Langes Warten vorher

Assad Brüder verzauberten das Publikum beim Hersbrucker Gitarrenfestival

Harmonie in Perfektion: Die Assad Brüder zeigten ein virtuoses Zusammenspiel. | Foto: G. Münzenberg2019/08/P8150003.jpeg

HERSBRUCK – Viel Zeit und Energie hat der künstlerische Leiter des Internationalen Gitarrenfestivals, Johannes Tonio Kreusch, aufwenden müssen, um die Assad Brüder nach Hersbruck zu holen, wo sie in einem fulminanten Konzert das Publikum mit Werken von Mauro Giuliani, Isaak Albeniz und Joaquin Rodrigo begeisterten.

Die Elemente der brasilianischen Tradition sind den Brüdern Sergio und Odair Assad schon früh in der Musikerfamilie, in die sie hineingeboren wurden, vermittelt und von dem Gitarristen und Lautenisten Monina Tavora gefördert worden. Seinem Einfluss ist es wohl auch zu verdanken, dass sie bald das Duospiel aufgriffen, mit dem sie 1979 ihre internationale Karriere als Preisträger des „Young Artists Competition“ in Bratislava starteten.

Obwohl Odair Assad heute in Belgien lebt, wo er am Mons Royal Conservatory unterrichtet, und sein Bruder Sergio Assad in Chicago seine Wirkungsstätte gefunden hat, verzaubern sie ihr Publikum immer noch mit ihren gemeinsamen Auftritten. Bereits in den berühmten „Variations concertantes“, opus 130 des italienischen Komponisten Mauro Giuliani, mit denen sie den Abend eröffneten, war die tiefe Verbundenheit der Brüder hör- und wahrnehmbar.

Folklore mit Tango

Mitreißend und mit großer Virtuosität gespielt folgten die von Isaac Albeniz im spanischen Nationalstil komponierten Werke „Cordoba“ und „El Puerto“, die folkloristische Elemente mit spanisch-andalusischer Rhythmik verbanden. Auch die mit viel künstlerischem Temperament gespielten farbigen Impressionen neuerer Kompositionen von Astor Piazolla und Joaquin Rodrigo erweckten mit ihrem Klangreichtum die Bewunderung des Publikums.

Nach der Pause folgten „Alma brasileira“, die wohl berühmteste Komposition von Heitor Villa-Lobos, deren emotionale südamerikanische Mentalität die Zuhörer spontan mitreißen und in imaginäre Welten versetzte. Auch Antonio Carlos Jobims „Cronica da Assassinada“, die eine Geschichte von Lucio Cardoso adaptierte, hatte das Potenzial, auch ohne Kenntnis der tragischen Ereignisse, die dahinterstecken, die Anwesenden ganz unmittelbar zu ergreifen.

Drei hinreißende Zugaben

Egberto Gismontis Kompositionen hingegen ließen noch etwas von seinen Studien der Zwölftonmusik bei Anton Webern und Schönberg erahnen die, verbunden mit kollektiver brasilianischer Erfahrung, ganz eigenwillige Klangbilder evozierte. Bei der von Sergio Assad komponierten Suite Brasileira schienen sich zwei Träume im Orbit getroffen zu haben, um zu einem Zwiegespräch zweier Gitarren verwoben wieder in die irdischen Sphären zurückzukehren und die Geru-Halle mit nahezu überirdischen Klängen zu füllen. Mit drei hinreißenden Zugaben wurde der nicht enden wollende stürmische Applaus des Publikums belohnt.

Gerda Münzenberg

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Interview mit dem künstlerischen Leiter Johannes Kreusch und Herbrucks erstem Bürgermeister Robert Ilg
N-Land Hersbrucker Zeitung
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