Sanktionen gegen Russland

Unternehmen aus dem Nürnberger Land rechnen mit starken Einschnitten

Emuge, der Laufer Hersteller von Präzsionswerkzeugen – hier das Firmengebäude noch vor der derzeit laufenden Erweiterung –, hat eine Tochterfirma in St. Petersburg. | Foto: PZ-Archiv/Sichelstiel2022/03/emuge-gebaude0003.jpeg

NÜRNBERGER LAND – Als Reaktion auf die russische Großoffensive in der Ukraine haben Deutschland, USA und Verbündete gemeinsam weitere Finanzsanktionen gegen Russland beschlossen – das hat auch gewaltige Auswirkungen auf die Unternehmen im Nürnberger Land.

Johannes Bisping, Gremiumsvorsitzender der IHK Lauf, hatte bereits mit Firmen Kontakt: „Bei allen steht die Bestürzung an erster Stelle. Hier in der Region sind die Ukraine und Russland entweder als Absatzmärkte oder über Partner in den Krisengebieten präsent.“

Aus für den Handel?

Am Samstagabend steht fest, dass alle russischen Banken, die bereits von der internationalen Gemeinschaft sanktioniert sind, vom internationalen Zahlungssystem Swift ausgeschlossen werden. „Durch die Sanktionen sind die Handelswege nun komplett abgeschnitten“, beschreibt Bisping die Lage. Auch der IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Lötzsch geht davon aus, dass der Handel mit Russland durch die Finanzsanktionen weitgehend zum Erliegen kommen dürfte.

„Es ist aber sehr wichtig zu betonen, dass alle Unternehmen die Maßnahmen komplett unterstützen. Sie waren sich einig, man müsse alles tun, um den Krieg zu beenden – egal wie schmerzhaft es für die heimische Wirtschaft ist“, so Bisping. 


Alles auf einen Blick: Sachspenden und Spendenaktionen für die Ukraine im Nürnberger Land


Die Firmen in und um Lauf blicken laut des IHK-Sprechers in eine ungewisse Zukunft. Neben Sorgen um Mitarbeiter und Niederlassungen seien Einkauf und Verkauf in den beiden Ländern ausgesetzt. Am schwersten treffen die Firmen die Erschütterungen und Preissteigerungen der Rohstoffmärkte, glaubt er. 

„Wir sind von der Energie und Gas abhängig. Wenn das ausbleibt, hätte es extreme Auswirkungen – nicht nur preislich“, sagt Bisping. „Es gibt einige Firmen und Produktionen, die ohne Gas zum erliegen kommen würden“, erklärt er. Trotz der hohen finanziellen Belastungen, die auf die Firmen zukommen werden, starten diese bereits Spendenaktionen für das Ukrainische Volk, weiß Bisping.

Tochterfirma in St. Petersburg

Gerhard Knienieder, Emuge Geschäftsführer des in Lauf berichtet von der Tochterfirma in St. Petersburg: „Ab dieser Woche können wir unseren Standort nicht mehr beliefern. Durch den Ausschluss Russlands von Swift, ist der Zahlungsverkehr unmöglich geworden.“ Jetzt müsse er sehen, wie es weitergeht.

Durch Corona waren technische Besuche in der Vertriebsfirma in St. Petersburg bereits sehr eingeschränkt, erklärt der Geschäftsführer. Jetzt, wo es langsam wieder angelaufen wäre wurde erneut alles gecancelt – ohne Ausblick auf schnelle Verbesserungen. 

„Die Eskalationsspirale nach oben ist ja noch nicht beendet“, sagt Knienieder. „Wir gehen davon aus, dass die Sanktionen über Monate, wenn nicht Jahre gehen werden.“ Aber auch die steigenden Energiepreise werden den Werkzeughersteller, wie alle anderen, treffen. 

Fehlende Informationen

„Wir sorgen uns natürlich auch um unsere Mitarbeiter in Russland und werden versuchen die Krise gemeinsam zu überstehen“, sagt Knienieder. Sorgen macht er sich nicht nur um die wirtschaftlichen Auswirkungen für seine Mitarbeiter in Russland, auch in den Gesprächen mit ihnen wird klar: Sie haben einen ganz anderen Wissensstand, über den Angriff Putins. „Man merkt, dass sie ganz andere Informationen haben und diese sehr gesteuert sind“, erklärt Knienieder.

Text: Sophie Urbansky)

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