Harmonic Brass

Harmonisch bis zum letzten Ton

Andreas Binder (Horn), Alexander Steixner (Posaune), Manfred Häberlein (Tuba), Elisabeth Fessler (Trompete) und Hans Zellner (Trompete, v.l.) bilden Harmonic Brass. | Foto: P. Meyer2019/12/IMG-6944.jpeg

ESCHENBACH – In der schmucken, fast voll besetzten Paulskirche bescherte das Blechbläserquintett Harmonic Brass seinem Publikum ein vorweihnachtliches Geschenk zum Wohlfühlen.

Die Kirche hatte sich gefüllt, Vorfreude lag in der Luft und endlich erklang rein und klar ein warmer Hornruf aus dem Hintergrund, der sich bald mit weichen Trompetentönen zu mischen begann und sich nach und nach zu der Melodie von „Tochter Zion“ entspann. Die Musiker waren zunächst nur zu hören, bevor sie nacheinander nach vorne in den Altarraum traten. „Christmas Glory“ (dt. Die Herrlichkeit von Weihnachten) lautet der Name des Programms, und bereits jenes erste Stück vermochte es, diese Botschaft zu vermitteln.

Prachtvolle Klänge

Herrlich prachtvolle Klänge erfüllten das kleine Kirchenschiff bis in den letzten Winkel. Glänzend und fein tanzten die Trompetentöne von Elisabeth Fessler und Hans Zellner synchron in atemberaubendem Tempo in die Höhe bei Vivaldis „Concerto in C für 2 Oboen“. Diese Leichtigkeit versprühte auch durchwegs der Neuling im Ensemble, Posaunist Alexander Steixner. Scheinbar ohne Anstrengung meisterte er die schwierigsten Passagen und hauchte seinen Solostellen Leben ein.

Bewundernswert ist ebenfalls, mit welcher Ruhe und Souveränität Manfred Häberlein, der Tubist, stets ein solides Fundament für seine Kollegen bildet. Neben seinem exzellenten Hornspiel führte Andreas Binder angenehm mit kurzen, durchdachten und fein pointierten Ansagen durchs Programm und tauschte sogar bei einem Stück sein Horn gegen eine kleine Trommel ein.

Dieses Programm reichte unter anderem von traditionellen Weihnachtsliedern aus verschiedenen europäischen Ländern über Bachs Weihnachtsoratorium bis hin zu Filmmusik aus „Der Polarexpress“ und „Frank Sinatra Christmas Classics“. Fast alle Stücke wurden von Hans Zellner selbst traumhaft für die fünf Bläser arrangiert. So konnten sie von Klassik bis Jazz und Swing die ganze Bandbreite ihres Könnens zeigen.

Vor allem aber muss man die hohe Konzentration und die bläserische Kondition der fünf Profimusiker bewundern, mit der sie ein solches Konzert komplett auswendig musizieren. Denn in der klassischen Blechbläserquintettbesetzung besteht kaum die Möglichkeit, sich zu verstecken, da muss jeder Ton sitzen. Kleine Unsicherheiten fielen wohl nur dem geübten Ohr auf und machten die sympathischen Musiker sehr menschlich.

Einfach nur Musik

Der Fokus liegt bei Harmonic Brass schon immer ganz klar auf der Musik, also dem Gehörten. Die „Bühnenshow“ beschränkt sich auf wenige Platzwechsel meist zwischen den Stücken und wechselndes Licht, passend zur Stimmung des Stücks. Und niemand brauchte an diesem Abend mehr. Die Musik und die Texte in der kleinen Kirche genügten völlig, um den Weihnachtsstress draußen zu lassen.  Stehende Ovationen und donnernder Applaus ermunterten Harmonic Brass zu zwei Zugaben.

Während der ausgedehnten Pause und nach dem Konzert bestand außerdem die Möglichkeit, mit dem Ensemble ins Gespräch zu kommen. Sie waren nach neun Jahren wieder in Eschenbach zu Gast und man spürte die Verbundenheit zwischen den Musikern und Reinhard Munker, dem Obmann des Posaunenchores. Dessen Grußworte waren im wahrsten Sinne des Wortes ein Gedicht und bildeten einen gelungen amüsanten Einstieg ins Konzert.

N-Land Petra Meyer
Petra Meyer