Derby im Tabellenkeller

„Keine Ausreden mehr“

Im September 2019 entschied der TSV Feucht ein turbulentes Derby gegen den SV Rasch mit 4:3 für sich. In die Torschützenliste trug sich damals auch Feuchts Robert Schmidt (am Boden) ein, der nach einer Ecke zum zwischenzeitlichen 3:2 traf. | Foto: Rainer Schnelle2021/09/tsv-feucht-Robert-Schmidt-sv-rasch-scaled.jpg

Spiel der Woche: In der Kreisliga-Ost empfängt der SV Rasch den TSV 1904 Feucht.
Die beiden Trainer Florian Schmidt und Jan Völkel wissen: Es geht um mehr, als nur den Derbysieg.

Wenn es blöd läuft, spielen in der nächsten Saison nur noch die Ezelsdorfer in der Kreisliga.“ Die Sorge, die am vergangenen Sonntag auf der Karl-Schoderer-Anlage während der zweiten Hälfte der Partie des TSV Feucht gegen den FC Holzheim (0:2) von einem enttäuschten Zuschauer geäußert wurde, könnte tatsächlich Realität werden. Denn sowohl der TSV Feucht als auch der SV Rasch stehen nach bislang acht Saisonspielen am Tabellenende der Kreisliga Ost – der FC Ezelsdorf (16 Punkte) belegt mit drei Zählern Rückstand auf Spitzenreiter Meckenhausen Rang vier und dürfte nichts mehr mit dem Abstieg zu tun bekommen. Magere zwei Zähler stehen beim TSV zu Buche, immerhin vier sind es beim SV Rasch.

Beide Vereine sind mit dem klaren Ziel Klassenerhalt in die Saison gestartet. Beim SV Rasch hatte man sich bereits im Vorfeld auf eine schwierige Saison eingestellt, nicht zuletzt, weil sich während der monatelangen, Corona-bedingten Pause sieben Spieler vom Fußball verabschiedeten und sich Leistungsträger Benjamin Möhrle dem 1. FC Altdorf anschloss. Auch die Vorbereitungsspiele machten deutlich, dass es in der Saison 2021/2022 wieder nur gegen den Abstieg gehen wird. Gegen den Henger SV verlor Rasch mit 0:1, gegen den TV Leinburg 2:4 und gegen den 1. FC Altdorf gar 0:5.

Anders war hingegen die Ausgangslage bei den Zeidlern: Zum Ende der abgebrochenen Spielzeit gelangen dem Team von Trainer Jan Völkel vier Siege in Folge. Ein Schwung, den man auch über die lange Corona-Pause mitnehmen wollte. Dass man in der Kreisliga mithalten kann, hatten sie schließlich bewiesen.

Doch nun droht beiden Vereinen der Absturz in die Kreisklasse – auch wenn erst ein Drittel der Saison absolviert ist. Sieben Zähler trennen den TSV bereits vom rettenden Ufer (Platz zehn), bei einer weiteren Niederlage am Sonntag (15 Uhr) im Derby in Rasch könnten es zehn sein. „Sollten wir das Derby am Sonntag verlieren, wird es natürlich massiv schwierig für uns“, weiß Feuchts Trainer Jan Völkel um die zusätzliche Brisanz im Duell mit dem SVR. Ohne die schwache Ausbeute bislang schönreden zu wollen, verweist Feuchts Trainer auf das harte Programm, dass seine Mannschaft in den vergangenen Wochen zu bewerkstelligen hatte.

Feuchts Trainer Jan Völkel muss auf einige Stammspieler verzichten. Foto: privat2021/09/Feucht-TSV-Voelkel-online.jpg

Dem 4:5 gegen den FC Ezelsdorf folgte ein 0:4 gegen den TSV Meckenhausen, ein 1:2 gegen DJK-SV Berg sowie ein 0:2 gegen den FC Holzheim – alle vier Teams stehen ganz oben in der Tabelle. „In den vergangenen Partien haben wir gegen die Teams gespielt, die am Ende wahrscheinlich auch oben dabei sein werden. Solche Spiele kann man schon mal verlieren. Dennoch war es gegen Holzheim vergangenen Sonntag natürlich nicht berauschend und einfach zu wenig“, blickt Völkel zurück.

Nicht nur die Feuchter Defensive ist zu anfällig – im Schnitt fängt sich der TSV 2,1 Gegentreffer pro Partie. Vor allem im Offensivbereich sieht Völkel das große Manko seiner Truppe.

Zu wenig Torchancen

Unser Hauptproblem sehe ich bislang im Angriff im Herausspielen von Torchancen. In der vergangenen Saison haben wir zu viele Chancen liegenlassen, momentan spielen wir uns einfach viel zu wenige Gelegenheiten heraus.“ Sieben Treffer bedeuten den zweitschwächsten Wert der gesamten Liga und werden nur noch getoppt vom kommenden Gegner, dem SV Rasch (sechs Tore). „Jetzt haben wir keine Ausreden mehr. Jetzt kommen die Mannschaften, gegen die wir punkten beziehungsweise gewinnen müssen“, stellt der Feuchter Coach vor den Partien gegen Rasch, Reichertshofen und Hofstetten klar.

Personell muss er im Derby gegen den SVR allerdings auf einige wichtige Spieler verzichten: Stephan Löhr ist im Urlaub, Robert Schmidt ist aufgrund der Bundestagswahl beruflich verhindert. Außerdem steht hinter dem Einsatz des angeschlagenen Astrit Veliqi ein Fragezeichen. „Das ist natürlich Qualität, die uns auf dem Platz fehlt“, weiß Völkel.

Und wie lautet seine Einschätzung des Gegners? „Der SV Rasch verfügt über eine erfahrene Mannschaft, das ist nicht zu unterschätzen. Tobias Birkelbach im Angriff ist immer gefährlich und für ein Tor gut. Ich sehe in diesem Duell keinen klaren Favoriten, es wird ein Spiel auf Augenhöhe. Wer macht den ersten Fehler? Wer kommt besser in die Zweikämpfe? Wer ist von Beginn an hellwach auf dem Feld? Das sind die Dinge, auf die es am Sonntag ankommen wird“, ist Völkel überzeugt, stellt aber klar: „Wir haben die Qualität und die Klasse, Rasch zu schlagen – wenn wir die nötige Bereitschaft an den Tag legen.

Ähnlich sieht es auch Völkels Pendant auf der Gegenseite, Florian Schmidt. Raschs Trainer sieht vor allen Dingen in der personellen Situation den Grund der bis dato schwachen Ausbeute (vier Punkte): „Wenn alle Spieler immer da wären, hätte ich ungefähr 14 Spieler, die zum engen Kreis der Ersten Mannschaft zählen. Aber meistens sind drei verletzt, drei andere sind im Urlaub. Viele von meinen Jungs gehen aktuell auf dem Zahnfleisch, jeder quält sich durch. Viele sind angeschlagen, aber ich kann ihnen einfach keine Pause geben, weil mir die Alternativen fehlen“, beschreibt Schmidt die angespannte personelle Situation.

Trainer Florian Schmidt fehlt dem SV Rasch im Derby. Foto: privat2021/09/SV-Rasch-Flo-Schmidt.jpg

Doch für den 42-Jährigen, der bereits seit 2012 für den SV Rasch aktiv ist, kommt es noch dicker: Aufgrund seiner Tätigkeit als Amtsleiter bei der Marktgemeinde Feucht kann er beim wichtigen Derby am Sonntagnachmittag nicht dabei sein, die Bundestagswahl erfordert seine Anwesenheit. Für Schmidt werden Co-Trainer und Torhüter Felix Ortegel sowie Vorstandsvorsitzender und Fußball-Abteilungsleiter Fritz Merkel an der Seitenlinie übernehmen.

Nur die Punkte zählen

Egal wie wir es auch anstellen, wir brauchen diese drei Punkte. Ob wir dabei schönen Fußball spielen oder nicht, ist mir ehrlich gesagt völlig egal. Ich denke, es wird ein Duell auf Augenhöhe, in der die Tagesform entscheiden wird“, blickt Schmidt voraus. Für den Rascher Coach geht es in der Partie gegen den TSV weit mehr, als nur um ein Derby. Denn die Partie wird nicht nur direkte Auswirkung auf die Tabelle haben, sondern sie könnte auch für den weiteren Saisonverlauf ausschlaggebend sein. „Wenn wir dieses Spiel gewinnen, könnte die Euphorie im Verein wieder zurückkommen. Genau so gut könnte es bei einer Niederlage aber auch in die andere Richtung auschlagen“, mutmaßt der Rascher Coach. Zwar sei die Saison noch lang, aber ein Erfolgserlebnis – insbesondere im Derby gegen den TSV 1904 Feucht – würde die angespannte Situation spürbar erleichtern.

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