Wer wird Seniorenbeauftragter in Winkelhaid?

Zoff um Parteibuch und Geschlecht

2016 erhielt Günter Stiegler (rechts) von Winkelhaids Bürgermeister Michael Schmidt eine Urkunde zur Annerkennung seiner Verdienste um die kommunale Selbstverwaltung. Wenn es nach der CSU-Fraktion geht, soll Stiegler neuer Seniorenbeauftragter der Gemeinde werden. | Foto: Archiv/Julia Hornung2021/02/Winkelhaid-Schmidt-und-Stiegler-2016.jpg

WINKELHAID – Einig ist sich der Gemeinderat darüber, dass Winkelhaid wieder einen Seniorenbeauftragten braucht. Umstritten ist jedoch, wer die vakante Position künftig besetzen soll. Der Vorschlag der CSU-Fraktion wurde vorerst abgelehnt, die Entscheidung soll nun in vier Wochen fallen.

Ist die Parteizugehörigkeit und das Geschlecht ausschlaggebend bei der Besetzung des Postens eines Seniorenbeauftragten? Darüber ist am Dienstagabend eine Diskussion in der Winkelhaider Gemeinderatssitzung entbrannt. Die CSU-Fraktion hatte einen Antrag eingereicht, die Position des Seniorenbeauftragten in der Gemeinde neu zu besetzen und sogleich einen personellen Vorschlag unterbreitet. „Unserer Meinung nach sollte ein kommunaler Seniorenbeauftragter die Schnittstelle zwischen der älteren Bürgerschaft, der Verwaltung sowie dem Gemeinderat sein und als Sprachrohr für die Senioren in der Gemeinde fungieren“, begründete Traudl Dennerlein den Antrag ihrer Fraktion und ergänzte: „Wir schlagen vor, den ehemaligen zweiten Bürgermeister und das langjährige Gemeinderatsmitglied Günter Stiegler zu berufen.

In den Augen der Christsozialen erfülle Stiegler alle Voraussetzungen, die zur erfolgreichen Ausübung des Amtes des Seniorenbeauftragten nötig sind: Aufgrund seines jahrzehntelangen Engagements im Gemeinderat, beim TSV Winkelhaid und im Kirchenvorstand der evangelischen Kirchengemeinde erfreue er sich großer Beliebtheit. Darüber hinaus verfüge er über viel Erfahrung und Kompetenz, seine hohe Einsatzbereitschaft mache ihn zur idealen Besetzung des Postens. Auch, „weil er die Leute kennt, aus der Mitte der Bevölkerungsgruppe kommt und mittlerweile selbst in den Kreis der Senioren aufgerückt ist“, führte Dennerlein weiter aus.

24 Jahre Mitglied im Gemeinderat

Seit 1. Mai 1996 gehörte Günter Stiegler dem Gemeinderat an, engagierte sich im Finanzausschuss, Bauausschuss, im Sport- und Kulturausschuss sowie im Rechnungsprüfungsausschuss, deren Vorsitzender er auch war. Darüber hinaus war er Verbandsrat im Wasserzweckverband, beim Mittelschulverband Altdorf und bei der Volkshochschule Schwarzachtal. Von 2002 bis 2014 war er Fraktionsvorsitzender der CSU-Fraktion, von Mai 2008 bis 30. April 2020 war er Zweiter Bürgermeister der Gemeinde Winkelhaid.

Bislang wurde das Amt vom Ersten Bürgermeister Michael Schmidt nebenbei bekleidet, gegen eine Ablösung hätte er nichts einzuwenden. „Die Arbeit des Seniorenbeauftragten ist nicht zu unterschätzen, ich würde es begrüßen und mich dadurch nicht zurückgesetzt fühlen – im Gegenteil: Ich wäre sehr dankbar“, erklärte Schmidt. Seine Bereitschaft habe Günther Stiegler der CSU jedenfalls schon signalisiert, sollte der Gemeinderat zu dem Entschluss kommen, dass er der Richtige für diesen Posten sei.

Streit um Parteizugehörigkeit

Genau hier klinkte sich Ulrich Kretschmer (FWG) ein und widersprach. „Auch wir befürworten es, einen Seniorenbeauftragten zu installieren“, begann er seine Rede, um sogleich Kritik zu äußern: „Aber der Antrag der CSU ist in zwei Teile aufgesplittet: Zum einen die Position an sich, zum anderen die Besetzung der Position. Wir sollten nicht so schnell über die Person entscheiden. Ein wichtiges Kriterium für mich ist dabei, dass der Seniorenbeauftragte parteiungebunden ist. Bei Herrn Stiegler wissen wir aber alle, dass er seit Jahrzehnten bei der CSU ist. Mir gefällt es nicht, dass hier ein bereits vorgefertigter Antrag von der CSU eingebracht wird.

Ist Kretschmers Sorge, der zukünftige Seniorenbeauftragte könnte parteipolitische Arbeit übernehmen, gerechtfertigt? Nein, sagt Bürgermeister Michael Schmidt. „Das Wort Partei möchte ich in dieser Diskussion eigentlich überhaupt nicht hören. Die Parteizugehörigkeit hinsichtlich dieser Position ist mir restlos wurst. Auch die Frage, ob es eine Frau oder ein Mann ausüben soll, ist mir total egal. Aber Leute kategorisch auszuschließen, nur weil sie sich vorher im Gemeinderat engagiert haben, kann ich nicht nachvollziehen“, stellte Schmidt unmissverständlich klar.

Neben der Diskussion um die Parteizugehörigkeit entwickelte sich schließlich auch noch eine Debatte um das Geschlecht des Kandidaten. Klaus Blendinger (UWA) regte an, für den vakanten Posten eine Frau zu installieren, ein Vorschlag, den auch Heidi Mauer (Grüne) grundsätzlich befürwortet: „Vielleicht wäre eine Frau als Ansprechpartner in dieser Position ganz gut.

„Wir zerreden das Amt“

Etwas irritiert zeigte sich schließlich Michael Schmidt, dem die Diskussion am eigentlichen Kern der Thematik vorbeiging: „Ich hätte nicht gedacht, dass wir hier eine Geschlechter-Diskussion führen und ich kann es ehrlich gesagt auch nicht nachvollziehen. Dadurch, dass jetzt krampfhaft versucht wird, eine Frau zu finden, zerreden wir dieses Amt. Dafür ist es mir aber zu wichtig.“ Auf Angregung Jürgen Schapers (Grüne) hin ließ Winkelhaids Bürgermeister das Gremium über die Einführung eines Seniorenbeauftragten abstimmen. Einstimmig sprach sich der Gemeinderat für eine Einführung aus. Die Fraktionen sollen nun binnen zwei Wochen Vorschläge zu weiteren, möglichen Kandidaten einbringen, über die in vier Wochen entschieden werden soll.

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