LAUF – Im Rahmen der Reihe „VerständigungsOrte“ hatten die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Lauf und der CVJM ins Gasthaus „Zur Linde“ nach Heuchling eingeladen. Thema war: „Sicherheit im öffentlichen Raum – gefühlte Unsicherheit oder reale Gefahr“. Vertreterinnen und Vertreter aus Polizei, Jugendgerichtsbarkeit sowie der jüdischen und muslimischen Gemeinschaft brachten ihre Erfahrungen und Sichtweisen ein.
Moderiert wurde der Abend von David Geitner. An einem Wirtshaustisch saßen die vier Podiumsgäste und der Moderator. Auf zwei weiteren Stühlen konnten im Wechsel Gäste aus dem Publikum Platz nehmen und sich an den Gesprächen beteiligen. Podiumsgäste waren Polizeioberrat Jochen Prinzkosky, Dienststellenleiter der Laufer Polizeiinspektion, Waldemar Müller, ehemaliger Jugendrichter, Nils Ederberg, Militärrabbiner bei der Bundeswehr, sowie Özlem Ödemis, Vorsitzende der DITIB-Gemeinde Lauf.
Wo fühlen sich Menschen im öffentlichen Raum unwohl? Christian Kempf vom CVJM und Annemarie Wiehler aus der Kirchengemeinde eröffneten den Abend mit anonymen Antworten der Gäste. Genannt wurden unter anderem die Bahnhofsunterführung in Lauf, wenn dort nachts Gruppen junger Männer raumgreifend auftreten, die Pegnitzwiese sowie die Nürnberger U-Bahn. Moderator David Geitner verglich Fakten mit Gefühlen. Die Kriminalstatistik weist für 2025 deutschlandweit rund 5,5 Millionen Straftaten aus, 5,6 Prozent weniger als 2024. Auf der anderen Seite fühlten sich 27 Prozent der Bevölkerung, insbesondere Frauen, nachts auf Bahnhöfen nicht sicher.
Prinzkosky nannte seinen Laufer Dienstbereich „sicher, um nicht zu sagen sehr sicher“ und belegte dies mit der Häufigkeitszahl, also der Anzahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner. Sie lag 2025 in Lauf bei rund 2600, in Mittelfranken bei etwa 4200, in Bayern bei 4094 sowie in Berlin und Bremen bei über 13.000. Täter und Opfer kämen nach seiner Aussage aus allen Bevölkerungsgruppen. Etwa 55 bis 60 Prozent der Taten geschehen im öffentlichen Raum.
Allerdings hätten Delikte mit Messern sowie Verletzungen von Polizisten – in Bayern 2025 in über 3000 Fällen – zugenommen. Für Prinzkosky sei das auch eine Frage von Respekt und Erziehung, was eine wichtige Aufgabe der Eltern, Schulen und Vereine sei.
Prävention hilft
Jugendrichter a. D. Waldemar Müller hält zwar Unsicherheit im Einzelfall für berechtigt, aber nicht das Gefühl, alles werde immer schlimmer. Nach seiner Erfahrung seien junge Männer die Hauptgruppe der Täter. Was jungen Menschen helfe, seien Prävention, erzieherische Ansprache und Lebensperspektive.
Beide, Prinzkosky und Müller, waren sich einig, dass die sozialen Medien und der „Klick-Journalismus“ einen wesentlichen Anteil an der gefühlten Unsicherheit hätten, weil dort negative anstelle positiver Ereignisse schnell ungefiltert vielen Menschen zugänglich seien.
Militärrabbiner Nils Ederberg beschrieb den jüdischen Alltag in Deutschland. Er berichtete, dass Kinder unter Polizeischutz in Kita und Schule gingen, er eine Schublade für Drohbriefe habe und seine Adresse auf einer Neonazi-Zielliste war. Seit dem 7. Oktober 2023, dem Tag, an dem die Hamas den Terrorangriff auf Israel verübte, habe sich der Antisemitismus verschärft. Er sehe Islamisten als größte physische Gefahr.
Özlem Ödemis, die christlich miterzogen wurde, berichtete, wie sich ihr Alltag verändert habe, seit sie Kopftuch trägt. Sie erlebe abschätzige Blicke. Auch beschimpft sei sie schon worden. Ihr Anliegen sei es, auf Anfeindungen freundlich zu reagieren, Vorurteile abzubauen.
Ein Gast aus dem Publikum thematisierte den Anstieg der politisch motivierten Straftaten. 2024 gab es einen Sprung von rund 40 Prozent. An dieser Entwicklung seien das extrem rechte und linke politische Spektrum beteiligt.
Im Laufer Dienstbereich habe es, so Prinzkosky, keine auffälligen Fallzahlen und keine Steigerung gegeben. Er und Müller äußerten die Sorge vor Landesregierungen, die den politischen Rändern angehörten. Diese könnten auf die Arbeit der Polizei und der Gerichte Einfluss nehmen.
