„Die Leute wollen raus in die Natur“

Mit Angel und Flinte durch die Pandemie

Mit der Hand an der Flinte: Die Jagd- und Fischereivereine im Nürnberger Land freuen sich über Interessenten und Nachwuchs. | Foto: Christian Geist/Archiv2021/05/NL-Jagd-Waffe-Gewehr-scaled.jpg

NÜRNBERGER LAND – Das Interesse am Jagd- und Fischereisport im Nürnberger Land ist in der aktuellen Krisenzeit höher denn je.

Immer mehr Menschen suchen nach Freizeitaktivitäten in der Natur. Während die einen mit Joggen und Radeln versuchen, dem Corona-Alltag zu entfliehen, greifen andere zu Gewehr und Angelrute. Das führt zu einer enormen Nachfrage bei Jagd- und Fischereivereinen. Dieser Trend hat viele Gründe, nicht zuletzt die Einschränkungen des privaten Lebens wegen der Pandemie. Beide Hobbysportarten lassen sich nämlich ohne viele Kontakte ausüben.

Wenn neue Schüler ankommen, gibt es immer erst eine Fragerunde nach den Gründen, warum der Jagdschein gemacht wird“, erklärt Johannes Lippert von der Jagdschule Frankenland in Feucht. Dabei sehe er weniger die Pandemie als Auslöser des steigenden Interesses. Seit einigen Jahren steige das Umweltbewusstsein und der Sinn für Nachhaltigkeit, vor allem auch in der jüngeren Generation.

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    Das bestätigt auch der Jagdschutz- und Jägerverein Nürnberg Land. „Man sucht ein schönes Naturerlebnis und es ist natürlich etwas besonderes, wenn selbst erlegtes Wild auf den Tisch kommt“, sagt Lippert. Etwa 150 Teilnehmer werden jährlich von der Jagdschule Feucht ausgebildet, von denen etwa ein Drittel aus der Region kommt.

    Großer Andrang

    Ein weitaus größeres Interesse verzeichnet Hans Padberg, Biologe des Fischereiverbands Mittelfranken. Er beobachtet seit zwei Jahren einen deutlichen Trend und vor allem durch Corona seien die Mitgliederzahlen und die Anfragen stark gestiegen. „Schon vor der Pandemie hatten wir ein jährliches Wachstum von drei Prozent, aber durch Corona konnten wir im vergangenen Jahr einen extra Boom bis hin zu sechs Prozent Wachstum verzeichnen“, erzählt er.

    Viele Vereine seien schon an der Kapazitätsgrenze und könnten keine neuen Mitglieder annehmen. Die Freude über das stetig wachsende Interesse sei groß, bringe aber auch einige Probleme mit sich. „Wir können zurzeit wegen der Hygieneregeln weder praktisch ausbilden noch Prüfungen anbieten und die Theorie oder Online-Kurse alleine reichen nicht aus.“ Jeden Tag erhalte der Fischereiverband etwa zehn Anrufe von Prüfungsinteressierten und es gebe eine Warteschlange von 500 bis 1000 Personen für die Fischerprüfung. „Die Leute wollen raus in die Natur und das ist in der Fischerei eindeutig gegeben!

    Bleibt das Interesse bestehen?

    Bereits ausgelernte Angler freuen sich über ein häufigeres Ausüben ihrer Passion. „Ich denke, dass jede Person, die ein Hobby hat, diese in der aktuellen Zeit intensiver betreibt“, sagt Christian Wägner, Vorstand des Fischereivereins Altdorf. Außerdem verzeichnet er einen geringen Anstieg an verkauften Tageskarten für die hiesigen Gewässer. Ob das Interesse an den Sportarten nach der Pandemie abflacht, bleibt abzuwarten. Eine Tendenz hin zu Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit ist aber von allen Seiten zu beobachten. Sicher bleibt außerdem, dass ein bereits erlangter Jagd- und Fischereischein bundesweit und ein Leben lang erhalten bleibt. Vor allem für Vereine, die teilweise um ihre Existenz kämpfen müssen, ist dieser Aufschwung ein Segen.

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