Classical Guitar Gala in der Geru-Halle

Vier Hände, eine Gitarre und spanische Verführung

Anabel Montesinos und ihr Mann Marco Tamayo zeigen, wie innig Gitarrenspiel auch sein kann.
Anabel Montesinos und ihr Mann Marco Tamayo zeigen, wie innig Gitarrenspiel auch sein kann. | Foto: M. Ermer2019/08/IMG_9693-1-e1565792864741-365x548_2.jpg

HERSBRUCK – Draußen drehten noch einige junge Leicht-atlethen ihre Runden auf dem Sportplatz, während in der Geru-Halle bei der „Classical Guitar Gala“ fünf Virtuosen ihr Können zeigten.

Dass auch Johann Sebastian Bach für die Gitarre geeignet ist, zeigte Philippe Villa in seinem ersten Stück von ebendiesem, „Allemande“. Dann bedankte sich der gebürtige Franzose für die Einladung zum Festival und sprach davon, dass es in einer chaotischen Welt manchmal sehr wichtig sei, sich für die Musik zu treffen. Mit weiteren Stücken aus der Romantik füllte Villa die erste Dreiviertelstunde und nutzte dabei nicht nur die Saiten, sondern auch den Korpus seines Instruments als Klangkörper.

Dann übernahm die Spanierin Anabel Montesinos. Nach den „Preludes 5 & 2“ orientierten sich ihre Stücke von Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts, etwa „Por timi corazón“ sehr beschwingt und kraftvoll an den Rhythmen Südamerikas. Ihr Mann Marco Tamayo, wie sie ebenfalls zum zweiten Mal beim Gitarrenfestival dabei, fand es „wunderbar, sich mit Kollegen die Bühne zu teilen“. Bei seinem „Tiento antiguo“ von Joaquín Rodrigo konzentrierte er sich vor allem auf die Klangqualität.

Komponist war selbst anwesend

Den Zuschauern wie auch den Musikern wurde daraufhin eine Pause gegönnt. Dann traten Anabel Montesinos und Marco Tamayo als Duo auf, mit der Uraufführung eines „Mosaico“, einer Suite für zwei Gitarren, komponiert von Tulio Peramo. Das besondere: Der Komponist war ebenfalls anwesend und sichtlich angetan von der Performance der beiden Künstler. Dabei überbrückte Tamayo die Verzögerung durch das Aufbauen der Noten sehr sympathisch: „Es ist genauso wie beim Kochen. Man kocht vier Stunden und in zehn Minuten ist alles gegessen.“

Normalerweise spielten sie ohne Noten. Bei dieser thematisch barocken Suite mit kubanischem Einschlag in fünf Sätzen waren diese aber nicht vermeidbar. Man merkte den beiden Instrumentalisten ihr geübtes Zusammenspiel an, mit dem sie die thematisch sehr unterschiedlichen Sätze zu einem harmonischen Gesamtbild aneinanderfügten.

Einladung zum Tanz

Wieder ohne Noten spielbar war „Fandango“ von Luigi Boccerini. Mit diesem Flamenco entführten sie nach Spanien und baten zum Tanz. Bei ihrer Zugabe zeigten die Spanierin und ihr kubanischer Ehemann ihre Fingerfertigkeit mit dem „Cake-Walk“ von Claude Debussy. Auch eine zweite Zugabe gab es: Gemeinsam spielten sie auf Montesinos Gitarre und bewiesen erneut ihre wunderbare Virtuosität.

Für die letzten Akteure des Abends wurde anschließend noch einmal umgebaut. Für Abwechslung zum vorhergehenden sorgte das Duo Atanas Ourkouzounov (Gitarre) und Mie Ogura (Querflöte). Das Ehepaar ließ mit Klängen zwischen Folk und Jazz aus Ourkouzounovs bulgarischer Heimat, eigenen Improvisationen und der Weltpremiere der Eigenkomposition „Kopanitsa“ noch einmal die Bandbreite erklingen, die Musik ausmachen kann.

Nach Keith Jarretts „Memories of tomorrow“ gaben sie noch eine flotte Zugabe – Mie Ogura wechselte dafür extra auf eine Piccolo-Querflöte. Auch diese beiden erhielten am Ende des sicher etwas verkürzbaren Abends verdienten Applaus vom gitarrenbegeisterten Publikum.

Interview mit Johannes Tonio Kreusch (Künstlerischer Leiter) und Robert Ilg (Erster Bürgermeister Stadt Hersbruck) über das 20. Gitarrenfestival in Hersbruck

Impressionen von den Workshops der Stipendiaten hier bei uns im Video

N-Land Michelle Ermer
Michelle Ermer