Herzblut, Leidenschaft und Selbstvertrauen

Der Anwalt des Patienten geht

Info-Veranstaltungen, Vorträge, Hausführungen und PR-Veranstaltungen gehören zum Geschäft. Hier eine Telefonaktion mit Kollegin Dr. Susanne Rudisch vom Laufer Krankenhaus zum Thema Darmkrebsvorsorge. | Foto: Archiv/Gisa Spandler2021/02/NEU-Altdorf-muschweck-und-rudisch.jpg

ALTDORF – Der langjährige Chefarzt des Altdorfer Krankenhauses, Dr. Herbert Muschweck, zieht sich zum Ende des Monats von seinem Posten zurück und übergibt an Dr. Adrian Vizireanu. Beratend bleibt er dem Haus aber noch erhalten.

Kaum ist sein Abschied als Chefarzt des Krankenhauses Thema, schon beeilt sich Dr. Herbert Muschweck zu erwähnen, dass er dem Haus auch weiterhin noch in geringem Umfang beratend zur Verfügung stehen wird. Und bestätigt so, was viele wissen: Seine Expertise ist untrennbar mit dem Namen des Hauses verbunden. Und wahrscheinlich haben sie recht, wenn sie sagen, ohne ihn gäbe es die Klinik nicht mehr.

Denn der Internist, der seit fast 30 Jahren die Geschicke der Einrichtung leitet, ist nicht nur ein Arzt zum Anfassen, sondern er hat auch das richtige Gespür für Alleinstellungsmerkmale eines Krankenhauses, die den Fortbestand garantieren. Darin hat er sich in seiner Position von Anfang an ausgezeichnet: Das kleine Haus mit deutlich weniger als 100 Betten steht, seit er das Sagen hat, nicht nur für die Grundversorgung der Bevölkerung im südlichen Landkreis, sondern auch für die Spezialisierung in einigen Sektoren, die auch von den ganz Großen respektiert wird: Die Innere Medizin mit Gastroenterologie, Diabetologie, qualifiziertem Alkoholentzug und multi-modaler Schmerztherapie sind Pfunde, mit denen man in Altdorf wuchern kann, das wissen auch der Träger, das Klinikum Nürnberg, die Politik und natürlich die Patientenklientel.

„Ein sterbendes Haus“

Als er vor knapp 30 Jahren die Leitung in Altdorf übernahm, war das anders. „Ein sterbendes Haus“ nannte er die kleine Klinik, eine von damals noch vieren im Landkreis. Er hatte Visionen und ein Netzwerk, als er sich als Leitender Oberarzt in Nürnberg auf die Stelle bewarb, und wusste, er konnte sich in Altdorf verwirklichen. Herzblut, Leidenschaft und genug Selbstvertrauen – das war eine gute Ausstattung, die 1991 der neue junge Ärztliche Leiter des Hauses mitbrachte, und diese Attribute prägen ihn heute noch, daneben aber auch eine gewisse Bodenhaftung, was alle bezeugen, die ihn kennen, und Bescheidenheit. „Es hat eine Zeit vor mir gegeben und es wird eine Zeit nach mir sein“, stellt er nüchtern fest.

Und wie eine Klinik dasteht, hängt nicht allein vom Chef ab, sondern auch von der Verwaltung, der lokalen Politik und dem Team. Was seinen Nachfolger, Dr. Adrian Vizireanu, angeht, mit dem er schon seit Jahrzehnten zusammenarbeitet, und die Mannschaft der Mitarbeiter, so ist er sicher, dass das Altdorfer Krankenhaus auch weiterhin Qualität wahren wird. Um die zu Beginn seiner Ägide zu sichern, waren ihm die zur Verfügung stehenden Mittel nicht genug. Auch die technische Ausstattung sollte auf dem höchsten Standard sein, fand er, und als er für das Haus, das damals noch Kreiskrankenhaus war, die Mittel in Lauf beantragte, sagten die Zuständigen „der Muschweck spinnt“, erinnert er sich. Also musste man die Gelder für Farbdoppler und Videoendoskop selbst aufbringen, und so gründete er den Förderverein, dessen Gesicht er bis heute ist. Die lokalen Entscheidungsträger sind ihm dann schnell zur Seite gesprungen, als sie erkannten, dass hier jemand am Hebel sitzt, der weiß, auf was es ankommt.

Harte Kritik in Richtung der Politik

Mit der großen Politik dagegen geht Muschweck schwer ins Gericht. Dass ein Krankenhaus immer mehr als Wirtschaftsfaktor gesehen wird, auch von Expertenseite, kann und will er nicht verstehen. „Natürlich kann man ein Krankenhaus totsparen“, weiß er, möglicherweise seien größere Häuser tatsächlich rentabler, aber – und hier schlägt seine soziale Ader durch, „als gelernter Arzt bin ich der Anwalt des Patienten“, Ärzte sollten keine Wirtschaftler sein, sondern Mediziner. „Freilich kann ich mehr Geld verdienen, wenn ich nur noch Privatpatienten behandle“, bricht er die Diskussion auf die persönliche Ebene herunter, aber das passt eben nicht zu seiner Berufsethik.

Und schon mal beim Thema angekommen, teilt er noch ein bisschen aus. Erklärt, woher die Personalknappheit sowohl in der Pflege als auch beim Ärztestamm kommt, was für ein Schwachsinn der Numerus Clausus als Kriterium für das Medizinstudium ist und wie unsinnig das vor Jahren eingeführte pauschalierte Abrechnungsverfahren bei Krankenhausaufenthalten.

„Wir sind gut aufgestellt“

Wie es weitergeht mit dem Altdorfer Krankenhaus? Er will sich nicht festlegen auf eine längerfristige Prognose. „Gut, wird es laufen, wenn sie auf uns hören, wir haben die richtigen Argumente und sind gut aufgestellt“, aber ob „sie“ das tun, daran hat er seine Zweifel. Keinen Zweifel hat er natürlich an der Qualität und der Notwendigkeit des Standorts Altdorf. Vor seine Mitarbeiter stellt er sich uneingeschränkt. „Die tragen die Philosophie mit, manche waren schon vor 30 Jahren da, als ich hierher kam“, erinnert er sich.

Eventuell wird das kleine Haus mit anderen Einrichtungen fusionieren, aber die Ausrichtung Innere Medizin ist genau richtig, ein Ausbau der Kooperation von ambulanter mit stationärer Medizin, also noch mehr Zusammenarbeit mit Arztpraxen vor Ort, sei der erfolgversprechende Weg. Ein paar private Schlaglichter lässt sich der fast 70-Jährige, der so für sein Krankenhaus brennt, dann doch noch entlocken. Er gibt zu, was alle wissen, dass er diesen Beruf gewählt hat, weil er seiner Mentalität entspricht, er auch ein gewisses Durchsetzungsvermögen hat, er mit vielen Unterstützern rechnen konnte und auch das nötige Quäntchen Glück hatte.

Sein früherer Beruf als Apotheker hat ihn zudem im Umgang mit Menschen geprägt. Probleme, seine zusätzlich Freizeit zu füllen, sieht der gebürtige Schwabacher nicht: Der passionierte Reiter und Pferdehalter hat noch immer seinen Selbstversorger-Bauernhof, wo er sich wieder verstärkt einbringen will, „wenn ich geistig und körperlich gesund bleibe“, wie er in der ihm eigenen realistischen und bescheidenen Art anmerkt.

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