NÜRNBERGER LAND/UGANDA/RUANDA – N-Land und Bote-Mitarbeiterin Veronika Kliem war in diesem Jahr mit ihrem Mann Tobias zu Besuch in Uganda und Ruanda. Ein Reisebericht zwischen Schönheit und Repression, Wandel und Stillstand und über einen Herzenswunsch.
Jedes Jahr machen mein Mann und ich in den Wintermonaten eine große Reise, immer auf der Suche nach Abenteuern und neuen Erfahrungen. Im Januar ging es für uns nach Ostafrika, in die Länder Uganda und Ruanda – ein Trip, den wir in Eigenregie geplant hatten.
Es war ein Samstag, als wir Kampala erreichten. Das ist die Hauptstadt Ugandas, in deren Kern 1,8 Millionen Menschen leben. Als wir ankamen, wirkte die Stadt aber wie ausgestorben – kein Mensch war unterwegs und auf den Straßen herrschte eine geradezu unheimliche Stille. Schließlich sahen wir doch einige Personen – bewaffnete Soldaten.

Als wir in unserem Hotel ankamen, fragte ich an der Rezeption, was hier eigentlich los ist. Warum die Straßen, in denen normalerweise buntes Treiben herrscht, so gespenstisch menschenleer sind. Immerhin wollen wir Sightseeing machen, Einheimische treffen, etwas erleben. Der nette Hotelangestellte rückte seine Krawatte zurecht und seine Stirnfalten gruben Furchen in Richtung Haaransatz: „Wir raten Ihnen dringend, im Hotel zu bleiben“, sagte er deutlich, „draußen gibt es heftige Auseinandersetzungen und es sind sogar Schüsse gefallen.“
Zurück auf Anfang
Um diese Umstände zu erklären, muss ich etwas weiter ausholen. Unsere Reise begann in Entebbe, Ugandas alter Hauptstadt, wo wir mit dem Flugzeug landeten. Gleich nach unserer Ankunft erfuhren wir, dass das WLAN derzeit nicht funktioniere und eine SIM-Karte konnten wir auch nicht aktivieren. Das fanden wir ungewöhnlich, wir dachten uns aber nicht viel dabei.
Entebbe ist eine eher kleine Stadt in Zentraluganda, in der etwa 70.000 Menschen leben und die circa 35 Kilometer von der heutigen Hauptstadt entfernt liegt. Wir liefen auf orange-braunem Sand über eine große Brücke in Richtung Botanischen Garten.
Ein Wunsch geht in Erfüllung
Wir waren beide guter Dinge – zumal ich mir einen Herzenswunsch erfüllen durfte. Schon vor Reiseantritt habe ich mich über eine besondere „Schule“ informiert, die etwa 20 Kilometer außerhalb von Entebbe liegt. Sie wurde von den Zwillingen Esther und Jannet mit dem Ziel gegründet, Waisenkinder und Straßenkinder aufzunehmen und ihnen eine Chance auf eine bessere Zukunft zu geben. Angefangen hat das in einer Garage – mittlerweile gibt es Klassenräume, in denen die Kinder unterrichtet werden, etwas zu essen bekommen und ein Stückchen Sicherheit und Geborgenheit im sonst so harten Leben erfahren dürfen. Und ich wollte diesen Kindern Geschenke mitbringen: Malsachen, Schreib- und Zeichenblöcke und Stifte.

Schon bei unserer Ankunft wurden wir herzlich und begeistert empfangen. Wir erhielten Einblicke in den Alltag und erzählten den Kindern von unserem Leben in Deutschland. Die mitgebrachten Geschenke zauberten den Kleinen ein Lächeln in die Gesichter. Besonders begeistert waren wir von den gepflegten Klassenräumen und den herzlichen Gesprächen – wir merkten sofort, was für eine gute Arbeit geleistet wird. So fuhren wir reich an neuen Erfahrungen und vor allem mit einem erfüllenden Gefühl, etwas Gutes getan zu haben, mit dem Taxi zurück ins Hotel.
40 Jahre an der Macht
Nach einer Bootstour über den Victoriasee – Afrikas größten Süßwassersee – ging es schließlich weiter nach Kampala. Erst hier erfuhren wir, warum die Straßen so leer sind und das Internet eingeschränkt beziehungsweise abgeschaltet wurde. „Wir befinden uns gerade inmitten der Präsidentschaftswahlen“, wurde uns auf der Straße gesagt.
Einheimische sagten uns, dass das Internet und soziale Medien von staatlicher Seite abgeschaltet wurden. Später lesen wir, dass dies eine Praktik ist, um kritische Stimmen gegenüber Präsident Yoweri Museveni und mögliche Demonstrationen einzudämmen. Museveni, oft auch als der „ewige Präsident“ bezeichnet, ist schon seit über 40 Jahren an der Macht und hat sich auch 2026 wieder aufgestellt. Seine Herrschaft wird laut zahlreicher Quellen international und von Oppositionellen wegen zunehmender Autorität, Repressionen und Einschränkungen der Pressefreiheit kritisiert. Nach der umstrittenen Wahl – die Museveni erneut gewann – zeigte sich auch, welchen Einfluss der Staatsführer hat. Oppositionsführer Bobi Wine galt wochenlang als verschwunden und musste nach eigenen Angaben untertauchen, weil er vom Regime verfolgt wurde.
Diese Einschränkungen beeinflussten auch uns als Touristen, denn wir waren komplett offline. Mit dieser digitalen Isolation ging zusätzlich einher, dass im Notfall die Kontaktaufnahme zu Botschaften und Angehörigen sehr schwer ist. Außerdem wurde uns geraten, in der Wahlperiode große Städte zu meiden. Die Gefahr vor gewaltsamen Ausschreitungen und Terrorismus sei groß.

Wir nahmen Kontakt mit einer Mietwagenfirma auf – was ohne Internet gar nicht so leicht war – und wollten Kampala einen Tag früher als geplant verlassen. Dank des guten alten Reiseführers schafften wir es schließlich, die richtige Telefonnummer zu erhalten. So ging die Reise weiter in Richtung Bwindi National Park. Dort hatten wir ein Gorilla-Trecking geplant. Dieser Ausflug hat sich gelohnt, denn wir sahen bereits nach zwei Stunden die imposanten Tiere – ein großes Highlight unserer Reise. Ein mulmiges Gefühl war trotzdem immer dabei: Wir durften uns nur mit einer bewaffneten Eskorte durch das dichte Dickicht wagen, weil der Nationalpark nicht weit von der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo entfernt ist, in der ein blutiger Bürgerkrieg tobt.
Die Schweiz von Afrika
Unser nächstes Ziel war Ruanda. Das Land wird auch als die „Schweiz Afrikas“ bezeichnet, weil es geografisch hügelig ist, klein und dicht besiedelt ist und nach dem grausamen Genozid 1994 eine beispiellose wirtschaftliche und politische Stabilität sowie Modernisierung erreicht hat. Und diesen Kontrast zu Uganda haben wir sofort gespürt: Wir tranken kurz nach der Grenze einen Kaffee – in einem richtigen Café, das wir so in Uganda nirgends gefunden hatten.

Unter anderem kamen wir im Hôtel des Mille Collines in Kigalis Hauptstadt unter. Das Hotel ist als historischer Zufluchtsort während des Völkermords weltbekannt geworden – spätestens durch den Film „Hotel Ruanda“ aus dem Jahr 2004, der für mehrere Oscars nominiert wurde.

Zurück in Uganda konnten wir unsere fast sechswöchige Reise mit einem Erlebnis beenden, das sich wie Balsam für unsere Seelen anfühlte: Wir haben eine Elefantenherde auf dem Weg zu einer Wasserstelle beobachtet. Diese erhabenen Tiere vermittelten uns Ruhe und Gelassenheit, bevor ein aufreibender, spannender und vor allem ereignisreicher Roadtrip zu Ende ging.
Sowohl in Uganda als auch in Ruanda haben wir viel Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Einheimischen erlebt. Zwei Länder, die sich auf ihre ganz eigene Art und Weise für eine Reise lohnen.

Info: Wer mehr über die Ostafrikareise von Veronika und Tobias Kliem erfahren möchte, kann zu einem Vortrag dazu in die VHS Neumarkt am Donnerstag, 8. Oktober, kommen. Eine Anmeldung ist über die VHS Neumarkt erforderlich: www.vhs-neumarkt.de.
