Jazz-Trio im Burgthanner Burgkeller

FAT überzeugt mit kraftstrotzendem Jazz

Sensibel, dynamisch, laut und leise: die drei von FAT beherrschen die Klaviatur des modernen, experimentierfreudigen Jazz. | Foto: Gisa Spandler2019/06/Burgthann-Trio-Fat.jpg

BURGTHANN – Dass ein Schlagzeug nicht allein ein Begleiter und Rhythmusgeber in einer Band sein muss, ist hinlänglich bekannt. Dass es aber auch immer wieder im Mittelpunkt bei der Interpretation eines Songs stehen kann, gestalterisch eingreift und die Kollegen in die zweite Reihe beordert, beweist der Drummer Herbert Pirkner des jungen österreichischen Jazz-Trios FAT eindrucksvoll.

Bei ihrem Auftritt im Keller der Burg, in den sie der Jazz- und Kulturverein eingeladen hat, zeigen die drei modernen, experimentierfreudigen und abwechslungsreichen Jazz auf höchstem Niveau.

Das gefällt auch dem leider recht spärlich erschienenen Publikum. Und was für den Schlagzeuger gilt, trifft auch auf den Bassisten Raphael Preuschl zu. Auch er tritt häufig als Solist in Erscheinung und übernimmt die Melodieführung, zeigt unterhaltsames Spiel am E-Bass, ohne den anderen beiden die Schau zu stehlen.

Humor und Understatement

Das Trio aus Wien komplettiert Alex Machacek an der optisch auffälligen Gitarre, der auch die vergnügliche und manchmal kokettierende Moderation übernimmt: „Wollt’s was wissen über uns?“. Ja, das Publikum will und versteht trotz der Bedenken der Österreicher auch die knappen Erläuterungen vom Machacek.

Mit Humor und einem gewissen Understatement erklärt der die erstaunliche, aber berechtigte Karriere der jungen Musiker, die bereits höchste Auszeichnungen entgegen nehmen durften und in den USA einen Ruf genießen, dem andere Profis nach Jahrzehnten noch hinterher rennen.

Immerhin 2010 brachte FAT, das für Fabulous Austrian Trio steht, aber auch Fucking Awesome Trio bedeuten könnte, wie sie nicht zu Unrecht meinen, sein erstes Studio-Album heraus und man merkt ihnen an, dass sie schon lange zusammen auf der Bühne stehen. Es ist keine Floskel zu behaupten, die verstünden sich blind. Denn der Hipster-Bassist Preuschl steht meist mit geschlossenen Augen, ganz auf sein Spiel konzentriert, vor dem Publikum.

Intelligentes Trommelfeuerwerk

Und ohne große Gesten beschleunigen sie auf einander abgestimmt ihr Tempo, nehmen es wieder zurück, legen an Dynamik und Lautstärke zu, lassen lyrische Passagen einfließen. Meist aber hauen sie ordentlich auf den Putz. Und hier steht wieder der Drummer im Fokus, der mit seinem intelligenten Trommelfeuerwerk ganze Arbeit am Set leistet. Machacek bearbeitet seine Klampfe, bis sie klingt wie eine Hammond-Orgel auf Speed, und zu dritt führen sie unangestrengt vor, wie Tempi-Wechsel und komplizierte Breaks gelingen können.

Um das Repertoire ihrer Eigekompositionen rund zu machen, geben sie obendrein rockige, funkige und balladige Kostproben, bevor sie nach drei Zugaben in den Feierabend entlassen werden.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler