Buchporträt über Wolfgang Haffner

„Ganz laid back“

Ein kurzer Anruf von Lilliput Mitinhaber Thomas Lorenz genügt: Wolfgang Haffner kommt vorbei und signiert „Das Haffner Alphabet“. | Foto: Thomas Lorenz2020/06/Altdorf-Haffner-Buch-online.jpg

ALTDORF – Ruhe ist für Wolfgang Haffner die Quelle seiner Kreativität, Freiheit die Basis. Das Haffner-Alphabet zeichnet das Portrait eines Künstlers, dessen Triebfeder die eigene Energie ist.

Er mag keinen Konjunktiv. Kein hätte, wäre oder würde. „Wenn ich etwas ändern kann, greife ich es an“, sagt Wolfgang Haffner. Belanglosigkeiten sind nicht sein Ding. Rainer Placke vom Verlag Jazzpresso hat Haffner zu jedem Buchstaben des Alphabets fünf Stichworte gegeben. Haffner, der über sich selbst sagt, zuhause sei er auf der Welt, erinnert sich im Interview sechs Stunden lang an die Menschen und Meilensteine seiner Karriere.

Ein unprätentiöser Blick zurück, den der Fotograf Oliver Krato dokumentiert hat. Die Bilder zeigen Haffner mal versunken in sich selbst, mal mit der Kamera kokettierend, immer fokussiert. „Ganz laid back“, sagt der Journalist und Mitautor Roland Spiegel.

„Setz dich hin. Aus dir wird was“

Die Liste von Haffners musikalischen Wegbegleitern und Mentoren liest sich wie ein Who-is-Who der ganz Großen in der Musikszene. Sein vielleicht wichtigster musikalischer Einfluss ist Johann Sebastian Bach. Zu verdanken hat er das seinem Vater, einem Kirchenmusikdirektor. Der Vater ist es auch, der seinen 13-jährigen Sohn mit dem Altdorfer Bildhauer und Musiker Harald Pompl zusammenbringt.

Pompl ist Haffners erster Schlagzeuglehrer. Der Mann, der zu ihm sagt: „Setz dich hin. Aus dir wird was.“ Zum Mentor und väterlichen Freund wird der Posaunist Albert Mangelsdorff, mit dem Haffner 20 Jahre lang spielt. Mangelsdorff gibt ihm Bodenhaftung: „Glaub nicht, dass du als Musiker etwas Besonders bist.“ Ein Satz, den der vielfach preisgekrönte Drummer und Komponist nie vergessen hat.

Musik gibt es nur mit Gefühl

Haffner ist ein Philanthrop, der Menschen mit offenen Sinnen begegnet. Einer, der zuhört und gerne reagiert. Dabei liegt ihm die Rolle des Taktgebers. Zeit seines Lebens sei er eher ein Gestalter als ein Ausführender gewesen, erzählt er. Und dass er seine Freiheit liebe. Das macht ihn nicht zum einsamen Wolf. Co-Autor Christopher Dell beschreibt die Intensität des Tourlebens mit Haffner. Im Tourbus, auf engstem Raum, von Location zu Location, die Sätze atemlose Wortfetzen, die die Tiefe des Erlebens abbilden.

Der Taktgeber Haffner begegnet als Künstler dem Gefühlsmenschen in sich: Er wolle die Noten und den Raum dazwischen mit Emotionen füllen. „Musik ohne Gefühl wäre nichts als eine Abfolge von Tönen. Und somit keine Musik.“

Seit Jahrzehnten ist Haffner auf den großen Bühnen der Welt zuhause, seit 2015 auch als künstlerischer Leiter von „Stars im Luitpoldhain“. Ein Adrenalinkick seien die 60 000 Besucher im vergangenen Jahr gewesen. Dem im Übrigen die Intimität kleiner Clubshows in nichts nachstehe. „Das Haffner Alphabet“ zeigt Wolfgang Haffner unplugged. Jeder Schlag ein Treffer.

Info: Signierte Exemplare des Haffner-Alphabets mit CD und der DVD gibt es bei der Buchhandlung Lilliput in Altdorf.

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