Positives Resümee

Die Bilanz des 20. Internationalen Gitarrenfestival Hersbruck

Oud-Spieler Rabih Abou-Khalil war sicher nicht nur für Bürgermeister Robert Ilg eine Überraschung des diesjährigen Hersbrucker Gitarrenfestivals. | Foto: S. Baderschneider2019/08/RabihAbou-Khalil-7675.jpeg

HERSBRUCK – „Wir wissen, dass wir nicht immer 500 Leute beim Konzert haben können. Wichtig ist, was unterm Strich rauskommt“, sagt Bürgermeister Robert Ilg. Und unter diesem steht: Die Stimmung beim 20. Gitarrenfestival war „extrem gut und wahnsinnig familiär“.

Von vielen habe er gehört, dass Hersbruck ein besonderer Ort sei. Ob das am Faktor „20 Jahre Festival“ liegt? „Vielleicht“, sinniert künstlerischer Leiter Johannes Tonio Kreusch, „aber ich denke, es ist eher die gewachsene Art der Veranstaltung“.

Denn wie Kreusch und Ilg betonen, haben sie sich auf die Fahnen geschrieben, das Event eben „nicht mit der Brechstange weiterzuentwickeln“, sondern am Konzept festzuhalten und das Niveau stetig zu steigern. Daher empfindet Ilg das Festival so grandios wie in den Jahren zuvor.

Und das bestätigen auch die Zahlen: „Wir waren zweimal ausverkauft, und auch die klassischen, eher schwierigeren Konzerte waren sehr voll“, legt Organisator Max Weller dar. So viele Menschen wie noch nie hat dagegen das Festivalzentrum AOK gesehen. Das stimmt ihn und Ilg absolut zufrieden: „Wir kommen mit unserer Kalkulation hin.“

„Zu Spitzenzeiten waren 111 Leute aus der ganzen Welt im Haus“, weiß Weller. Zudem seien schon lange keine Leute mehr extra von so weit her zur Hersbruck Musik Akademie angereist. Etliche Neulinge hätten die HMA passiv ausprobiert und wollen nächstes Jahr wieder kommen, verrät Weller. Von anderen Gästen hat er gehört, dass sie drei Stunden Anfahrt auf sich genommen haben, nur um die Assad-Brüder zu hören.

Eine ähnliche Geschichte kann Kreusch beisteuern: Vor fünf Jahren haben sich Radtouristen, die nichts mit Gitarrenmusik am Hut hatten, in ihren Sportklamotten in ein Konzert gesetzt. „Seitdem kommen sie jedes Jahr wieder.“

Doch nicht nur das mache das Festival aus, sondern auch die Einstellung der Künstler, findet Kreusch. „Es herrscht keine Konkurrenz untereinander, weil wir viele Stile anbieten. Und daher wollen sich einige Musiker gegenseitig zuhören, wiedersehen oder kennenlernen.“ Sie seien eben „sehr offen“, auch die 70 bis 80 Prozent an Neuen in diesem Jahr. Man müsse bedenken, dass diese Stars der Szene andere Rahmenbedingungen gewohnt seien als Geru-Halle und AOK …

Musiker als Fans

Der eine oder andere wolle aber dennoch gar nicht mehr weg, schmunzelt Kreusch. Wie Anabel Montesinos und ihr Mann Marco Tamayo: „Sie haben sogar eine Probe in Klagenfurt ausfallen lassen, weil sie Fans der Assad-Brüder sind und deren Konzert besuchen wollten“, plaudert Weller aus. Auch Luis Borda sei nicht sofort zurück nach München gefahren, um noch die „Guitar Evolution“ am Sonntag mitzunehmen, so Weller. „So was zeigt doch die gegenseitige Wertschätzung der Künstler“, meint Ilg begeistert.

Dass sich diese ausschließlich aufs Musizieren und Unterrichten konzentrieren können, daran haben Weller und das gesamte Team der Verwaltung einen großen Anteil, lobt Ilg: „Die leisten tagsüber ihren normalen Dienst und helfen abends und räumen nachts auf.“ Weller ist dankbar, dass seine Kollegen im Bürgerbüro sein Fehlen in dieser Zeit auffangen.

Denn er hält in der Festivalwoche laut Ilg die Fäden in der Hand mit viel Qualität und erstaunlicher Ruhe – vom Fahrdienst über die Hallenbelegung bis hin zu Zusatzwünschen. „Für mich bedeutet das eine große Entlastung, weil er auch mit den Künstlern gut umgehen kann“, schließt sich Kreusch Ilg an.

Festival im Pinsel

Mit Letzteren kommt Weller immer wieder ins Gespräch, läuft ihnen in der AOK oft über den Weg. „Dank Social Media bleibt man auch mit einigen in Kontakt.“ Seine Highlights waren neben den Zeichnungen von Ute Plank das Abendessen mit den Assad-Brüdern sowie der Konzert-Abend mit Gitarre und Flöte.

Für Kreusch sind diese Kombinationen die spannenden: „Wird das zusammen funktionieren?“ Und wie reagieren die Leute nach fast drei Stunden Konzert um Viertel nach elf? „Da sitze ich echt auf Kohlen“, gibt er zu. Und Erleichterung durchflutet ihn, wenn das Publikum dann aufsteht und eine Zugabe verlangt. „Die Menschen kommen nicht mehr nur, um unterhalten zu werden, sie wollen sich auch weiterbilden“, analysiert Kreusch.

Dazugelernt hat auch Ilg beim Montagskonzert, seinem persönlichen Höhepunkt: Zuvor hatte er aber Befürchtungen, das Oud-Spiel könne zu anspruchsvoll werden. „Aber die haben ein Feuerwerk abgeliefert, da war ich voll überrascht.“

Und wie könne man das beispielsweise in fünf Jahren zum richtigen Jubiläum noch toppen? „Die Frage ist ja, ob man das muss“, sagt Weller, „es ist wichtig, dass wir so weitermachen“. Ein bisschen widerspricht ihm da Kreusch: „Vom Programm her muss man das schon versuchen, weil die Leute wollen ja immer Neues hören.“ Und es sollen ja auch weiterhin neue Zuhörer – aus Stadt und Umland – angelockt werden.

Mundwinkel sind oben

Von Vorteil sei in Hersbruck, dass es keinen Gitarrenwettbewerb gebe und die Konzerte offen seien für das breite Publikum und nicht nur für die Schüler. Dass das Festival bei der Öffentlichkeit ankommt, bestätigt Ilg mit seinen Beobachtungen: „Es ist toll zu sehen, wie die Leute aus der Halle gehen, mit einem Lächeln im Gesicht, vielen Dankesworten – einfach glücklich.“

Ein Video zum Abschlussabend gibt es hier:

Abschlussabend des 20. Gitarrenfestivals in Hersbruck
N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch