Interview mit BFV-Funktionärin

Kickerinnen kämpfen um Wertschätzung

Einst Gegner, in der vergangenen Saison gemeinsam Aufsteiger in die Bezirksliga: Die frühere Offenhausenerin Isabella Weidinger (weiß) und Isabel Schneider haben beim FC Reichenschwand einen guten Stand. Doch das gilt längst nicht für alle Frauenmannschaften. | Foto: Porta2021/01/DSC-3127.jpeg

PEGNITZGRUND – Vielerorts wurde 2020 „50 Jahre Frauenfußball“ gefeiert. Kornelia Bayer war angesichts dieses Jubiläums nicht nur zum Feiern zumute. Die BFV-Funktionärin spricht im Interview über den Kampf um Wertschätzung – und warum es so schnell keine Gleichberechtigung geben wird.

Wie oft haben Sie mit herablassenden Kommentaren zu kämpfen?

Kornelia Bayer: Das wird man nie ganz wegbringen, so tickt unsere Gesellschaft, aber natürlich ist es schon wesentlich besser geworden. Ich würde sagen, dass wir die zehn bis 20 Prozent, die alte Klischees an den Stammtischen verbreiten, erst los sind, wenn sich die Generationen verändern. Das passiert teilweise am Sportplatz, wenn auf einem Feld Herren sind, und nebenan Frauen, dass da mal ein komischer Kommentar kommt. Aber es kommen auch von Frauen kritische Kommentare über Frauenfußball. Vielleicht ist da auch der Neid dabei, weil sie selbst nicht spielen. Ansonsten merke ich es gerade bei der Platzbelegung, dass Männer im Verein gegenüber Frauen noch bevorzugt werden.

Gibt es mittlerweile Vereine, bei denen die Frauen gleichberechtigt sind in der Platzvergabe?

Wir haben Vereine, bei denen Frauen mehr zählen als die Herren, dann Vereine, wo beide gleich gut aufgestellt sind. Aber ich würde sagen, wir haben noch etwa 40 bis 50 Prozent, wo die Herren klar bevorzugt werden. Unabhängig davon, wer in der höheren Liga spielt.

Die Liga entscheidet

Können Sie sich Kriterien vorstellen,wie man dieses Thema fairer regeln könnte?

Wir haben im Verband Prioritätenregelungen. Wenn es mir zu viel wird, bestehe ich auch auf diese Regeln und sage: „Pass auf, Frauen haben hier Vorrecht vor den Herren.“ Da kommt es dann auf die Liga an.

Wie sieht es allgemein mit der Nachwuchsarbeit aus? Gibt es bei den Mädchen noch größere Defizite?

Das kommt sehr auf den Verein an. Wenn sich jemand persönlich für die Sache stark macht und mit vollem Herzen dabei ist, dann funktioniert das prima. Da ist der Zulauf groß und das wird im Gesamtverein auch anerkannt. Der Wandel ist in jedem Fall da. Mit Corona ist das im Moment natürlich alles nicht so einfach. Aber insgesamt sehen wir in Mittelfranken, dass es viel Potenzial gibt. Und dieses könnte für die Vereine ganz wichtig werden, wenn wir an die Mitgliedergewinnung denken.

Immer wieder lösen sich Mannschaften auf. Kommt es bei den Frauen häufiger vor als bei den Herren?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Wenn ein Team ohnehin schon wenig Frauen hatte und dann Verletzungen oder Krankheiten dazwischenkommen, dann kann es schon sein, dass die Mannschaft schneller aufgelöst wird. Da geht dann doch die Familie vor. Wenn in der Familie was ist, seien es Kinder, seien es die Eltern, wer muss das dann machen? Das macht in der Regel größtenteils die Frau.

Gemischt oder nicht?

In den Jugendmannschaften dürfen Mädchen und Jungen noch zusammen spielen. Sind Ihrer Meinung nach die Mädchen in den gemischten Mannschaften im Vorteil, oder hätten Sie lieber von Anfang an rein weibliche Teams?

Persönlich finde ich es besser, wenn beide am Anfang in gemischten Mannschaften sind, weil dort Zweikampf und vieles anderes besser geprägt wird. Mit steigendem Alter ist das differenzierter zu sehen.

Spielerinnen sind das eine, wie sieht es bei den Trainerinnen im Bezirk aus?

Das sind leider mehr Männer. Auch bei den Frauenteams. Ungefähr im Verhältnis 70 zu 30, denke ich.

Im Bezirksausschuss Mittelfranken des BFV sitzen genau zwei Frauen. Braucht der Bezirk die Quote?

Nur der Quote wegen sicher nicht. Gerade bei uns hier in Mittelfranken sind die Leute sehr offen, wenn sich nur jemand bewerben würde. Man wird als Frau voll integriert und hat genauso sein Mitspracherecht, also das funktioniert bei uns.

Gleicher Wert

Wo muss Ihrer Meinung nach noch mehr getan werden?

An der Medienpräsenz. Dann geht es ums Finanzielle, es ist ein himmelweiter Unterschied, was da im Profibereich bezahlt wird. Dann müssen wir die Frage der Sponsoren lösen. Und vor allem müssen wir in den Vereinen noch mehr kommunizieren, dass die Frauen genauso viel wert sind wie die Herren. Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, ist es aber leider oft nicht. Noch nicht.

Wie soll die Bezahlung konkret angepasst werden?

Es muss nicht unbedingt das Gleiche gezahlt werden, aber zumindest mehr, damit eine Frau auch vom Profifußball leben kann und nicht noch etwas nebenbei machen muss. Da aber, glaube ich, sind wir auf einem guten Weg, da hat sich sehr viel getan. Schauen wir nur nach England, dort boomt der Frauenfußball, weil die Profiklubs der Herren die Auflage haben, auch ein Frauenteam zu stellen.

Interview: Jana Vogel

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