„Da Huawa, da Meier und I“ überzeugten in Burgthann

Boyband mit „vui Gfui“

„Da Huawa, da Meier und I“ boten mit „Zeit is a Matz“ bestes bayerisches Musikkabarett in der Burg Burgthann. | Foto: Voss2017/08/burgthann-Huawa.jpg

BURGTHANN – Seit 17 Jahren sind sie in der bayerischen Kabarett-Landschaft etabliert: „Da Huawa, da Meier und I“. Im Kulturkreis der Gemeinde Burgthann präsentierte das Trio mit seinem Programm „Zeit is a Matz!“ in der Kulisse der Burg eine Zeitreise mit tiefen Einblicken ins bayerische Gemüt.

Zum Ticken eines Weckers und dem Glockenläuten des Big Ben aus dem Off betreten Bandleader und Gitarrist „Huawa“ (Christian Maier), „Meier“ (Matthias Meier, Bass und Trompete) und „I“ (Siegfried Mühlbauer, Drums) die Bühne, ein Auftakt und Auftritt ohne Schnörkel, der Teil ihres Erfolges ist. „Unsere Fans merken wohl, dass wir keine große Wichtigtuershow machen wollen, dass wir die Leute mögen und uns über niemanden erheben“, hat Christian Maier dem Magazin „Spiegel“ einmal gesagt. Und genau das kommt an. Trotz Nieselregen sind die Stuhlreihen voll mit gut gelaunten Menschen in Regenponchos, die sich gern auf die Künstler einlassen.

Sie erleben einen rasanten Stilmix, der den Bogen von Volkmusik über Reggae bis hin zu Rock `n‘ Roll spannt und der sehr zu Unrecht auch schon als „krud-kreativ“ verunglimpft wurde. Gelacht wird von Anfang an: zuvorderst über die Unterschiede zwischen dem bayerischen, dem Oberpfälzer und dem fränkischen Dialekt: Man müsse die Endung -ua nur in -ou umdenken, dann verstehe ein Mittelfranke auch einen Niederbayern, wenn der „Bua“ im Handumdrehen zum „Bou“ werde.

Rasanter Stilmix

Dass das Wort „Matz“ so nett wie ganz und gar nicht nett gemeint sein kann, wissen die Zuhörer und amüsieren sich köstlich darüber, dass „Tante Irmi wohl besser nicht Matz genannt werden sollte.

Der Titelsong „Zeit is a Matz!“ blickt auf die Flüchtigkeit des Momentes, auf die Zeit, die manchmal im ärztlichen Wartezimmer gar nicht vergeht und bei der Begegnung mit einem besonderen Menschen so schnell zu verrinnen scheint. Die Quintessenz: „Die Uhr, die muss vom Deifi sein.“

„Da Huawa, da Meier und I“ fassen das in Worte und Musik, was das Publikum denkt. Sicher nicht mit der Schärfe einer Lisa Fitz, dafür mit Ruhe, und es lohnt sich, dabei den Subtext wahrzunehmen.

Das Reinheitsgebot des Bieres von 1516 ist ein Thema, „streng wissenschaftlich und historisch“, so wie der Mäusekot, der davor unstrittig Anteil am Gesamtaroma des Bieres gehabt haben soll. Kostüme gibt es viele an diesem Abend, köstlich ist dabei Matthias Meier, nicht nur als Augustinermönch mit Gummiglatze. Meier brilliert als Komödiant, der den Grönemeyer mit „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ gibt und mit Leibesfülle nicht g‘schamig umgeht, sondern entspannt kokettiert. Die Kabarettistin Lizzy Aumeier, die im Publikum sitzt, wird es gefreut haben.

Zum Blick zurück in die Zeit gehört auch Wehmut beim Gedanken an, wie Christian Maier erzählt, die „unbeaufsichtigte Kindheit“ vergangener Jahre. Es klingt nach den späten Siebzigern, wenn er über das „gute alte Bonanza-Rad“ mit seinem Bananensattel und den Bierfilzeln zwischen den Speichen erzählt. Die Schaltung, die sei ziemlich „nah am Zentrum“ gewesen, erklärt er Bandkollege Meier. Also bei ihm im toten Winkel, lacht der zurück. Und das Publikum tobt.

Erzählen, was bewegt

Trotz vieler Kostüme schlüpfen „Da Huawa, da Meier und I“ nicht in Rollen. Sie schauspielern nicht, sie erzählen, was sie bewegt – authentisch und mit viel Liebe zum bayerischen Lebensgefühl, zum Dialekt, zu Traditionen, zur Wirtshausgemütlichkeit. Über die Kindheit, wie sie einmal war und was aus ihr geworden ist bei der nächsten Generation, die „ohne W-LAN überhaupt kein Hirn hat.“ Auch darüber, dass „statistisch gesehen jeder Dritte ein Depp ist“.

Zum „Depperl-Test“ gehören sie geladen, die Ignoranten und Schmalspurdenker, die es immer wieder gibt. Und sicher auch immer gegeben hat. „Zeit is a Matz!“ lebt vom „boarischen Gfui“.

N-Land Susanne Voss
Susanne Voss