Geschäftsführer Sommer stellte Plan im Stadtrat vor

Designer Outlet: Entscheidung in vier Wochen

Architekt Martin Pöllots Plan für Outlet, Hotel und Stadthalle: Unten die Nürnberger Straße, rechts die Schulstraße, links unten ein Kreisverkehr, über den der Verkehr von der Autobahn zugeleitet wird. Grafik: Pöllot Architekten2016/07/Designer-Outlet.jpg

ALTDORF – Senkt der Stadtrat für das Projekt Designer Outlet den Daumen oder hat das Vorhaben des spanischen Immobilienkonzerns Neinver eine Chance? Viele Altdorfer hatten die Entscheidung darüber bereits für Donnerstag erwartet, werden jetzt aber noch einmal vier Wochen auf die Folter gespannt. Die Stadträte werden erst in ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause (28. Juli) beschließen, wie es an der Nürnberger Straße weiter geht. Sebastian Sommer, Geschäftsführer von Neinver Deutschland, hat ihnen im Sitzungssaal des Rathauses den vom Altdorfer Architekten Martin Pöllot entworfenen Masterplan erläutert. In den kommenden vier Wochen werden die Fraktionen noch einmal intern diskutieren, ob man dem 80-Millionen-Projekt eine Chance geben will oder ob die Risiken so groß sind, dass man Neinver einen Korb gibt.

Die Werbegemeinschaft Altdorf aktiv steht den Outlet-Plänen ausgesprochen skeptisch gegenüber. Per Mail verständigten sich die Mitglieder deshalb darauf, bei der Präsentation des Vorhabens durch Neinver im Sitzungssaal massiv Präsenz zu zeigen, kein Wunder also, dass zu Beginn der Sitzung im Zuhörerbereich nur noch Stehplätze zu vergeben.

Deshalb Altdorf

Warum will Neinver ausgerechnet nach Altdorf? Diese Frage stellten sich in den vergangenen Wochen Gegner wie Befürworter des Projekts. Sommer gab darauf mehrere Antworten: Städtebaulich sei es möglich, auf dem Areal an der Nürnberger Straße eine Lücke zu schließen. Und der Standort an der A 3 ist natürlich verkehrsmäßig extrem gut gelegen. Auffällig ist, dass das von Neinver benötigte Areal größer ist, als der von Professor Kress entworfene Bebauungsplan für das Gelände. Dieser endet an der nach Nordwesten abfallenden Hangkante. Hier könnte das Gelände aber angepasst werden, erläuterte Sommer. Die Architektur, versprach er, soll harmonisch und hochwertig sein, „wir wollen keine Disneysierung“.

Für ein Projekt dieser Größenordnung ist ein Raumordnungsverfahren nötig, das wiederum setzt eine ganze Reihe von Gutachten voraus, vom Schallschutz über den Naturschutz bis zu Verkehrsstudien. Die müssten in den nächsten Monaten in Auftrag gegeben werden. Wenn die Stadt grünes Licht für das Outlet gibt, wird sie einen städtebaulichen Vertrag mit Neinver abschließen, in dem alles festgelegt wird, was das neue Center betrifft – von der Abwasserbeseitigung bis zum Angebot in den einzelnen Läden des Outlet.
Eröffnung schon 2020/21?

Gegner des Projekts wiesen in der Vergangenheit immer wieder darauf hin, dass zehn Jahre und mehr verstreichen werden, bevor ein Outlet nach diversen zu erwartenden Klagen überhaupt entsteht. Sommer hält dem aber eine deutlich kürzere Zeitschiene entgegen: Die nötigen Gutachten könnten innerhalb der kommenden vier bis sechs Monate erstellt werden, nach einer zweieinhalbjährigen Planungsphase könnte der Baubeginn 2019 erfolgen und das Outlet nach anderthalbjähriger Bauzeit eröffnen. Parallel mit dem  Designer Outlet sollen Stadthalle und Hotel gebaut werden.

Tatsächlich dauerte es in der Vergangenheit immer wieder zehn und mehr Jahre von der Antragstellung bis zur Fertigstellung eines Outlets, weil durch Gerichtsverfahren Hürden aufgestellt wurden. „Wir haben jetzt aber eine Reihe von Grundsatzurteilen“, so Sommer, der selbst bei Klagen die Möglichkeit sieht, einen ambitionierten Zeitrahmen einzuhalten.
Wie mehrfach berichtet ist auch ein Investor für ein Hotel und eine Stadthalle mit im Boot, die Stadthalle könnte im Rahmen eines Public-Private-Partnership von der Stadt betrieben werden.

Nachfrage bei anderen Städten

Sommer riet den Altdorfer Stadträten, sich mit anderen Kommunen in Verbindung zu setzen, die Outlets angesiedelt haben. Beispiel Zweibrücken: Hier hat Neinver vor sieben Jahren ein bestehendes Center gekauft und weiter entwickelt. Heute ist das Neinver Outlet in Zweibrücken mit rund 22.000 Quadratmetern Verkaufsfläche das größte in Deutschland. Altdorf würde mit rund 14.000 Quadratmetern deutlich kleiner. Neinver zahlt an seinem Standort im Saarland laut Sommer eine hohe sechsstellige Summe an Gewerbesteuer in die dortige Stadtkasse. Hinzu kommen weitere Gewerbesteuern von den über hundert Mietern innerhalb des Centers, in dem 1140 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Weil eine endgültige Entscheidung in Sachen Outlet-Center für Altdorf erst am 28. Juli gefällt werden soll, verzichteten die Stadträte im Anschluss an Sommers Präsentation auf Stellungnahmen und beschränkten sich auf Fragen: Verkehr, Abwasser, Lärmschutz, Gewerbesteuer, Zeitrahmen? Sommer verwies auf Gutachten zum Verkehr, die nun erstellt werden müssten, auf die Riegelbebauung, die den Schutz vor Lärm gewährleisten soll, auf einen städtebaulichen Vertrag, in dem die Übernahme der Kosten für Abwassermaßnahmen festgelegt wird.

1400 Parkplätze

1400 Stellplätze werden für das Outlet in Altdorf gebraucht, im ersten Jahr rechnet Sommer in Altdorf mit rund 1,5 Millionen Besucher, die Zahl soll sich in den Folgejahren bis auf drei Millionen steigern. Nach derzeitigem Erfahrungsstand besuchen etwa zehn Prozent der Outlet-Kunden auch die Stadt, bei der das Center liegt.

Ob die Stadt Altdorf auf dem Gebiet an der Nürnberger Straße ein Designer Outlet mit Hotel und Stadthalle ansiedelt, wird nun in vier Wochen entschieden. Zwei Tage vorher wird sich der Altdorfer Bauausschuss allerdings vor Ort umsehen. „Es ist immer etwas anderes, ob man so etwas auf dem Plan oder in der Realität sieht“, so Bürgermeister Erich Odörfer.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten