Buchneuerscheinung

Die Faszination alter dörflicher Haustüren

Einzigartig in der Verzierung ist der Eingang in Alfeld. | Foto: privat2021/06/IMG-20210612-155454-edit-242180296764087-1.jpg

HARTMANNSHOF – Entsorgt, vernachlässigt oder liebevoll gepflegt: Sie sind ein Spiegelbild der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung – die alten dörflichen Haustüren im Hersbrucker Land.

Dokumentiert hat sie Werner Förderreuther in seinem neuen Buch, dem Mittelteil einer Trilogie, der mit seinem alphabetischen Aufbau von A wie Alfalter bis Ho wie Hohenstadt dem Vorgänger folgt. Diese behandelte das Amberg-Sulzbacher Land und hat nun rasch Gesellschaft bekommen.

Auch die aktuelle Ausgabe zeigt wieder die ganze Bandbreite von alten dörflichen Haustüren: geometrische Formen, Zierrat, bunte Bemalungen und „sprechende“ Exemplare, die etwas über Entstehungszeit, Beruf des Besitzers oder Nutzung des Hauses sagen. So weist eine Tür in Alfalter mit dem Löwen, der ein Mühlrad in den Pranken hält, auf eine Mühle hin. Oder der zweiflüglige Eingang mit Gehteil links – eine Besonderheit – verrät, dass es sich um ein Wirtshaus oder Geschäft handeln muss.

Riesige Sammlung

Eigentlich wollte der Hartmannshofer, der Band drei noch in diesem Jahr folgen lassen möchte, ursprünglich alles in ein Buch packen: „Aber es hat sich über die Jahre so viel Material angesammelt.“ Nicht einmal der Altlandkreis Hersbruck passte in ein Werk. Denn die Faszination für die Türen begleitet ihn, den gelernten Schreiner, bereits seit Jahrzehnten.

Daher ist der Bildband als Hommage an das Schreinerhandwerk vergangener Jahrhunderte zu verstehen. Förderreuther wirft einen Blick auf die handwerkliche Entwicklung, beginnend im 18. Jahrhundert mit den ältesten Stücken in Dietershofen und Algersdorf: Sie bestehen aus schlichten schrägen, aufgenagelten Brettern.

Mit zwei Flügeln

Der klassischen Rahmenbauweise mit Füllungen folgt im 19. Jahrhundert die „Modeerscheinung“ des Historismus. Damals brachten die Schreiner gekaufte, industriell produzierte Zierteile auf das rohe Blatt auf, schreibt Förderreuther in seinen kleinen erklärenden Texten. Typisch für den durch Patrizier, Hopfen, Eisenbahn und Goldene Straße entstandenen Reichtum seien die zweiflügligen Türen mit zig Details.

Um ein Gefühl dafür vermitteln zu können, mit welchen Mitteln die Handwerker die Kunstwerke früher erschaffen haben, gibt Förderreuther einen kurzen Exkurs zu Werkzeugen und Werkstatt; hier sieht er jedoch noch viel Forschungsbedarf. Diesen hat er bei den möglichen Erschaffern geleistet und eine Liste der in Frage kommenden Schreiner eingefügt: Der Hartmannshofer hat einzelne Objekte nach Gemeinsamkeiten – wie einem auffälligen Palmblatt – analysiert und so einen Hersteller und die „ortsbezogene Fertigung“ ausgemacht.

Zwischen Herrichten und Verfall

Und noch etwas macht die Arbeit Förderreuthers besonders: das lange Beobachten von einst entdeckten Schätzen. Daraus entstand eine Dokumentation über die Zeit hinweg. Sanierungen, weiterer Verfall oder das Verschwinden werden sichtbar – ein großer Wert für Förderreuther, sagt er.

Doch etliche Türen werden auch geschätzt und erstrahlen in neuem Glanz: „Ein guter Erhaltungszustand freut mich immer sehr.“ Diesen nahm er ebenfalls akribisch in sein Werk auf: Skizzen, genaue Maßangaben, Beschreibungen, Erklärungen, ein Glossar zu den Begriffen sowie Gesamtansichten – teils sogar von der Innenseite – und sehenswerte Details machen aus den 183 Seiten ein kleines Fachbuch.

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Wert am Land

Zu Aufmaß und Fotografieren kam jedoch noch mehr – „oft eine längere Unterhaltung, für mich eine Bereicherung“. So durfte Förderreuther die Deko an der Tür zum evangelischen Pfarrhaus in Henfenfeld fürs Foto wegräumen. Bildlich hat er zudem immer wieder Griffe, Türklopfer und Oberlichter festgehalten.

Am meisten zu knipsen gab es in Alfeld, Eschenbach und Altensittenbach, was beweist, dass die Kunstwerke von anno dazumal am Dorf noch sehr geschätzt werden. So auch in Hohenstadt: Dieses letzte Exemplar im Buch soll Lust machen auf noch mehr alte dörfliche Haustüren.

Alte dörfliche Haustüren aus dem Hersbrucker Land – Teil 1 A-Ho, Werner Förderreuther; 183 Seiten; gebundene Ausgabe; ISBN 978-3-00-068052-6.

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