19. Internationales Gitarrenfestival Hersbruck

Drei Künstler und der Tango

Festivalleiter Johannes Tonio Kreusch und seine Frau Doris Orsan zogen mit ihrem Können und ihrer Ausstrahlung das Publikum vom ersten Ton an in ihren Bann. | Foto: A. Stegmeier2018/08/P1150231-1280x960.jpg

HERSBRUCK – Wer am zweiten Gitarrenfestival-Abend in der ausverkauften Hersbrucker Stadtkirche war, erlebte eine hinreißende Darbietung von Doris Orsan und Johannes Tonio Kreusch sowie des Gitarristen und Komponisten Maximo Diego Pujol. Es ist keineswegs selbstverständlich, dass Kreusch, der nicht nur das Festival leitet, sondern auch in der Woche unterrichtet, selbst konzertiert. Das Publikum, so Bürgermeister Ilg, habe aber einen erneuten Auftritt – der letzte war vor fünf Jahren – von ihm und seiner Frau gewünscht.

Mit den ersten Gitarrenklängen des von ihm selbst komponierten „Panta Rhei – alles fließt“ fesselte Kreusch die Aufmerksamkeit der Zuhörer, und bei den ersten Geigentönen von Doris Orsan bei „Una Canción“ von Anibal Troilo war das Publikum vollends hingerissen. Können und Ausstrahlung der beiden Künstler zogen die Zuhörer unmittelbar in den Bann. Was das Duo an perfektem Zusammenspiel, Eleganz, Dynamik und Leidenschaft in den Kirchenraum zauberte, sucht seinesgleichen.

Astor Piazzollas „Histoire du Tango“ wurde zum virtuos-fulminanten Höhepunkt des ersten Konzertteils, die Gitarre dabei fast zum Begleitinstrument. Die Geigenklänge, mal hauchzart, dann wieder intensiv, dynamisch und voluminös, gingen unter die Haut. Die technische Brillanz war dabei nie Selbstzweck, sondern immer der musikalischen Botschaft der Stücke unterworfen.

Das „Tríptico porteño“ des Argentiniers Maximo Diego Pujol bildete den Abschluss des ersten Teils und gleichzeitig den perfekten Übergang zum zweiten Teil des Abends. Der Komponist und Gitarrist hat das Stück den beiden Musikern auf den Leib geschrieben und dabei eindeutig der Geige den Vorrang gegeben. Eine Nervosität angesichts der Anwesenheit des Komponisten, wie von Kreusch behauptet, war nicht spürbar; umso mehr das Einfühlungsvermögen der beiden in die klanglichen Bilder, die Pujol mit leichter Hand malt.

Bei „Estación Retiro“ hörte man förmlich das muntere Treiben am gleichnamigen Bahnhof in Buenos Aires, der Heimatstadt des Künstlers; der lyrische Satz „El Rosedal“ ließ einen Hauch Rosenduft durchs Kirchenschiff wehen, und die wunderschöne Geigenmelodie, dem „Plaza de Mayo“ gewidmet, kontrastierte mit den übermütig sprudelnden Tönen der Gitarre.

Der überwältigende Applaus des Publikums galt neben den großartigen Interpreten auch dem Komponisten, der sichtlich gerührt die Ovationen des Publikums entgegennahm. Mit dem spritzigen „Andaluza“ von Enrique Granados endete der erste Teil.

Nach der Pause hatte Maximo Diego Pujol die Gelegenheit, dem Publikum einen Querschnitt seines Œuvres zu präsentieren. Mit verspielter Verschmitztheit interpretierte er seine romantischen Walzer und das bezaubernd-verträumte „Verde alma“. Auf Englisch führte er humorvoll wie prägnant in die Stücke ein: So erklärte er beispielsweise, dass es sich bei „Costanera 7 am“ um eine belebte Küstenstraße früh um sieben Uhr handelt, und man glaubte tatsächlich den hektischen Verkehr am Morgen zu hören.

Seine aktuelle „Sonata“, im vergangenen Jahr komponiert, klingt moderner, ist rhythmisch anspruchsvoll und besticht durch wunderschöne Melodien. Durch variantenreiche Wiederholungen, insbesondere bei „A cara de perro“ (etwa: Mit Nachdruck), entfaltete Pujol mit seinem Instrument eine eindringliche Sogwirkung. Kein Wunder, dass seine Stücke mittlerweile zum Repertoire vieler Gitarristen gehören. Sie sind eingängig ohne sich anzubiedern, gehen ins Ohr und treffen mitten ins Herz. Als Zugabe spielte er einen Tango, den er bereits im Alter von 19 Jahren geschrieben hat – ganz offensichtlich inspiriert von Astor Piazzolla.

Ein begeistertes Publikum dankte mit lang anhaltendem Applaus für einen unglaublich abwechslungsreichen, furiosen und spannenden musikalischen Abend auf künstlerisch allerhöchstem Niveau.

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N-Land Anne Stegmeier
Anne Stegmeier