Rolf Miller in der Geru-Halle

Ein Mann, ein Stuhl, ein halber Satz

Eine Flasche Wasser und einen Stuhl – mehr braucht Rolf Miller bei seinem Bühnenprogramm nicht. Mehr ist aber auch nicht nötig. | Foto: S. Baderschneider2019/04/RolfMiller-7293.jpeg

HERSBRUCK – Rolf Miller hat zu allem eine Meinung und diese präsentierte er mit seinem aktuellen Programm „Obacht Miller“ in der voll besetzten Geru-Halle in Hersbruck. Mit Stuhl und Wasserflasche bewaffnet brachte der „konsequenteste Minimalist auf deutschen Kabarettbühnen“ (Deutscher Kabarettpreis 2011) das Publikum zum Lachen.

Locker vom Hocker fläzt sich Miller auf die Bühne und philosophiert mit irgendwo im Südwesten der Republik heimischem Dialekt munter drauflos. Sein Markenzeichen sind verdrehte Redewendungen und Lebensweisheiten, die mitunter abrupt in Halbsätzen enden, dort aber komischerweise nicht verloren gehen, sondern ein Eigenleben entwickeln.

Einige Peinlichkeiten

Geburtshelfer seiner Philosophie ist in erster Linie die Verwandtschaft. „Geschichten aus dem Odenwald“ könnte man diese Rubrik betiteln. Die Brummer, der Vonkl, der Teletubby – Spitznamen von Millers Cousins – und ein traumatisierter Kampfhund bilden die Rahmenhandlung für allerhand spaßige und einige ganz schön peinliche Situationen, aus denen sich immer etwas fürs Leben lernen lässt. Am Wegesrand kriegen dabei einige ihr Fett weg: Özil, Merkel, Silbereisen, Mick Jagger („Impotenz ist wohl nicht so sein Fachgebiet!“).

Dazwischen gibt es Tiefgründiges aus der Fußballszene und unbequeme Wahrheiten über Globuli und Naturkosmetik. Erinnert sich noch jemand an die kleinen Kügelchen, die in Tintenpatronen drin sind? Ganz genau: Homöopathie in Reinkultur.

Überhaupt, so Miller, müsse man mit der Dosierung aufpassen: Weil die Wirkung mit dem Grad der Verdünnung ansteigt, habe man ganz schnell eine Überdosis, wenn man mal eine Ration vergisst. Da liegt seine Stärke – den nicht ganz logischen Dingen des Alltags mit gnadenloser Logik entgegenzutreten.

Politik prallt an ihm ab

Politik hingegen – so Miller – interessiert ihn nicht. „Das prallt an mir ab, wie ein Reh an der Motorhaube“, urteilt er. Immerhin reichen seine angeblich begrenzten Einblicke für die Erkenntnis, dass Friedrich Merz mit seinen Ambitionen auf den CDU-Parteivorsitz „die einzige Ratte war, die zum sinkenden Schiff hinschwimmt“.

Mit einem Schnellfeuer an Wortwitz hält Miller das Publikum bei der Stange. Man muss schon gut aufpassen, wenn man alle ins Gegenteil verkehrten Redewendungen mitbekommen will: Bevor es die letzte Pointe bis ins Zwerchfell geschafft hat, schlägt schon die nächste ein. Da verzeiht man auch, dass der eine oder andere Witz gelegentlich doch ganz schön flach daherkommt. Insgesamt bescherte Miller einen unterhaltsamen Abend, der mit einer Zugabe aus einem ganz anderen Genre endete – an Miller wäre beinahe kein Illusionist verloren gegangen.

N-Land Susanne Baderschneider
Susanne Baderschneider