Aktuell keine neuen Termine im Impfzentrum

Coronaimpfung: Zum Hausarzt oder warten

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Nürnberger Land – Ein bisschen irritiert sind Anna und Gerhard Coy aus Schwaig schon. Die 70-Jährige und ihr 69-jähriger Mann haben sich vor eineinhalb Monaten online auf impfzentren.bayern registriert, einen Impftermin haben sie seitdem nicht erhalten – dabei ist Anna Coy altersbedingt in der Priorisierungsgruppe 2.


Nach und nach wurden in den vergangenen Wochen die Bekannten des Ehepaars geimpft, das Landrats­amt informierte zwischenzeitlich, dass die Prio-Gruppe 2 fast vollständig geimpft ist und der Übergang in Gruppe 3 bereits passiert. Anna Coy aber muss warten. „Man denkt sich, was ist hier falsch gelaufen“, sagt ihr Mann. „Wir sind nicht in Panik verfallen, wir wundern uns einfach nur.“

Rund 1900 Personen aus Prio 2 noch nicht geimpft


Rund 1900 Landkreisbewohner aus der Prio-Gruppe 2 haben noch keinen Termin für die Erstimpfung erhalten, sagt Iris Bitzigeio, Sprecherin des Landratsamtes. In den nächsten Tagen wird diese Zahl nur dank der Arztpraxen sinken, denn im Röthenbacher Impfzentrum und seinen beiden Außenstellen gibt es seit 28. Mai mindestens bis Ende der Woche nur noch Zweitimpfungen.


Das sei bayernweit so angeordnet worden, „wir kriegen im Moment weniger Impfstoff“, sagt die Sprecherin. Sie versteht den Unmut der über 70-Jährigen, die immer noch warten, verweist aber darauf, dass man längst zweigleisig fahren sollte, sich also an den Hausarzt oder eine andere Arztpraxis wenden sollte.

Durch Beziehungen schneller an der Reihe?


Anna und Gerhard Coy haben das bisher nicht getan, sie gingen davon aus, dass sie aufgrund ihres Alters bald im Impfzentrum drankommen. „Wenn es eine Priorisierung gibt, dann müsste erst einmal die Priorisierungsgruppe 1 drankommen, dann die 2, dann die 3“, sagt Gerhard Coy. Er hat den Eindruck, dass das aber oft nicht der Fall war, sondern dass viele Bürger von Beziehungen profitierten. Er und seine Frau werden sich jetzt auch an den Hausarzt wenden.


Der Algorithmus funktioniert, betont das bayerische Gesundheitsministerium. „Die in Bayern eingesetzte Software BayImco richtet sich exakt nach der Coronavirus-Impfverordnung als Grundlage der Priorisierungen. Die Priorisierung erfolgt automatisiert durch das Programm BayImco“, schreibt eine Sprecherin auf Nachfrage der Pegnitz-Zeitung.


Im Röthenbacher Impfzentrum seien nach Kenntnis des Gesundheitsministeriums nur vereinzelt Termine an Impfwillige aus der Prio-Gruppe 3 vergeben worden. Dafür könne es verschiedene Gründe geben, sie könnten etwa „manuell freigeschaltet worden sein“ oder aus der Zeit stammen, als gezielt unter 65-jährige Personen eingeladen werden mussten, da der Impfstoff von Astrazeneca noch nicht für ältere Personen empfohlen wurde.


Jeder Sechste ist doppelt geimpft


Bis zum gestrigen Dienstag wurden im Nürnberger Land 99 154 Impfungen durch das Impfzentrum, die Krankenhäuser und in den Praxen durchgeführt. Davon waren 70 961 Erst- und 28 193 Zweitimpfungen. Somit sind etwa 41,5 Prozent der Bevölkerung zum ersten Mal und 16,5 Prozent zum zweiten Mal geimpft.


Im Nachbarlandkreis Erlangen-Höchstadt und in Erlangen wurden bis Sonntag 173 077 Impfungen verabreicht. Insgesamt haben dort 54 967 Personen die Zweitimpfung erhalten, das entspricht über 20 Prozent. Krankenhäuser werden unabhängig von den Impfzentren beliefert, das beeinflusst die Impfquote.

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