„Dating mit Körpereinsatz“

LBV rückt Heuschrecken in den Fokus

Der Gemeine Grashüpfer gehört zu den häufigsten Heuschreckenarten in Bayern.
Der Gemeine Grashüpfer gehört zu den häufigsten Heuschreckenarten in Bayern. | Foto: Monika Graf/LBV2026/08/q76-f486x281-1024x650-1.webp

NÜRNBERGER LAND – Es zirpt, schnarrt, klopft und raschelt: Wer an warmen Sommertagen über Wiesen, Brachen oder an Wegrändern entlanggeht, kann jetzt eine erstaunliche Vielfalt an Heuschrecken entdecken. Besonders an sonnigen, trockenen Tagen sind die kleinen Musiker aktiv. Doch viele Arten sind bedroht, weil ihre Lebensräume wie Magerrasen, Feuchtwiesen oder ungemähte Randstreifen verschwinden, warnt der Landesbund für Vogelschutz in einer Pressemitteilung.

„Es lohnt sich, dem Zirpen zu folgen und einmal genauer hinzusehen. Mit etwas Geduld lassen sich beeindruckende Sprünge, ungewöhnliche Farben und ganz unterschiedliche Gesänge erleben“, sagt Leonie Gloß, Heuschreckenexpertin beim LBV. Dabei gilt: langsam nähern – denn Schrecken sind schreckhaft. Werden sie durch schnelle Schritte gestört, verstummen sie, lassen sich fallen oder fliegen sogar ein Stück weit davon.

Der Lockruf der Männchen

Grillenzirpen ist oft der Gesang männlicher Heuschrecken. Viele Arten haben ihren eigenen Rhythmus und Klang und lassen sich so unterscheiden. Sie reiben ihre Hinterbeine an den Flügelkanten oder seitlich am Körper oder auch beide Flügel aneinander und erzeugen so ganz spezielle Laute. „Die Tiere nutzen ihren Körper als Resonanzraum, um weit hörbar zu sein und so eine Partnerin anzulocken. Das ist Dating mit Körpereinsatz“, erklärt Gloß. Aber es gibt auch andere Musizier-Methoden: Die Eichenschrecke etwa trommelt mit ihren Füßen auf Blätter oder Äste, während andere Arten mit den Mundwerkzeugen knistern.

Bis tief in die Nacht

Das Grüne Heupferd gehört laut LBV mit etwa vier Zentimetern Körperlänge zu den imposantesten Heuschreckenarten in Bayern und ist häufig auch in Städten und Siedlungen anzutreffen. Das gilt auch für Arten wie die Roesels Beißschrecke und die Gewöhnliche Strauchschrecke. „Bei Insektenbesuch in der Wohnung fängt man verirrte Heuschrecken am besten mit einem Glas und setzt sie vorsichtig nach draußen“, rät die Heuschreckenexpertin. Manche Arten sind tagaktiv und nur bei Sonne zu hören. Andere, wie Feldgrille oder Weinhähnchen, hört man bis tief in die Nacht. Der Gemeine Grashüpfer gehört zu den häufigsten Heuschreckenarten in Bayern. Auf artenreichen Wiesen ist er nahezu überall anzutreffen. Sein leises Schnarren begleitet warme Sommertage von Juni bis September.

Die besten Chancen, Heuschrecken zu entdecken, hat man je nach Art in hochgrasigen Wiesen, an natürlichen Wegrändern, auf Brachflächen, aber auch in naturnahen Gärten. Gloß hofft auf viele Menschen, die ihren Garten zum zirpenden Paradies machen: „Heuschrecken haben je nach Art ganz unterschiedliche Ansprüche. Im Garten hilft deshalb vor allem Vielfalt: kurze und länger stehende Grasbereiche, ungemähte Inseln und Pflanzenstängel, die über den Winter erhalten bleiben. Entscheidend ist außerdem, vollständig auf Pestizide zu verzichten“, sagt die Expertin. 

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