HERSBRUCK - Die Hersbrucker Altstadtfreunde haben im Innenhof des ehemaligen Gasthauses „Zur Wolfsschlucht“ in der Martin-Luther-Straße 29 in Hersbruck einen Informations- und Kulturabend veranstaltet.
Nach Angaben der Hersbrucker Altstadtfreunde füllte sich der Innenhof gegen Abend mit Mitgliedern und Bürgern. Die Vorsitzende Madlen Gulitsch begrüßte die Gäste und verwies auf das Ausstellungsprojekt im Laufer Industriemuseum. Dort zeigen die Hersbrucker Altstadtfreunde Infotafeln zur Geschichte von Hersbruck, zum Denkmalensemble „Altstadt“ und zur Bau- und Nutzungsgeschichte des Anwesens „Wolfschlucht“. Als Highlight wurde das restaurierte ehemalige Uhrwerk der Hersbrucker Spitalkirche präsentiert.
Der Historiker Christopher Nienemann trug die Geschichte des Hauses vor. Nienemann erläuterte, dass Valentin Starkgraf 1595 das Ackerbürgerhaus erwarb. Starkgraf war Lederer und wurde durch Kapitalverleihen wohlhabend. 1610 baute er das Anwesen grundlegend neu auf. Im Erd- und ersten Obergeschoss befanden sich je eine große Stube und Küche. Ein Gewölberaum diente zum Schaben von mit Eichenrinde gegerbten Tierhäuten, die in großen Gruben lagerten. Vier Dachböden boten Platz zum Trocknen des Leders. Über der Werkstatt baute Starkgraf einen sicheren Raum mit kleinem Fenster für seine Schätze und Wertpapiere.
Vom Gerberhaus zur Hopfenhandlung
Starkgraf betrieb zudem Ackerbau, hielt Tiere und braute Bier. 1618 erwarb er das Nachbarhaus. 1625 kaufte er den „Bamberger Hof“ in der Martin-Luther-Straße 14, ebenfalls ein Gerberhaus. Die Familie führte die Gerberei während des Dreißigjährigen Krieges fort. In der Barockzeit wurde das Brauen und Verkaufen von Bier zur Einnahmequelle. Nachdem die Stadt Nürnberg dies einschränkte, wurde der Hopfenanbau und Hopfenhandel zur wichtigsten Verdienstquelle. Die Familie Geng betrieb das Gasthaus zur Wolfsschlucht bis etwa 1965.
Der Schauspieler Charly Hartmann verkörperte Valentin Starkgraf und trug dessen Lebensgeschichte vor. Eine von Nienemann verfasste Broschüre zur Hausgeschichte wurde Interessierten zum Mitnehmen angeboten.
