Open Air-Ausstellung

Kunstspaziergang durch Hersbruck

Nicole Wirl hängte bunte Ballons mit dem Titel „Colours of Corona“ in einen Baum auf der Turnhalleninsel. Aufgedruckt sind Kommentare zur Krise. | Foto: U. Scharrer2020/08/redwebEr-ffnung-KSG-Colours-of-Corona.jpg

HERSBRUCK – „Zweieinhalb Kilometer Kunst“ kann Kunstmuseumsleiter Uli Olpp mit seinem Team dank der Anstrengungen der heimischen Künstler den Besuchern anbieten, mal dichter, mal lichter bestückt mit 44 Werken.

Laudatorin Barbara Leicht, Kulturamtsleiterin von Neumarkt formulierte es so: „Von West nach Ost, vom Hirtenmuseum bis hinter die Turnhalleninsel, von Nord nach Süd, vom Kreisverkehr in der Amberger Straße bis hinters Wassertor finden sich Bilder, gemalt oder als Graffiti gesprayt, Fotoarbeiten, Installationen, Skulpturen aus den verschiedensten Materialien in den verschiedensten künstlerischen Handschriften, figurativ, gegenständlich, verständlich und vielleicht auch ein wenig rätselhaft. Amüsantes, Ironisches, Ernsthaftes.“

Bürgermeister Robert Ilg freute sich über die „Stadtverschönerer“, die einen Ausgleich für das schmerzlich vermisste Gitarrenfestival und „Kunst im Fluss“ böten: „Die Kunst ist nicht trockengelegt, sondern hat sich neue Formen gesucht.“

Knapp unter den erlaubten 200 Menschen waren auf der Turnhalleninsel bei der Eröffnung des 1. Hersbrucker Kunstspaziergangs dabei – und viele ließen sich von den wie die Rattenfänger von Hameln voranspazierenden Saxophonisten Achim Göttert und Rob Stephan noch zum Bummel durch die kunstbestückte Stadt verlocken. Schon Barbara Leicht hatte in ihrer Rede zum Flanieren an den Werken entlang eingeladen: „In Hersbruck bekommt die Kunst nun Füße, viele 1000 Füße und diese Füße gehören uns. Es ist an uns, die Stadt mit ihrer Kunst zu erkunden.“

Mit Adlerblick

Zum Glück bietet der Flyer, der an vielen Punkten des Kunstwegs in der Stadt und in etlichen Geschäften ausliegt, einen exakten Lageplan der einzelnen Werke, zudem sind diese mit erläuternden Tafeln versehen. Denn für manche Exponate brauchen die Neugierigen auf dem Kunstspaziergang wirklich einen Adlerblick: Wer die kleine Büffelskulptur aus Beton von Gerhard Steinle auf einem Fenstersims der Stadtmauer im „Graben“ vor dem Kunstmuseum entdecken will, braucht scharfe Augen. Wer nicht achtlos an den kleinen Schwimmern von Kollektief.Punkt, die im Brunnen vor der Spitalkirche brav und mit Abstand ihre Bahnen ziehen, vorbeigehen möchte, muss wissen, dass im Brunnen etwas zu finden ist.

Auch Thomas Mays „Uncoupled Grass“ muss man, da über Augenhöhe im „Graben“ positioniert, schon suchen. „Heb die Augen“ heißt die Arbeit von Alena Scharrer, der jüngsten Künstlerin. Genau das sollte man auch tun, wer den kleinen Skarabäus ausfindig machen will, den sie im Fensterchen eines Hirtengassengebäudes versteckt hat. Es empfiehlt sich, vorher vor ihrem kindergroßen Tor in die Knie zu gehen, das mitten im Rasen des Rentnergärtla steht – dann stimmt die Blickrichtung.

Sonnenuhr mit Ziege

Und selbst alteingesessene Hersbrucker haben vielleicht den kleinen Hinter-Hofgarten der Drogerie Langguth noch nie bemerkt, in dem Reiner Zitta seine gewohnt skurrilen Objekte aufgestellt hat. Geht man zwischen Bauwelt und Eisdiele auf dem Parkplatz nach hinten, findet man ein Flugobjekt „ohne e-, b- oder c-mission“, eine Eierschleifmaschine mit nicht erteiltem Patent und eine Art Sonnenuhr mit Ziegenunterstützung, zusammengebosselt aus Fundholz, Konservendosendeckeln und mit Neonorange besprüht.

Hartmut Brandis‘ Installation aus rot-weiß gestreiftem Absperrband „Bis auf Weiteres gesperrt“ fügt sich an der Waschpegnitz dermaßen gut ins allgemeine Baustellengeschehen ein, dass sie zunächst gar nicht auffällt. Die Figuren in Janine Gührs „Little Street Art Project“ im Mauerweg sind ameisenklein und enthalten doch politischen Sprengstoff.

Ballons und Fahnen

Nicht alle Objekte sind so schwer zu finden: Die übermannshohen bedruckten Fahnen von Woldemar Fuhrmann und Daniela Baumann, die lichten Volants von Thomas Geiger oder die Fotomontagen von Barbara Henning fallen ins Auge. Harald Pompls „Fiori“ aus farbigem Kunstharz erinnern in der Pegnitz Richtung PsoriSolgelände an Paolo Voltas nicht minder poetische Installation aus dem Vorjahr an derselben Stelle. Die „Colours of Corona“, bunte Ballons von Nicole Wirl, die in einem Baum auf der Turnhalleninsel baumeln und mit Kommentaren zur Corona-Zeit bedruckt sind, fallen auf. Und Hubertus Hess‘ Arbeit, der in einer weiteren Annäherung an Hersbrucks Hirtenkultur das Hirtenmuseum „gehörnt“ hat, leuchtet bei richtigem Sonneneinfall golden.

Die Entdeckerlust dürfte den halben Spaß ausmachen, wie zahlreiche Passanten bewiesen, die Nase tief im Lageplan vergraben. Auch für Kinder ist so die Schatzsuche nach Hersbrucks neuesten Kunstschätzen ein Heidenspaß. Anders als bei „Kunst im Fluss“ bleiben die Werke nun für vier Wochen bis zum 31. August vor Ort.

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