Hanna Pfeifer und Kilian Spandler zu Gast im Auswärtigen Amt

Kaffee beim Außenminister

Gruppenbild mit Steinmeier: Vor den Diskussionsrunden stellte sich der Außenminister mit den Gewinnern des Essaywettbewerbs den Fotografen zum Erinnerungsfoto. Darunter Hanna Pfeifer (3.v.r.) und Kilian Spandler (2.v.l.)2014/10/steinmeier_New_1413123901.jpg

RÖTHENBACH/UNTERFERRIEDEN/BERLIN – „Was ist falsch an der deutschen Außenpolitik? Was müsste daran geändert werden?“ Mit diesen Fragen hat Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier im Mai den Startschuss für „Review 2014 – Außenpolitik Weiter Denken“ gegeben. Bei diesem breit angelegten Diskussionsprozess sind Politiker, Wissenschaftler und Personen der Zivilgesellschaft aufgefordert, auf unterschiedlichem Wege Anstöße zu geben. Hanna Pfeifer (27) und Kilian Spandler (26), beide Absolventen des Altdorfer Leibniz-Gymnasiums und mittlerweile Doktoranden der Politikwissenschaft in Magdeburg bzw. Tübingen, haben sich vor diesem Hintergrund erfolgreich an einem Essay-Wettbewerb beteiligt. Ihr Lohn: Treffen und Diskussion mit dem Bundesminister im Auswärtigen Amt.

Pfeifer und Spandler haben beide führende Positionen bei IFAIR (Young Initiative on Foreign Affairs and International Relations), eine studentische Initiative, die zum Ziel hat, junge Menschen zu vernetzen, die sich für internationale Beziehungen interessieren, und ihnen durch Blogs im Internet oder Workshops die Infrastruktur dazu zu liefern.

Bereits im Frühjahr hatten die beiden jungen Politikwissenschaftler über Mailing-Listen von der Auslobung des Kontests im Internet erfahren, dessen Gegenstand mit der (zukünftigen) Rolle der Außenpolitik sehr allgemein gehalten war. Sie fühlten sich angesprochen und verfassten gemeinsam einen Artikel zum Thema „Komplexität aufbauen statt abbauen“, der sich kritisch mit der Verantwortungsrhetorik der Außenpolitik auseinandersetzt und mehr Offenheit für widerstreitende Positionen fordert. Knapp über 50 weitere Essays wurden eingereicht, die zehn besten kamen in die engere Auswahl und wurden zur Bewertung in voller Länge auf der Review Homepage online gestellt. Auf die Autoren der fünf interessantesten hiervon wiederum wartete die Begegnung mit Steinmeier. Beurteilt wurden die innovativen Aufsätze allerdings nicht von den Mitarbeitern des Außenministeriums, sondern von der breiten Öffentlichkeit, die durch Klicks ihre Meinung zu den fundierten Artikeln äußern konnte. Am Ende landeten Pfeifer/Spandler unter den fünf Besten und Meistgeklickten und ließen sich zusammen mit vier anderen Studenten vom Außenminister letzten Donnerstag Kaffee in seinem Büro servieren.

Konkret zum Thema geantwortet

Dort nahm sich Deutschlands oberster Außenpolitiker eine Dreiviertelstunde Zeit, auf die Fragen der jungen Leute einzugehen, wobei er sehr ernsthaft zuhörte, intensiv dagegen hielt, wenn er kritisiert wurde, aber auch konkret zum Thema antwortete und es nicht bei oberflächlichen Phrasen-Versatzstücken beließ. „Wir haben ihn an echter Diskussion interessiert erlebt“, fanden die beiden. So wollte Kilian Spandler wissen, inwieweit der viel strapazierte Begriff Verantwortung in der deutschen Außenpolitik denn ernst genommen würde. „Hört man da nicht Anklänge an die alte deutsche Großmachts- und Geopolitik heraus, die ihren Anspruch aus Deutschlands Größe und Wirtschaftsmacht ableitet?“, wollte er von Steinmeier wissen. Dies verneinte der umgehend und versicherte, dass vielmehr Zivilmacht als Leitbild für die deutsche Außenpolitik diene. Bereits die UN-Charta hätte die deutsche Geo-Politik begraben, er setze sich vehement für eine regelgeleitete Außen- und Weltpolitik ein.

Im Anschluss an die eher intime Runde gab es eine weitere Debatte, die von den Firmen Facebook und Base-camp organisiert wurde und bei der auch per Facebook eingereichte Fragen beantwortet wurden.

In einer knappen Stunde, die von Cherno Jobatey moderiert wurde, kamen Zuhörer und Gewinner des Wettbewerbs noch einmal zu Wort. Unter den verschiedenen Themen, die angeschnitten wurden, war natürlich auch die Irak-Syrien-Krise. Hanna Pfeifer wollte wissen, wie das deutsche Außenministerium reagieren würde, wenn von Seiten des IS ein Gesprächs-angebot käme. „Da muss ich Sie enttäuschen“, erwiderte der Minister, „hier gibt es keine Gespräche.“

Der Essay von Hanna Pfeifer und Kilian Spandler ist unter http://www.review2014.de/de/wettbewerb/essay-wettbewerb/inhalte/article/komplexitaet-aufbauen-statt-abbauen-wider-eine-politik-der-neuen-deutschen-verantwortung/show-entry/show/controller/Challenge.html nachzulesen.

Eine Zusammenfassung der Diskussion mit Frank Walter Steinmeier ist demnächst auf der Homepage www.review2014.de zu sehen.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler
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