Neuerscheinung

Alte dörfliche Haustüren im Sulzbacher Land

Diese eher schlichte Tür befindet sich in einem Rundbogengehäuse in einem historischen Gebäude in Königstein. | Foto: Pitsch2020/12/redwebIMG-20201130-124140.jpg

HARTMANNSHOF – „Eine Haustüre erzählt viel über den, der dahinter wohnt“, besagt ein Sprichwort. Auf diese spannende Entdeckungsreise begibt sich Werner Förderreuther mit seinem neuen Buch über alte dörfliche Haustüren.

Fasziniert haben sie ihn schon lange. „Beim Herumfahren wegen der alten Bauernmöbel sind mir auch die Haustüren ins Auge gefallen“, erzählt Förderreuther. Er, der gelernte Schreiner, hatte sofort einen Blick für die Kunstwerke, die seine Kollegen früher geschaffen haben. „Die Türen waren damals viel schöner, die Leute haben sich dabei etwas gedacht.“

Also begann er vor über 20 Jahren, die Eingänge zu fotografieren. Und mit dem Material wuchs der Wunsch, diese handwerklichen Zeugnisse für die Nachwelt festzuhalten. So forschte er nach weiteren Türen und suchte die Orte der Fotos erneut auf – um immer wieder festzustellen, dass viele Objekte wohl dem Brennholz zum Opfer gefallen sind, gegen moderne, dämmende und sichere Türen ausgetauscht, vernachlässigt oder verfälscht worden sind. Oft war auch einfach das Haus verschwunden, schreibt Förderreuther in seinem Buch.

Zu viel für ein Buch

Seinem ersten Teil. Eigentlich wollte er einen Band mit den Türen aus dem Hersbrucker und Oberpfälzer Raum herausgeben, „doch es war zu viel Material“. Daher widmet sich die Neuerscheinung dem Sulzbacher Land und nimmt die Türen der Dörfer in alphabetischer Reihenfolge von Achtel bis Wüllersdorf unter die Lupe. Das Hersbrucker Land soll laut Förderreuther 2021 folgen.

Und dafür wird der Hartmannshofer wieder so akribisch arbeiten wie für Band eins: „Für ein bis zwei Buchseiten habe ich einen Abend gebraucht.“ Denn er hat nicht nur die Türen – so weit möglich – ausgemessen, sondern sie auch in Gesamt- und Detailaufnahmen dokumentiert. Dabei fallen dem Leser die kunstvollen Bänder und Schlösser auf oder auch die Tatsache, dass oftmals Fensterläden und Türen aufeinander abgestimmt waren.

Die Bandbreite der Objekte reicht von schlichter bis hin zu aufwendiger Gestaltung. Häufiger zu sehen sind Rautenmuster, bunt abgesetzte Kästen oder Nagelung als Verzierung. Immer wieder streut Förderreuther auch Skizzen zum besseren Verständnis ein. Dazu tragen auch ein Glossar für die Fachbegriffe sowie Abbildungen alter Werkzeuge, die bei der Herstellung früher verwendet wurden, bei.

Gäste an der Schwelle

Wirklich interessant wird es, wenn Förderreuther das Gesehene einordnet: Da findet er beispielsweise, dass die Ansicht eines Hauses in Bachetsfeld „durch den Einbau eines zweiflügligen Tores zerstört“ wird. Doch auch im Kleinen schaut er genau hin – und damit in die Geschichte hinter den Türen: Ausgetretene Türschwellen fand er vor allem bei Wirtshäusern. In reichen Taldörfern verstecken sich im Türsturz Initiale und Jahreszahl.

Manche Objekte verraten, welches Haus sich dahinter verbirgt – so weist ein Mühlrad als Applikation auf eine Mühle hin. Andere zeugen davon, dass manch einer sparen musste: In Peilstein wurde eine Zimmertür passend zurechtgeschnitten und dann zwischen Graskammer und Flur eingesetzt.

Kuriose Entdeckungen

Und auch manches Kuriosum deckte Förderreuther auf: Eine reich verzierte Haustüre eines Etzelwanger Privathauses hat der Besitzer nach Spanien oder Portugal verkauft. Andere richteten den Eingang liebevoll her – wenn auch oft nicht am Original-Standort. So fand die Haunritzer Mühlentüre ein Zuhause im oberen Hammerbachtal. Und ein Gassentürchen wanderte gar von Siebenbürgen mit der deutschen Bevölkerung nach Hartmannshof aus.

Alte dörflichen Haustüren aus dem Sulzbacher Land, Werner Förderreuther; 148 Seiten, 350 Fotos; ISBN 978-3-00-066369-7.

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