Bauausschuss Hersbruck

Ende der Bierkeller?

Noch gehört die Fläche des ehemaligen Montana-Clubs in Hersbruck der Natur - ein Nürnberger Investor will dies mit dem Bau einer großen Wohnanlage ändern. Foto: J. Ruppert2013/05/Bauauss_Heb.jpg

HERSBRUCK – „Der Hügel verschwindet“, sagte Stadtrat Günther Langheinrich zufrieden. Er und die anderen Mitglieder des Bauausschusses haben grünes Licht für eine Wohnanlage in der Hersbrucker Gartenstraße gegeben. Das dortige Grundstück war nach dem Abbruch des Montana-Clubs verwahrlost und hatte wegen der alten Bierkeller für Schlagzeilen gesorgt.

Ohne Aussprache winkte das Gremium unter Vorsitz von Bürgermeister Robert Ilg mehrere Baugesuche zur Entscheidung an das Landratsamt durch. Mit dabei ist die Erweiterung der Saunalandschaft in der Fackelmann Therme bis an die Pegnitz. Außerdem erhielt Geru-Plast den städtischen Segen für die Errichtung einer Extruderhalle zur Folienproduktion und der Metallhandel Loos, derzeit in der Amberger Straße, darf im Gewerbegebiet Krötensee bauen.

Bereits im Winter hatte ein Nürnberger Investor eine Voranfrage gestellt. Ursprünglich wollte er in der Gartenstraße 31 ein Mehrfamilienhaus samt Tiefgarage, erntete aber aufgrund der Größe eine Ablehnung. Für die leicht abgespeckte Planung mit neun statt elf Wohnungen wurde nun das Einvernehmen der Stadt Hersbruck erteilt.

„Wir sind froh, dass dort ein schönes Objekt entsteht“, brachte Günther Langheinrich die Meinung aller Mitglieder im Ausschuss auf den Punkt. Die Stadt kann auch hoffen, dass sie die Kosten des Abrisses erstattet bekommt.

Denn wie berichtet, sind die einsturzgefährdeten Gebäude des alten Montana-Clubs letztes Jahr im Wege der Ersatzvornahme zwangsweise entfernt worden. Der Eigentümer der Gartenstraße 31, die Firma Concentra, wollte die entstandenen Ausgaben nicht zahlen. Vermutlich handelt es sich um 39.000 Euro.

Es gibt aber noch einen zweiten Knackpunkt. Im Untergrund des Montana-Areals befinden sich immer noch weitläufige zwei Kellersysteme, die vor weit über hundert Jahren entstanden sind. Darin lagerten die Bierbrauer vor der Zeit der Kühlschränke den Hersbrucker Gerstensaft.

Die hiesigen Altstadtfreunde haben sich vehement für den Erhalt der Relikte ausgesprochen. Wenn die Wohnanlage verwirklicht wird, dürften sie aber aus statischen Gründen und wegen der geplanten Tiefgarage zerstört werden.

Die Stadt verweist in dieser Angelegenheit unmissverständlich auf die Zuständigkeit der Fachbehörden: Naturschutz im Hinblick auf die Fledermäuse und Bergbau. Die unterirdischen Anlagen stehen übrigens nicht unter Denkmalschutz.

Die Raiffeisenbank Hersbruck möchte eine 500 bis 600 Quadratmeter große Lagerhalle für landwirtschaftliches Schüttgut auf dem Gelände des Bahnhofs rechts errichten. Auf der Fläche im Altensittenbacher Teil befindet sich bereits ein großes Depotgebäude.

Robert Ilg wies auf Hürden bei dem Vorhaben hin. Die Bank muss das Grundstück noch kaufen, die Stadt den Flächennutzungsplan ändern und die Bahn die Fläche „entwidmen“. Nichtsdestotrotz soll das Projekt heuer zur Erntezeit stehen.

Norbert Dünkel nutzte die Thematik, um auf die seit vielen Jahren angestrebte Planung des gesamten Geländes hinzuweisen. Der größte Teil dient als wilder Parkplatz, dazu gibt es wucherndes Grün und einige ungenutzte Gebäude. Statt einem langsamen „Vor-sich-hinentwickeln“ verschiedener Strukturen möchte Norbert Dünkel eine zukunftsfähige Lösung. Robert Ilg stimmte dem zu.

Bis Ende Mai will die Hersbrucker Verwaltung Aufträge zur Sanierung des städtischen Straßennetzes vergeben. Die Summe beträgt 200.000 Euro. Weitere 50.000 Euro „verarbeitet“ der Bauhof. Günther Langheinrich sprach Schäden in drei Bereichen an, für die bislang keine Mittel vorgesehen sind: der Vorplatz des Emil-Held-Hauses, Teile der Schlesienstraße und der mittlere Bereich der Großviehbergstraße.

N-Land Jürgen Ruppert
Jürgen Ruppert