RUMMELSBERG – Sie war Mitglied in der Deutschen Behindertenskinationalmannschaft, wurde im Monoskifahren Weltmeisterin und Paralympicsgewinnerin und kann auf zahlreiche Medaillen im Wintersport zurückblicken: Gerda Pamler.
Die 68-Jährige ist seit 40 Jahren in Folge eines Skiunfalls auf den Rollstuhl angewiesen. Aber gleichzeitig ein sehr gutes Beispiel, was trotz Querschnittlähmung möglich ist – und vor allem welchen Sportarten man trotz Querschnitt nachgehen kann. Unter Gleichgesinnten, die sich in einer ähnlichen Lebenssituation befinden, hielt Palmer im Querschnittzentrum am Krankenhaus Rummelsberg auf Einladung von Stationsleitung Melanie Sowa einen Vortrag. Das Thema: Sportmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung.
Mehrere Sportarten ausprobiert
Monoski, Bi-Ski, Langlauf, Wasserski, Paddeln, Segeln, Handbike, Wandern oder Kitesurfen – Gerda Pamler hat all diese Sportarten ausprobiert und großen Spaß daran. Grundsätzlich nichts Ungewöhnliches, wenn man jedoch seit 40 Jahren querschnittgelähmt ist, sind diese Sportarten und der Zugang oftmals eine echte Herausforderung.
Ihr Credo dabei: „Wenn keine Action geboten ist, ist es für mich schnell langweilig“. 3000 Kilometer pro Jahr legt sie mit dem Handbike zurück, heuer soll es unter anderem der Donau-Radweg von Passau nach Wien sein. Mit vielfältigen Bildern und kurzweiligen Videos machte Palmer Patienten aus dem Querschnittzentrum Rummelsberg Mut und zeigte Möglichkeiten und Anlaufstellen auf – und wie man so mancher Herausforderung Herr wird.
„Es ist wichtig, dass man hartnäckig bleibt und sich nicht abweisen lässt“, sagt Palmer und berichtet von einer Kanutour in Island, wo ihre Teilnahme vor Ort anfangs abgelehnt wurde. „Mit dem Guide bin ich dann doch zusammen in einem Kanu gesessen und wir waren immer weit voraus, da ich deutlich mehr Kraft im Oberkörper hatte als die anderen Touristen“, erinnert sich Pamler. Die Oberpfälzerin lässt sich nicht unterkriegen – und das seit 40 Jahren. „Ich kämpfe und möchte zeigen, was alles möglich ist“, entgegnet sie den Anwesenden in Rummelsberg und zeigt sofort praktische Tipps, wie das Liftfahren, das Skifahren mit Begleiter hinten drauf oder Langlauf mit einem Schlitten gelingen kann. Regelmäßig würden Camps für Querschnittgelähmte angeboten werden – beispielsweise auch bei der Wakeboard-Anlage am kleinen Brombachsee. Anlaufstellen wie der Deutsche Rollstuhl-Sportverband, der Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Bayern oder Mobilitätstrainings wie Rollstuhlmobilität wohnortnah (RoMoWo) würden jedem Betroffenen weiterhelfen.
Das Ankippen der Vorderräder des Rollstuhls sei neben dem selbstständigen Transfer das A und O, um mobil zu werden. Bei einem frischen Querschnitt sei dies mit das Wichtigste, was man zu Hause erst einmal lernen müsse, so Pamler. Ihre klare Botschaft lautete: „Jeder muss rausgehen und was machen! Es geht auf jeden Fall weiter, aber man muss auch lernen, zu fragen oder jemanden um Hilfe zu bitten.“
Nein sagen ist erlaubt
Gleichzeitig dürfe man aber auch mal Nein sagen: „Oft fragen mich Leute, ob sie mir helfen können. Da darf man dann auch dankend ablehnen, weil bis ich erkläre, wie der Rollstuhl im Auto stehen muss, damit ich ihn später wieder allein herausbekomme, mache ich es lieber selber.“
Geschichten hat die reiselustige Seniorin viele erlebt, etwa bei einer Übernachtung im Dschungel von Peru habe sie erlebt, dass man auf die Anforderungen von Querschnittpatienten nicht vorbereitet sei, aber schnell Lösungen gefunden werden. „Eine gebuchte Übernachtung im Dschungel war zwar barrierefrei – allerdings war auf dem Weg dorthin mit dem Schiff die Tür der Toilette nicht breit genug. Kurzerhand wurde die Holztüre mit der Säge so passend gemacht, dass ich reingekommen bin.“ Ein Beispiel, das anderen Mut Mut machen soll.
