Weihnachtsoper in der Stadtkirche

Gibt es noch Wunder?

Patryk Rybarczyk, Daniel Valeske und Siddique Eggenberger (von links) mimten die drei Weisen aus dem Morgenland. | Foto: G. Münzenberg2019/12/PC150033-scaled.jpg

HERSBRUCK – So wie hierzulande „Dinner for one“ am Silvesterabend nicht mehr wegzudenken ist, so ist es die einstündige Weihnachtsoper „Amahl und die nächtlichen Besucher“ vom Heiligabend im US-amerikanischen Fernsehen. Denette Whitter von der Opernakademie Henfenfeld präsentierte zusammen mit der Selnecker-Kantorei unter der Leitung von Dekanatskantorin Heidi Brettschneider das Werk erstmals in der Hersbrucker Stadtkirche.

Seit die Oper am 24. Dezember 1951 in den NBC-Studios von New York seine Uraufführung hatte, ist sie zur meistgespielten US-amerikanischen Oper des 20. Jahrhunderts geworden.

„Gibt es noch Wunder?“ steht als Motto über diesem Werk und Gian-Carlo Menotti beantwortet sie sowohl mit der Musik als auch mit dem Libretto ganz eindeutig mit „Ja!“. Da ist zum einen der zwölfjährige fantasiebegabte Amahl, hinreißend gespielt und gesungen von der Südtirolerin Elisabeth Margraf, der mit einem gelähmten Bein und einer selbstgeschnitzten Krücke durch seine Kindheit läuft. Dann seine dem Materiellen verhaftete Mutter, die als Witwe für das Nötigste zum Überleben sorgen muss – ebenso hervorragend dargestellt von der seit einiger Zeit in Nürnberg lebenden Carmen Ding.

Stern mit langen Schweif

Sie hat kein Verständnis für die euphorische Lebensart ihres Sohnes und alles, was er als Erlebtes schildert, tut sie als Lügengeschichten ab. Auch als er eines Abends, nachdem er flötespielend vor ihrer armseligen Kate sitzend, einen Stern am Himmel gesehen zu haben berichtet, der einen langen Schweif besitzt, glaubt sie ihm nicht.

Und da sind zum anderen die drei Weisen, manchmal auch Magier genannt, aus dem Morgenland, die alles, was sie an ihr Zuhause bindet, verlassen, um einem Stern zu folgen, der ihnen den Weg in eine bessere Zukunft weisen wird. Die Figuren werden zusammengeführt, als die drei Weisen mit ihrem Pagen eines Abends an die einfache Haustür der Witwe klopfen und um ein Nachtlager bitten. Sie, ganz dem praktischen Leben zugewandt, geht in den Wald, um Reisig für ein Herdfeuer zu sammeln, während Amahl sich mit den rätselhaften Gästen unterhält.

Singend und tanzend

Zurückgekommen, hält sie ihm sein Nichtstun vor und schickt ihn aus, die Hirten in der Gegend herbeizurufen, damit sie ihr mit einigen Gaben helfen, die hohen Gäste zu bewirten. Das ist der Auftritt der als Hirten und Hirtinnen verkleideten Sänger der Selnecker-Kantorei, die herbeieilen, um zu bringen, was sie erübrigen können, und singend und tanzend den drei Weisen ihre Ehrerbietung zeigen.

Als später alle auf primitiven Strohliegen eingeschlafen sind, kann die Mutter nicht widerstehen, eine der Schatullen mit den Gaben der Weisen zu öffnen, sieht darin die vielen Goldstücke, die als Geschenk für ein imaginäres Kind gedacht waren. Ein einziges nur, denkt sie, könnte ihr Leben und das ihres behinderten Sohnes entscheidend verbessern. Das Fehlen dieses einzigen Goldstücks würde wohl überhaupt nicht bemerkt werden und auch niemanden schädigen.

Doch sie wird vom Pagen beobachtet und es entsteht großer Aufruhr, denn sie hat das Vertrauen ihrer Gäste missbraucht. Melchior in seiner Großzügigkeit schenkt der armen Frau das Gold, denn er sieht ihre Not.

Selbstlos in der Not

Als die drei Weisen am nächsten Morgen weiterziehen müssen, will Amahl ihnen etwas für das Kind mitgeben. Weil er aber nichts als seine Krücke besitzt, drückt er diese den Scheidenden in die Hand. Und da geschieht das Wunder: Augenblicklich kann er frei laufen und folgt den drei Weisen aus dem Morgenland auf ihrem noch weiten Weg zur Krippe in Bethlehem. Die Mutter lässt ihn ziehen.

Der Chor, die beiden Klavierspielerinnen Denette Whitter und Anna Balint, die drei Weisen, dargestellt von Patryk Rybarczyk, Siddique Eggenberger und Daniel Valeske, sowie als Page die Chinesin Lin Wang begeisterten neben Amahl und seiner Mutter das Publikum in der voll besetzten Stadtkirche. Dieses belohnte sie mit langanhaltendem Applaus.

Obwohl die Geschichte in der Zeit um Christi Geburt in Judäa angesiedelt ist, gingen sicherlich viele Besucher mit der Überzeugung nach Hause, dass Wunder auch heute noch möglich sind, wenn man die notwendigen Voraussetzungen schafft.  GERDA MÜNZENBERG

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