Swingerclub trifft, wird gnadenlos veräppelt und zum Symbol für das leicht verweichlichte männliche Geschlecht. Der hirnleere Muskelprotz hinterm Grill hat die immer gleichen Sprüche parat und die naive Göre mit Dauer-Schmollmund nervt einfach nur, weil sie eigentlich alles hat, aber nie wirklich glücklich ist.

Wurst im Kartoffelsalat

Und im Mittelpunkt steht der Kartoffelsalat, der für Altinger die Keimzelle des menschlichen Miteinanders ist. Denn an dem erkenne man Freund und Feind. Und wer Fleischwürste in den Kartoffelsalat schneidet, wolle sich einfach nicht integrieren lassen.

Natürlich lässt er auch die Klimadebatte nicht aus und erkennt einen neuen Trend, nach dem man sich besser fühle, wenn man sich für etwas schämt. Flugscham zum Beispiel. Deshalb brauche es bald auch ein Scham-Ministerium mit vielen Scham-Manen darin. Denn der Mensch müsse immer erst selbst erkennen, dass er „ein Depp“ ist, damit er sich ändert. Schreibt man ihm allerdings vor, was er denken soll, sei er erst mal beleidigt.

Ein Mann, eine Band

Zwischen all den größeren und kleineren Witztiraden bewährt sich Martin Julius Faber an Keyboard und Gitarre als Ein-Mann-Band, liefert zuverlässig Türquietschen und Stimmengewirr zur imaginären Grillparty und musikalische Begleitung zu Altingers Liedern, bis der zum Schluss selbst zur Gitarre greift.

Die vielen Lacher bewiesen: Dem Publikum gefiel’s, auch wenn hin und wieder eine Pointe nicht so sehr ankam wie sie vielleicht gesollt hätte. Das mag daran liegen, dass Witze über erfundene Personen nicht ganz so einfach zünden wie solche über reale, bekannte Persönlichkeiten. Dabei hätte sich Altinger als Moderator des „Schlachthof“ im BR bestimmt aus einem großen Topf voller Promi-Fettnäpfchen bedienen können. Aber Beckenbauer und Co. veräppeln, das kann schließlich jeder.

N-Land Marina Gundel
Marina Gundel