Symphonisches Konzert des NBS

Das Gute liegt so nah

Begeisterte mit ihrer Stimme, ihrem Können und Ausdruck – Sopranistin Anna Katharina Goldbach mit Orchesterleiter Bernd Fellmann. | Foto: Krätzer2016/06/db-neuesburgthannerstreichensemble.jpg

BURGTHANN – Das Phänomen ist bekannt: Was von weit her kommt, sieht man eher und schätzt es meist höher ein, als das, was sich quasi vor der Haustüre findet. Warum in die Ferne schweifen, dachte sich wohl auch der Leiter des Neuen Burgthanner Streichensembles (NBS), Bernd Fellmann, bei der Vorbereitung seines diesjährigen Konzertes.

Neben Kompositionen für seine Streicherinnen und Streicher sollte es heuer symphonische Werke sowie Gesangsarien beinhalten. Für diese Ausrichtung lag „das Gute“ nun wirklich nahe, in diesem Fall in Form von Musikern und Dozenten des MusikForums Burgthann (MuFo), des SoundOrchesters Burgthann und Musikerkollegen.

Solcher Art verstärkt, erlebten und hörten die zahlreichen Besucher in der katholischen Kirche ein vielseitiges und kontrastreiches Konzert. Angefangen vom barocken Überschwang und der Herrlichkeit eines Georg Friedrich Händel reichte es über die klassisch-romantischen Werke eines Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart bis zum innigen „Ave Maria“ – eine berührende Arie, die der krebskranke spanische Gitarrist und Komponist William Gomez wenige Monate vor seinem Tod komponierte.

Besonnene Auswahl

Trotz der vielen unterschiedlichen Richtungen kann man Fellmann für seine Auswahl nur gratulieren. Sie enthielt alles, was man sich nur wünschen konnte: gehaltvolle Orchesterpartien mit großartiger Dynamik, mit Spannung und Dramatik auf der einen Seite und beschwingter Fröhlichkeit sowie Festlichkeit auf der anderen. Ein Genuss, dem mit Bläsern und Pauken verstärkten Orchester zu folgen, beispielsweise der Ouvertüre von „Die Geschöpfe des Prometheus“. Ludwig von Beethoven komponierte die Musik um den Rebellen aus der griechischen Mythologie, dem „Feuerbringer“ Prometheus, für den Ballettmeister des Wiener Hoftheaters Salvatore Viganò 1800. In ihr vertonte er das Gute wie das Böse der von Prometheus erschaffenen Menschen. Großartig, wie gekonnt das Ensemble diese Partien umsetzte, leidenschaftlich mit viel Energie und Herz.

Wunderbar interpretierten die Musiker die jeweiligen Stimmungen, von den ruhigen, melodiösen Anfängen, bei denen man ins Träumen kommen konnte, über temporeiche und dramatische Passagen bis hin zum großen Finale.

Wie viel Enthusiasmus hier hineinspielt, konnte man auch an Dirigent Fellmann erleben: Er schien jeden Akzent, jede Nuance der Musik nachzuvollziehen und an sein Orchester weiterzugeben.

Ein Höhepunkt war der Auftritt von Sopranistin Anna Katharina Goldbach, den das NBS sehr einfühlsam und zurückhaltend begleitete. Mit ihrer ausdruckstarken, klaren Stimme, ihrem Können, meisterte die Sängerin und Dozentin am MuFo jede Herausforderung mit Leichtigkeit und zog einen sofort in ihren Bann. Scheinbar gibt es für sie kein Höhenlimit und Koloraturen sind ein Kinderspiel. Ein Übriges zum großartigen Eindruck steuerte auch die Auswahl der Arien bei. Unter anderem Mozarts „Laudamus te“ und sein „Laudate Dominum“ (KV 427 und 339) rühren mit ihren Themen, mal begeisternd jubelnd, mal andächtig, mit ruhiger Melodieführung. Ein Glanzpunkt, wenn man hier überhaupt von einer Steigerung sprechen kann, bildete das schon erwähnte „Ave Maria“. So innig und anrührend wie von Goldbach gesungen, waren viele im Publikum zu Tränen gerührt.

Mit Haydns „London“, der Sinfonie Nr.104, als Hauptwerk der zweiten Konzerthälfte zeigte das NBS nochmals sein virtuoses Können. Herrlich unter anderem das Menuett mit seinem Tanzrhythmus und das Allegro spiritoso, dessen Thema etwas an ein Kinderlied sowie an russischen Tanz erinnert.

Begeisterter Schlussapplaus folgte, und als besondere Zugabe, neben dem bekannten Schostakowitsch-Walzer Nummer 2, noch „Gabriellas Song“ aus dem Film „Wie im Himmel“ – ein sehr gelungener Konzertspätnachmittag.

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