Es ist Freitag, der 24. April, später Vormittag. Kuno B. (Name geändert) liegt auf der Wahlleistungsstation im Krankenhaus Lauf. Er ist zwei Tage zuvor operiert worden, ihm wurde ein künstliches Gelenk in sein linkes Knie implantiert. In wenigen Tagen wird er 91 Jahre alt.
Prof. Dr. Jörg Arnholdt ist bei ihm und schaut, wie es seinem Patienten mittlerweile geht. Arnholdt ist Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie am Krankenhaus Lauf, zudem Chefarzt der Orthopädie und Endoprothetik am Klinikum Nürnberg und Leiter des Endoprothetikzentrums Nürnberg – ein ausgewiesener Fachmann für Operationen an Knie und Hüfte. Er hat die Operation durchgeführt und ist zufrieden. Denn Kuno B. geht es prima. Er kann schon wieder aufstehen und sich bewegen – drei Tage später wird er entlassen.
„Ich bin sehr erfreut, wie schnell Sie sich erholt haben“, sagt Prof. Arnholdt zu Kuno B. Das sei schließlich nicht selbstverständlich in so einem fortgeschrittenen Alter.
Entscheidend ist der allgemeine Gesundheitszustand
Kuno B. ist glücklich. Ein neues Knie – das war die richtige Entscheidung. Auch wenn viele ihm sagten, er möge sich den Schritt gut überlegen, da so ein Eingriff auch mit Risiken verbunden sei, gerade am Kniegelenk. „Das war mir natürlich bewusst“, gibt der gebürtige Ansbacher zu. „Aber ich hatte Schmerzen und war in meiner Mobilität stark eingeschränkt. Zuletzt konnte ich keine 50 Meter mehr laufen, weil auch das rechte Knie zu schmerzen begann. Da musste ich etwas unternehmen.“
In der Zeitung liest er, dass das Krankenhaus Lauf einen neuen Endoprothetik-Spezialisten verpflichtet hat – quasi direkt vor seiner Wohnungstür. Dann geht alles ganz schnell. Kuno B. greift zum Telefon und bittet um einen Termin bei Prof. Dr. Arnholdt.

Gemeinsam besprechen sie, welche Therapie die beste für ihn ist. Die Untersuchung ergibt: Kuno B. hat eine fortgeschrittene Varusgonarthrose: Das Kniegelenk ist stark verschlissen, Knochen läuft auf Knochen, das sieht man im Röntgenbild. Alles spricht für ein künstliches Kniegelenk. „Klar braucht es in diesem Alter eine sorgfältige Abwägung“, erinnert sich Prof. Arnholdt an das erste Gespräch mit Kuno B. „Entscheidend sind dabei aber nicht allein die Lebensjahre, sondern vor allem der allgemeine Gesundheitszustand, die Belastbarkeit und die persönlichen Ziele des Patienten. Wir schauen uns all das immer sehr genau an. Und im Fall von Kuno B., der mitten im Leben steht und seinen Alltag selbstständig bewältigt, war das keine Frage.“
Und Kuno B. hat Glück: Schon drei Wochen später kann die Operation stattfinden. Der Eingriff dauert rund eine Stunde. Dabei wird das Kniegelenk geöffnet, um die verschlissenen Knochenflächen, die jahrelang bei jeder Bewegung aneinander gerieben haben, zu entfernen. An ihre Stelle kommen an Oberschenkel und Unterschenkel passgenaue Implantate, die in den Knochen einzementiert werden, dazwischen ein Kunststoffeinsatz, damit nicht Metall auf Metall reibt – ein künstliches Gelenk, das sich wieder beugen und strecken lässt.
Bei Kuno B. wird eine Vollprothese (ein sogenannter bikondylärer Oberflächenersatz) implantiert. Prinzipiell gibt es verschiedene Implantate sowie auch Teilprothesen. Welches verwendet wird, hängt vom individuellen Befinden des Patienten ab. Prof. Arnholdt und sein Team sind darin sehr erfahren – der Eingriff ist für sie Routine und trotzdem immer wieder ein kleines Wunder. „Wir geben den Patienten mit einer vergleichsweise überschaubaren Operation ein großes Stück Lebensqualität zurück“, so Arnholdt.
Sicher gibt es auch Risiken – Infektionen, Blutungen oder Blutgerinnsel zum Beispiel. Auch hat eine Prothese eine begrenzte Haltbarkeit und kann sich im Verlauf lockern oder abnutzen. Dies ist eher selten der Fall, die Standzeiten der Prothesen liegen bei 15 bis 20 Jahren. „Infektionen nach einem künstlichen Kniegelenk treten in circa einem Prozent der Operationen auf. Ernsthafte Komplikationen wie eine Verletzung größerer Blutgefäße oder Nerven sind noch seltener“, erklärt Arnholdt. Häufiger seien vorübergehende Beschwerden wie Schmerzen, Schwellungen oder eine eingeschränkte Beweglichkeit in den ersten Wochen nach der Operation.

„Ich würde es wieder machen“
Bei Kuno B. ist das nicht der Fall. Selbstständig und beweglich bleiben – das ist für ihn die oberste Prämisse. „Mein Leben lang war ich in Bewegung und habe mich viel bewegt. Das soll bitte auch die kommenden Jahre so bleiben. Ich gehe alleine einkaufen, kümmere mich um den Garten, fahre Rad. Das hält mich fit – auch geistig“, sagt er mit einem Lachen.
Umso größer war für ihn der Einschnitt, als das eigene Knie immer weniger mitmachte. Die Schmerzen kamen zunächst schleichend. Doch irgendwann waren sie nicht mehr zu ignorieren. Wege, die früher selbstverständlich waren, wurden zur Belastung.
„Man passt sich mit der Zeit an die Schmerzen an“, erzählt er. „Aber irgendwann merkt man, dass man sich dadurch immer mehr einschränkt.“ Zumal das rechte Knie durch die anhaltende Fehlstellung plötzlich auch weh tat. „Kurz vor der OP wusste ich schon gar nicht mehr, ob das linke oder das rechte Knie behandelt werden sollte“, sagt Kuno B.
Dass er heute wieder selbstständig und schmerzfrei läuft, auch auf Treppen, freut ihn sehr. Nicht nur die Operation, vor der er überhaupt keine Angst hatte, ist gut verlaufen. Auch die Betreuung im Krankenhaus Lauf und die anschließende Reha behält er in bester Erinnerung. Seine Erfahrung möchte er deshalb an andere ältere Menschen weitergeben, die wegen Schmerzen über eine Operation nachdenken.
„Ich würde es wieder machen“, sagt er. „Man sollte nicht denken: Ich bin zu alt, das lohnt sich nicht mehr. Ich kann natürlich nur für mich sprechen. Aber mir hat die Operation sehr geholfen.“
Julia Peter
INFO
Endoprothetikzentrum (endoCert-zertifiziert)
Leitung: Prof. Dr. med. Jörg Arnholdt
Krankenhaus Lauf
Telefon: 09123/180-111
E-Mail: [email protected]
Klinikum Nürnberg
Telefon: 0911/398-2576
E-Mail: [email protected]
Behandlungsangebot
- minimalinvasive Hüft- und Knie-Operationen
- primäre Hüft-TEP
- Schlitten-Endoprothetik – Teilprothese
- Knie-TEP – die komplette Knieprothese
- Wechseloperationen – Revisionseingriffe
- Versorgung komplexer Fälle
- individuelle Implantatauswahl
- Physiotherapie
„Gesundheitsgespräche“ und „Medizin im Gespräch“-Infoabende
Prof. Dr. Jörg Arnholdt bietet sowohl in den Krankenhäusern Lauf und Altdorf als auch im Klinikum Nürnberg regelmäßig Infoabende zu den Themen Hüft- und Kniegelenksverschleiß an. Die Veranstaltungen sind kostenfrei, teilweise ist auch eine Online-Teilnahme möglich.
Alle Infos dazu finden Sie hier.
