Création Gross will 20 Mitarbeiter entlassen

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HERSBRUCK (kb) — Die Hiobsbotschaften gehen weiter. Nun plant auch der Hersbrucker Herrenausstatter Carl Gross eine ,Produktionsanpassung“, wie es die Geschäftsleitung nennt. 20 Mitarbeiter sollen in diesem Jahr gehen.

,Der konjunkturelle Abschwung macht auch vor der Bekleidungsindustrie nicht Halt“, sagt Firmenchef Peter Gross. Dabei erzielte das Unternehmen im vergangenen Jahr einen Gesamtumsatz von rund 47,5 Millionen Euro und damit ein Plus von zwölf Prozent. ,Das resultiert aus dem ersten Halbjahr 2008″, erklärt Gross. Da erwirtschaftete der Herrenausstatter ein sattes Umsatzplus von 24 Prozent. In der zweiten Jahreshälfte aber sei der Absatz eingebrochen.

,Die Auftragslage ist deutlich abgeflacht“, betont der Geschäftsführer. Zwar habe das Unternehmen in den vergangenen Monaten das Hersbrucker Werk im Vergleich zu den ausländischen Produktionsbetrieben bevorzugt mit Aufträgen versorgt – in der Hoffnung auf eine Besserung der Lage. Die aber sei nicht eingetreten, so Gross, eine Reduzierung der Personalstärke somit unumgänglich.

Der Betriebsrat nahm die Nachricht eher nüchtern auf. ,Begeistert ist natürlich niemand“, sagt der Vorsitzende Raimund Schertl. ,Wir haben aber auch den anderen Mitarbeitern gegenüber eine Verpflichtung“, fährt er fort. Derzeit sind insgesamt knapp 180 Leute bei Création Gross in Hersbruck beschäftigt. Von den 50 Mitarbeitern, die in der Produktion tätig sind, droht nun 20 das Aus. ,Wir verhandeln im Moment mit der Geschäftsleitung über einen Sozialplan“, sagt Schertl.

,Ich gehe davon aus, dass ein Interessenausgleich und auch ein Sozialplan zustande kommt“, meint Harry Schreyer von der IG Metall. Der Gewerkschafter war gestern eigens zu einem Gespräch in das Hersbrucker Unternehmen gekommen, sprach sich allerdings deutlich für die Einführung von Kurzarbeit aus. Das würde bedeuten, dass die Arbeitszeit der Mitarbeiter gesenkt würde. Die bekämen dann zwar auch weniger Lohn, erhielten aber zusätzlich ein sogenanntes ,Kurzarbeitergeld“. Laut Schreyer eine Möglichkeit, die 20 Arbeitsplätze vorerst zu erhalten.

Bereits 2002 hat der Herrenbekleidungshersteller 75 Näherinnen entlassen. ,Damals war es ganz klar eine Verlagerung ins Ausland“, erklärt Gross. Aktuell produziert das Unternehmen in der Türkei, Rumänien, Bulgarien, Bosnien und China. Die aktuelle Krise aber sei von anderem Ausmaß. ,Wir sprechen heute von einem globalen Konjunkturabschwung, der auf einen Schlag alle Märkte betrifft“, so der Firmenchef, der nicht an eine schnelle Lösung des Problems glaubt.

Hatte ein Unternehmen vor Jahren noch Planungssicherheit und konnte in Krisenzeiten halbwegs beruhigt für das eigene Lager produzieren, so sei dies heutzutage nicht mehr möglich. ,Wir können vielleicht die nächsten vier Wochen voraussehen, eine Zukunftsprognose für die nächsten ein oder zwei Jahre kann keiner mehr aufstellen“, erklärt Gross sachlich.

Am Standort Hersbruck will er aber nach wie vor festhalten. ,Hier haben wir von der Verwaltung bis zur Logistik alle Kernbereiche, das wird auch so bleiben“, betont Gross. Von politischer Seite hätte sich der Unternehmer mehr Offenheit und auch Unterstützung erwartet. ,Es wird von Hilfen für Banken und die Automobilindustrie gesprochen, aber der Mittelstand bleibt sich selbst überlassen“, sagt Peter Gross.

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