Die schlechte Haushaltslage führt zu einer Absage.

Röthenbach spart den Martinimarkt ein

2018 fand der Martinimarkt vor dem Rathaus statt, weil auf dem Hubert-Munkert-Platz kräftig gebaut wurde. | Foto: PZ-Archiv/Brinek2019/10/martinimarkt-rothenbach-brinek.jpg

Röthenbach – Die Stadt Röthenbach sagt den für Sonntag, 10. November, geplanten Martinimarkt ab. Grund dafür ist nach Angaben der Kommunalverwaltung die schlechte Haushaltslage. Die Absage betrifft auch den Laternenumzug der Kinder, der stets den Abschluss des Markts bildete.
„Wir sind gezwungen, alles auf den Prüfstand zu stellen“, sagt Marion Stiegler, die Leiterin des Röthenbacher Kulturamts, auch wenn ihr vor allem die Absage des Laternenumzugs „in der Seele weh“ tue.

Die Kommunalaufsicht hatte der Stadt Ende Juni strenge Sparauflagen gemacht (die PZ berichtete). Ansonsten hätte sie den für die Sanierung der Seespitzschule notwendigen Kredit nicht genehmigt. Unter anderem sollte Röthenbach die Grundsteuer anheben, was am Donnerstag vom Stadtrat auch beschlossen wurde. Daneben verständigten sich die Parteien im Frühjahr auf Konsolidierungsverhandlungen. Das Aus für den Martinimarkt ist ein Ergebnis dieses Prozesses, auch wenn es nur 3000 Euro bringt. So viel war für die Veranstaltung im Haushalt vorgesehen.

Steuereinnahmen dürften niedrig bleiben

Röthenbach muss jährlich 700 000 Euro Zinsen und Tilgung bezahlen, die städtischen Kredite belaufen sich auf rund 10,1 Millionen Euro. Das ist fast eine Verdopplung gegenüber 2015. Gleichzeitig brachen zuletzt die Steuereinnahmen ein – und die Kämmerei erwartet, dass sie in naher Zukunft niedrig bleiben. Folglich stehen weitere Veranstaltungen zumindest zur Debatte, vom Jugendsportlerempfang bis zum italienischen Abend. Die Zuschüsse an die Vereine sollen ebenfalls überprüft werden, so will es die Kommunalaufsicht.

Kein verkaufsoffener Sonntag

Mit dem Martinimarkt entfällt auch der verkaufsoffene Sonntag. Die Kulturamtschefin verweist auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, das enge rechtliche Grenzen gezogen hat. Läden dürfen demnach sonntags nur öffnen, wenn gleichzeitig und in räumlicher Nähe Feste oder Märkte stattfinden, die selbst Publikumsmagnete sind, ja sogar mehr Besucher anziehen als die geöffneten Läden.

Das Internetportal Bayern Reporter, das zuerst über das Aus für den Martinimarkt berichtet hatte, zitiert Bürgermeister Klaus Hacker: Viele Unternehmen hätten „prima mitgemacht“, aber die meisten Aktionen seien zuletzt von der Stadt gekommen.

Vom Sparzwang nicht betroffen ist der Röthenbacher Weihnachtsmarkt. Dieser findet ab dem 29. November statt, geöffnet ist donnerstags bis sonntags.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel