Kunstmuseum Hersbruck

Im Zwiegespräch mit einem Hut

Roland Eugen Beiküfner spielte den Geschichtslehrer Roland Ebenhart, der im Gespräch mit seinem Hut das Leben von Joseph Beuys und dessen Intention darzulegen versucht. | Foto: G. Münzenberg2020/02/P2130007.jpg

HERSBRUCK (gm) – Inmitten der Exponate der Ausstellung „Zimmermuseum Appelt“ zeigte Roland Beiküfner mit „Der Hut von Joseph Beuys oder Die Ursache liegt in der Zukunft“ im Kunstmuseum ein informatives Einpersonen-Theaterstück zur Kunst.

Die Frage, was Kunst sei und was nicht, hat sich Joseph Beuys im Laufe seines Lebens immer wieder neu gestellt. In Zeiten der Studentenrevolten neigte Beuys mit seinen Performances sowohl zur Provokation als auch zur Poetisierung, was seinen zum Teil mystifizierten Lebenslauf ebenso betrifft wie seine äußere Erscheinung, die ihn durch Filzhut und Fliegerweste unverwechselbar machte.

Kunsthistorikerin und Autorin Friederike Pöhlmann-Grießinger hat deshalb eine Idee von Roland Eugen Beiküfner aufgegriffen und ein fiktives Zwiegespräch zwischen dem pensionierten Geschichtslehrer Roland Ebenhart, einem ehemaligen Beuys-Schüler, und dessen legendären Filzhut konzipiert. Das zweiaktige Theaterstück beleuchtet Leben, Denken und Werk des Aktionskünstlers, Bildhauers, Malers, Pädagogen und Politikers von zwei verschiedenen Seiten.

Fiktiver Lehrer

Im ersten Akt kommt Ebenhart mit Koffer die Treppe heraufgepoltert und berichtet von seinem Besuch im Beuys-Archiv auf Schloss Moyland, wo er auf die Ähnlichkeit seines Hutes mit dem Filzhut von Beuys aufmerksam gemacht wurde. Die Unterhaltung zwischen dem fiktiven Geschichtslehrer und dem Beuys bewundernden Hut begleitet den 1921 in Kleve geborenen Künstler auf seinem Weg vom legendären Flugzeugabsturz auf der Krim während des Zweiten Weltkriegs über seine Begegnung mit dem Tierfilmer Heinz Sielmann und sein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie, seine ersten Ausstellungen und seine politischen Umtriebe, als er bereits Professor war, bis zur Besetzung des Sekretariats. Das führte zur fristlosen Entlassung durch den damaligen Wissenschaftsminister Johannes Rau.

Fantasie schafft Realität

Zu Beginn des zweiten Aktes rechtfertigt Ebenhart im kontroversen Zwiegespräch mit dem Hut Beuys politische Aktivitäten, seine Performances und Installationen in New York, im Münchner Gasteig und auf der 6. Dokumenta in Kassel, wo er das 7000-Eichen-Projekt ins Leben rief, in dem er Kassels ehemals kahle Straßen mit 7000 großen Stieleichen einsäumte. Beiküfner führte vor, wie die berühmte Capri-Batterie mit einer Zitrone und einer Glühlampe funktioniert.

Der „Hut“ zeigte auch auf, dass Beuys bereits früh auf die zerstörerischen Auswirkungen des Kapitalismus auf die Menschen, die Gesellschaft und die Kunst hingewiesen hatte. Denn die Fantasie, so glaubte er, sei in der Lage, neue Realitäten zu schaffen oder schon bestehende zu verändern. Es gibt bei ihm keinen allgemeinen Kunstbegriff, jede kreative Idee, alles kreativ und neu Gedachte ist Kunst. Mit dieser Auffassung hat Beuys versucht, die bestehende Kluft zwischen Kunst und Wissenschaft in seiner Zeit aufzuheben.

Anregung fürs Hirn

Eine lebhafte Diskussion zwischen dem Publikum, dem Darsteller Roland Eugen Beiküfner, der Verfasserin Friederike Pöhlmann-Grießinger sowie dem Initiator dieses überaus interessanten und zum Denken anregenden Abends, Bildhauer und Museumsleiter Uli Olpp, über das Phänomen Beuys folgte dem bis auf den letzten Platz ausgebuchten ungewöhnlichen Theaterabend.

Noch bis 26. April zeigt Wilfried Appelt, ganz im Sinne von Beuys, Teile seiner Sammlung „Das Zimmermuseum“ im Kunstmuseum. Er stellt zum Beispiel einen Schaltplan von Konrad Zuse, dem Computerpionier, diverse Rechenmaschinen und Kitsch-Katzen direkt den Kunstwerken gegenüber und dokumentiert so die Gleichwertigkeit jeder kreativen Leistung.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren