Der Traum von Olympia

Dabei sein wäre alles

Sechs Fäuste für ein Halleluja: Nina Leitenbacher (links), Trainer Philipp Bitzenbauer und Angelique Pickel. | Foto: privat2020/01/Altdorf-Bitzenbauer-Pickel-Leitenbacher.jpg

Altdorf – Trainer Philipp Bitzenbauer vom
 TV 1881 Altdorf hat eine Vision:
Das Kickboxen soll
 zeitnah olympische Disziplin werden.

Zwölf bayerische Meistertitel, acht deutsche Meisterschaften sowie zwei World-Cup-Siege (2011 und 2012) des internationalen Fachverbands für Kickboxen (WAKO): Philipp Bitzenbauer ist neben Olympiasieger Klaus Wolfermann (Speerwerfen, 1972 in München) zweifellos der erfolgreichste Sportler, den die Stadt Altdorf hervorgebracht hat.

Seit 2004, als der heute 24-Jährige mit neun Jahren erstmals auf der Matte stand, ist viel passiert. Die aktive Karriere beendete Bitzenbauer 2013 aufgrund seines Studiums, wirklich los ließ ihn der Kontaktsport jedoch nie. Schließlich kann der wissenschaftliche Mitarbeiter der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg seine berufliche Tätigkeit im täglichen Training gut gebrauchen. „Ich profitiere definitiv von meiner Arbeit als Physik-Didaktiker“, bestätigt Bitzenbauer und ergänzt: „Die Belastungssteuerung und das ständige Leistungsmonitoring meiner Athleten fallen mir dadurch leichter und ich mag auch den sportwissenschaftlichen Aspekt meiner Trainertätigkeit.

Arbeitsweisen, die er künftig auch als Cheftrainer der bayerischen Elite (Erwachsene) anwenden soll. Bitzenbauer will das bayerische Kickboxen wieder auf Vordermann bringen. Erste Erfolge kann er bereits vorweisen: „Auf meinen ausdrücklichen Wunsch hin wurde Altdorf Landesstütztpunkt“, verrät er und nennt seine Ambition: „Bayern hat in den letzten Jahren im Leichtkontakt-Kickboxen etwas den Anschluss an die nationale Spitze verloren. Natürlich wollen wir da mittelfristig wieder hinkommen.

Der Traum von Olympia

Neben der erfolgreichen Arbeit auf der Matte hat Bitzenbauer ein weiteres großes Ziel: Die Anerkennung des Kickboxens als olympische Disziplin. Der Haken: Mit Taekwondo und Boxen sind zwei verwandte Sportarten bereits olympisch. „Wir Kickboxer machen letztlich eine Mischung aus beidem. Trotzdem haben wir alle Bedingungen erfüllt und wurden vom internationalen Olympischen Komitee bereits anerkannt“, betont er. Die langersehnte Zusage könne zwar „über Nacht erfolgen“, dennoch wäre es einfacher, die vielen verschiedenen, für Außenstehende schier unübersichtlichen Kickboxverbände künftig „unter einen Hut zu bekommen.

Fakt ist: Kickboxen erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Kontinuierlich steigende Mitgliederzahlen und die stetige Professionalisierung der Sportart sprechen für sich. Seit zwei Jahren ist der Bundesfachverband für Kickboxen Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und damit der nationale Spitzenverband für die Sportart Kickboxen. Ist also alles nur eine Frage der Zeit? „Alles spricht für die Anerkennnung. Ich bin mir sicher, dass ich es noch erleben werde“, glaubt Bitzenbauer fest an seine Vision.

Erfolgreiche Trainerarbeit in Altdorf

An potenziellen Nachkömmlingen mangelt es jedenfalls nicht – auch nicht beim TV Altdorf. Beste Beispiele sind Angelique Pickel und Nina Leitenbacher. Während Leitenbacher bei der U19-EM in Ungarn vor wenigen Monaten Bronze gewann, sicherte sich Pickel bei den zurückliegenden bayerischen Meisterschaften ihren zwölften Titel und zog so mit ihrem Trainer Bitzenbauer gleich, der während seiner aktiven Karriere ebenfalls zwölf bayerische Meistertitel gewann. Der Schritt vom Nachwuchs hin zu den Erwachsenen dürfte dennoch ein schwieriger werden. „Wir werden keine vermessenen Erwartungen aufbauen“, sagt ihr Trainer, der das Unterfangen Elite entspannt angehen will: „Wir geben unser Bestes und sehen dann, was dabei rausspringt. Erst einmal wird es wichtig sein, dass sie sich schnellstmöglich akklimatisieren und es den gestandenen Gegnerinnen der Elite so schwer wie möglich machen.

Neben dem Bayernpokal im Februar liegt Bitzenbauers Fokus auf dem World Cup im April in Österreich. „Das wird ein erstes Messen auf internationalem Topniveau“, freut er sich auf die bevorstehende Aufgabe. Wirklich ernst wird es für seine Athletinnen dann im Juni, wenn in Bad Neustadt an der Saale die Deutschen Meisterschaften steigen. Je nachdem, wie sich die Altdorfer Sportlerinnen dort schlagen, würde noch die Teilnahme an der EM im November in Antalya winken.„Zukunftsmusik“, betont Bitzenbauer. Das Altdorfer Urgestein konzentriert sich auf die nahenden Turniere und will versuchen, auch künftig hoffnungsvolle Kickbox-Talente aus der Altdorfer Schmiede hervorzubringen.

Ein schwieriges Unterfangen, wie er gesteht: „Maximal zehn Prozent unserer Mitglieder wollen auch auf die Matte steigen und kämpfen. Kickboxen ist ein Kontakt-
sport, bei dem es zur Sache geht. Die meisten sehen die Sportart als Ausgleich und betreiben sie, um fit zu bleiben. Kickboxen bietet die perfekte Mischung aus Kraft, Ausdauer und Koordination.“ Entscheidet sich ein Mitglied zum Kampf, ist es bei Bitzenbauer bestens aufgehoben. „Auch Angelique wollte früher nicht kämpfen“, sagt er. Heute ist sie eine Hoffnungsträgerin des deutschen Kickboxens.

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