HERSBRUCK – Als hier die ersten 60 Jungen und Mädchen von einer Erzieherin und ihrer Gehilfin betreut wurden, regierte noch Kaiser Wilhelm II: Die städtische Kneipp-Kindertagesstätte Altstadtzwerge hat mit viel Musik und zahlreichen Ehrengästen, Eltern, Großeltern und ehemaligen Erzieherinnen ihren 130. Geburtstag gefeiert.
Als die derzeit 37 „Altstadtzwerge“ – davon 12 Krippenkinder – mit den Erzieherinnen zu ihrer Vorführung in den Garten kamen, fielen den Besuchern sofort zwei Jungs mit Zylindern ins Auge – ihre Verneigung vor den „Gründerväter“ des mit Abstand ältesten Kindergartens der Stadt. 1896 stifteten die Hopfenhändler Jakob und Christoph Schmidt ihr Haus in der Kirchgasse, um dort Jungen und Mädchen betreuen zu lassen, während die Eltern ihrer Arbeit nachgingen. Vor allem wohl in der Landwirtschaft, wie die damaligen Öffnungszeiten nahelegen – im Winter von 7 bis 16 Uhr, den Sommer über von 6 bis 20 Uhr.
Auch zweiter Bürgermeister Peter Uschalt blickte in seinem Grußwort zurück auf die Anfänge der damals noch unter dem „heute undenkbaren Begriff Kinderbewahranstalt“ gegründeten Einrichtung. Zwei „Kinderschultanten“ – eine Erzieherin und ihre Gehilfin – betreuten seinerzeit 60 Kinder. Lange Zeit blieb der Kindergarten in der Kirchgasse der einzige in Hersbruck, erst 1934 folgte der zweite in Altensittenbach.
Kneipp-Verein Schnaittach sprang ein
Heute gibt es fünf städtische Einrichtungen der frühkindlichen Betreuung und sechs von gemeinnützigen Trägern. „Wir haben dafür heuer sieben Millionen Euro im Haushalt eingeplant“, sagte Peter Uschalt, „und jeder Cent davon ist bestens investiert, schließlich sind Kinder unser höchstes Gut“. Die „Altstadtzwerge“ seien auch als Kneipp-Kindergarten etwas Besonderes, so der zweite Bürgermeister. Er dankte dem Kneipp-Verein Schnaittach dafür, nach dem Aus der Hersbrucker Kollegen sofort eingesprungen zu sein.
Dessen zweite Vorsitzende Brigitte Zierof und Beisitzerin Angelika Kraus sagten, die Schnaittacher seien „stolz“ auf diese Aufgabe und hätten sie sehr gerne übernommen. Als Geschenk hatten sie eine ganz in der Tradition des Priesters und Naturheilkundlers Sebastian Kneipp stehende, mit Kräutern bepflanzte Armbadewanne dabei. Die stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende Julia Adam freute sich ebenfalls über den besonderen Geburtstag der Kita und hoffte, dass die aktuellen „Altstadtzwerge“ die lange Tradition der Einrichtung weitertragen. Die Spenden der Festgäste für Speisen, Kuchen und Getränke sollen für einen Barfußpfad verwendet werden, sagte sie.
Blick auf wichtige Daten
Anschließend übernahmen die Kinder ihre Party: Mit leicht umgetexteten Liedern und kleinen Schauspiel-Einlagen stellten sie und ihre Erzieherinnen wichtige „Meilensteine“ aus der Geschichte ihrer Kita vor – vom Umbau des ersten Gebäudes anno 1896 („Wer will fleißige Handwerker sehen?“) über den zweistufigen Anbau 1980 und 1984 sowie den damals von den Nachbarn der Schunk-Mühle gespendeten Garten („Die Gedanken sind frei“) bis zur großen 100-Jahr-Feier („Schon die Oma hat gesagt“).
Ab 1999 gab es regelmäßige Kneipp-Anwendungen in der Kita, was 2015 in die offizielle Zertifizierung als „Kneipp-Kindergarten“ münden sollte. Seitdem muss das gesamte Team um Leiterin Daniela Schindler alle zwei Jahre zur Fortbildung und zusätzlich mindestens jede zweite Erzieherin die viertägige Grundausbildung bestanden haben. Die Kinder dankten ihnen für diesen Einsatz mit dem Musikstück „Eine kleine Geschichte von Sebastian Kneipp“.
Das Lied „Schön, dass du da bist“ verwies schließlich auf zwei weitere wichtige Daten: 2007 startete bei den „Altstadtzwergen“ eine der ersten Krippengruppen in Hersbruck, und 2025 wurde der Garten umgestaltet und die dortigen Spielgeräte erneuert beziehungsweise ergänzt. Nach ihren Vorführungen durften die Jungen und Mädchen an verschiedenen Stationen Aufgaben aus der bunten Kneipp-Welt lösen und sich damit eine schöne Überraschung verdienen.
