Fingerstyle-Night

Das Hersbrucker Gitarrenfestival kann auch laut und rockig

Alexandr Misko ließ die Haare fliegen und gab Gas.
Alexandr Misko ließ die Haare fliegen und gab Gas. | Foto: M. Gundel2019/08/A.Misko_-366x548_2.jpg

HERSBRUCK – „Sind wir auf dem Gitarrenfestival oder auf einem Rockkonzert?“, werden sich einige an diesem Abend gefragt haben. Und das zu Recht: Die drei Fingerstyler ließen die Bühne beben, jeder in seinem eigenen Stil.

Christina Lux bereitete die Besucher in der vollen Geru-Halle mit melancholischen und gefühlvollen Deutschpop-Liedern behutsam auf das vor, was im Anschluss kommen sollte. Mit ihren „Leisen Bildern“, so der Titel ihres neuen Albums, philosophierte sie über Liebe und Kummer, das Auffrischen langjähriger Beziehungen, über Vergessen, Wiedersehen und die großen Fragen im Leben.

Dass diese leisen Töne auch laut sein können, bewies die Musikerin mit einer glasklaren Stimme, die jede Ecke der Halle ausfüllte. Und mit dem eindringlichen Spiel auf ihren drei Gitarren, mit denen sie immer mehr zu verschmelzen schien. Gänsehaut war garantiert.

Wie ein Orchester

Alexandr Misko haute alles raus, was Gitarre, Verstärker und Synthesizer her gaben. Einfach nur die Saiten zupfen? Von wegen! Misko ließ ein ganzes Percussionorchester auf seinem Instrument erklingen und verwandelte die Geru-Halle in eine Rockbühne. Headbanging inklusive.

Natürlich durfte auch das Lied nicht fehlen, mit dem er einen gewissen Bekanntheitsgrad einheimste: Seine Version von Michael Jacksons „Billie Jean“ wurde 2016 auf Youtube ein viraler Hit, seitdem erzielen seine Internetvideos Millionen von Klicks. Die Klangfülle und das Gefühl, dass mehr als nur ein Instrument auf der Bühne spielt, kommt nicht von ungefähr: Misko schlägt, zupft oder trommelt, nimmt den Sound auf, lässt ihn sofort wieder abspielen und spielt etwas anderes dazu. So entsteht nach und nach ein ganzes Soundgewitter mit Regen, Blitz und Donner.

Dass er trotz technischer Hilfsmittel ein Virtuose auf seiner Gitarre ist, bewies er postwendend, als er mit einem kleinen Bambusstab die Saiten wie bei einer Geige zum Klingen brachte. Große Gesten und Showeinlagen inklusive. Das Umstellen der Gitarre vor jedem Lied wurde von dem, was nachfolgte, sowieso wett gemacht. Spätestens dann, als er „Smells like Teen Spirit“ von Nirvana dem begeisterten Publikum entgegenschmetterte.

Tempo, Tempo

Mit Petteri Sariola betrat einer von Miskos „größten Inspirationen“ die Bühne. Zwar ließen sich deutliche Parallelen vor allem beim Tempo erkennen. Auch die Kabaretteinlagen zwischendurch fehlten nicht. Aber die Lieder des Finnen sind gefühlvoller, leichtfüßig und irgendwie hoffnungsvoll. Egal, ob der schmissige „San Francisco Drive“ in den 70er Jahren oder ein lockerleichtes Lied über eine japanische Zeichentrickprinzessin – man fühlt sich wohl, wenn Sariolas Finger in atemberaubender Geschwindigkeit über die Saiten fliegen.

Für das Grande Finale holte sich Sariola seine beiden Vorgänger zu sich – gemeinsam interpretierten die drei „Free Falling“ und brachten einige vorher nur verhalten mit dem Fuß wippende Zuhörer dazu, aufzustehen und mitzuklatschen. Beifallsstürme für drei Saitenkünstler, die bei ihrem Auftritt vor allem eines hatten: riesigen Spaß.

20 Jahre Gitarrenfestival Hersbruck – Inerview mit dem künstlerischen Leiter Johannes Kreusch und Herbsrucks erstem Bürgermeister Robert Ilg
N-Land Marina Gundel
Marina Gundel