Bayerischer Fußball-Verband zieht die Reißleine

Abbruch eine Frage der Zeit

Die Luft ist endgültig raus, die Schuhe haben vorübergehend ausgedient: Wegen der Lockdown-Verlängerung im Freistaat betrachtet der Bayerische Fußball-Verband einen Saisonabbruch mittlerweile als unvermeidlich. | Foto: Zink2021/04/NL-Fussball-Pause-Corona-Zink-scaled.jpg

NÜRNBERGER LAND – Wegen verlängerter Corona-Maßnahmen plädiert nun auch der Bayerische Fußball-Verband für einen Abbruch der Spielzeit 2019/2021. Während einige Vereine in der Region profitieren, schauen andere in die Röhre. Dementsprechend unterschiedlich fallen die Reaktionen aus.

Der Vorstand des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) hat in einer Videokonferenz unter der Woche nochmals deutlich und ohne Gegenstimme zum Ausdruck gebracht, dass „er es aufgrund der staatlichen Verfügungslage – die 12. Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung wurde bis mindestens 9. Mai 2021 verlängert – de facto für nicht mehr möglich erachtet, die unterbrochene Spielzeit 2019/21 in den allermeisten Ligen ordnungsgemäß zu Ende zu führen.“ Ein Abbruch der Verbandsspielklassen erscheint deshalb unvermeidlich. Allein ein formeller Beschluss zum Saisonabbruch sollte aber aus formalen Gründen noch nicht aktuell getroffen werden.

Für diesen Fall hatte der BFV bereits im August 2020 mit der Installation des Paragraphen 93 in der Spielordnung eine Regelung geschaffen, dass im Falle eines Saisonabbruchs die Anwendung der Quotienten-Regelung mit Auf- und Absteigern unter Wegfall der Relegation greift. „Auch wenn wir aufgrund der weiter steigenden Infektionszahlen nicht davon ausgehen, wäre es rein theoretisch noch möglich, einzelne Spieltage bis zum offiziellen Saisonende am 30. Juni anzusetzen“, heißt es in der Pressemitteilung des Verbands. All das funktioniere jedoch nur, wenn allen Vereinen vor etwaigen Spielen eine adäquate und einheitliche Vorbereitungszeit von mehreren Wochen eingeräumt werden würde.

Unterschiedliche Interessenslagen

Des Weiteren teilt der Verband mit, in den vergangenen Wochen mehrere offene Briefe und einzelne Anträge von Vereinen erhalten zu haben, die überwiegend in den Abstiegskampf involviert sind und den BFV auffordern, die gültige Quotienten-Regelung nicht zur Anwendung zu bringen oder noch einzelne Spiele zur Veränderung der Quotienten zuzulassen. Wiederum andere Klubvertreter würden um die verbindliche Umsetzung des Paragraphen 93 bitten. „Wir müssen die Sicht der betroffenen Vereine akzeptieren und wollen diese auch nicht mit dem bloßen Hinweis auf die bestehenden Bestimmungen abweisen, wenngleich es unsere Aufgabe ist, möglichst allen Vereinen – also auch denjenigen, die sich auf die geltenden Regeln verlassen haben – gerecht zu werden.

So geht man beim BFV davon aus, „dass es das wachsende Infektionsgeschehen nicht mehr erlauben wird, unter Berücksichtigung einer bayernweit einheitlichen und angemessenen Vorbereitungsphase auch nur einzelne Spiele in den Ligen noch anzusetzen.“ Zwar wolle man die eingegangenen Anträge nicht einfach übergehen, jedoch „sollten wir bedenken, dass es ein Leichtes ist, jetzt zu fordern, die Quotienten-Regelung auszusetzen und stattdessen nur Aufsteiger zuzulassen und den Abstieg nicht zu vollziehen.

„Übervolle Ligen vermeiden“

Zu weitreichend wären die Konsequenzen, zu wichtig sei es, übervolle Ligen und damit eine Vielzahl an zusätzlichen Spieltagen zu vermeiden. „Jede Lösung wird am Ende Härtefälle hervorbringen“, betont Bezirksvorsitzender Robert Schraudner, der die Gruppe leitet, die sich in den kommenden Tagen spieltechnisch und sportrechtlich mit allen infrage kommenden Modellen zur Abwicklung der Saison 2019/21 auseinandersetzt. So ist der offizielle Saisonabbruch nur noch eine Frage der Zeit – und kommt wenig überraschend.

Reaktionen der Vereine

1. SC Feucht, Trainer Florian Schlicker:
Natürlich wäre es schöner, die Saison sportlich auf dem Rasen auszutragen“, sagt Florian Schlicker. Ein Saisonabbruch würde für den Trainer des SC Feucht und sein Team den Aufstieg in die Bayernliga bedeuten, zu konstant spielte der Spitzenreiter der Landesliga Nordost in der laufenden Saison. Die Freude über die Rückkehr in die Bayernliga ist freilich groß bei den Zeidlern, wenngleich „es nicht dasselbe ist, den Aufstieg am grünen Tisch zu erreichen, als ihn nach einem Abpfiff auf dem Platz zu feiern.“ Das anhaltende Infektionsgeschehen mache es jedoch „extrem schwierig, sich mental immer wieder in die Saison reinzufuchsen“, betont Schlicker, der klarstellt: „So ein Aufstieg ist etwas Geiles, das nicht so oft passiert. Da ist es natürlich extrem schade für die Jungs, das nicht gebührend feiern zu können. Wir nehmen es jetzt, wie es kommt. Es hilft ja nichts.

SC-Trainer Florian Schlicker. Foto: Zink2021/04/Feucht-NEU-SC-Florian-Schlicker.jpg

1. FC Altdorf, Spielertrainer Philipp Knogl:
Persönlich fände ich es schade, wenn die Runde abgebrochen würde, nachdem man jetzt alles so lange aufgeschoben und den Teams Hoffnungen gemacht hat“, sagt Altdorfs Spielertrainer Philipp Knogl. Mit drei Punkten Rückstand auf den TSV Winkelhaid hatten sich die Altdorfer berechtigte Hoffnungen auf den Sprung auf den Relegationsplatz gemacht, zumal das direkte Duell mit dem TSV noch angestanden hätte. „Das wäre im Hinblick auf die Quotientenregel natürlich sehr bitter.
Im Winter noch hatte sich der FCA mit Rik Vizthum und Benjamin Möhrle verstärkt, um „mit viel Selbstbewusstsein und Energie“ in die Wiederaufnahme des Spielbetriebs zu starten. Im Falle eines Abbruchs „müssen wir anerkennen, dass Reichertshofen die konstanteste Leistung ablieferte und somit den Titel und Aufstieg auch verdient hätte.

FCA-Spielertrainer Philipp Knogl. Foto: privat2021/04/Altdorf-Philipp-Knogl.jpg

TSV Winkelhaid, Abteilungsleiter Markus Lang:
Damit werden wir auf dem Relegationsplatz stehen bleiben, der laut Satzung des BFV zum Verbleib in der Liga führt. Das muss man dann so hinnehmen, da es auch vorher so geregelt wurde“, erklärt Winkelhaids Fußball-Abteilungsleiter Markus Lang, dessen TSV nach sieben Siegen in Folge auf Tabellenplatz zwei der Kreisklasse Ost steht. Den Beschluss anfechten will er nicht. Nach wie vor ärgert sich Lang jedoch darüber, „dass man immer noch nicht auf Aerosolforscher und Wissenschaftler hört, die deutlich und mehrfach äußerten, dass die Infektionsgefahr im Freien und somit auch auf dem Sportplatz unter Einhaltung vorhandener Hygienekonzepte gegen null tendiert“. Ab der neuen Spielzeit soll mit dem neuen Cheftrainer Klaus Alder (wir berichteten) die Rückkehr des TSV in die Kreisliga angegangen werden.

TSV-Abteilungsleiter Markus Lang. Foto: CSU2021/04/Winkelhaid-Markus-Lang.jpg

SV Unterferrieden, Spieler Alexander Haas:
Wirklich überraschend kommt der Saisonabbruch jetzt nicht, das hat sich in den vergangenen Wochen schon abgezeichnet“, sagt Alexander Haas. Der Spieler des SV Unterferrieden ist der Meinung, „dass der BFV dennoch eine gute Arbeit während der Pandemie gemacht hat. Denn andere Verbände wie Hessen oder Mecklenburg-Vorpommern müssen jetzt gleich Saisons abbrechen, wir immerhin nur eine.“ Sportlich betrachtet ändert sich für den SVU, der Tabellenplatz fünf belegt, durch einen Abbruch ohnehin nichts. „Trotzdem hätten wir die Saison natürlich gerne zu Ende gespielt, schon allein aus Gründen der Fairness.“ Haas hat die Hoffnung, die kommende Saison wieder normal spielen zu können. „Je nachdem, wie die Impfungen vorankommen, sollte Fußball unter Einhaltung der Hygienekonzepte wieder möglich sein.

SVU-Spieler Alexander Haas. Foto: privat2021/04/Unterferrieden-SV-Alex-Haas.jpg

SV Rasch, Spielertrainer Florian Schmidt:
Wir profitieren natürlich von der Quotientenregelung, weil wir so die Kreisliga sicher halten“, sagt Florian Schmidt, der mit seinem Team auf Relegationsplatz zwölf in der Kreisliga Ost steht. Raschs Spielertrainer hätte „die Spiele trotzdem lieber auf dem Rasen ausgetragen, auch wenn das bedeutet hätte, unter Umständen abzusteigen. Aber es wäre sportlicher, einfach fairer gewesen.“ Die Quotientenregel nun anzufechten, sieht er grundsätzlich kritisch: „So wurde es vereinbart, darum sollte man es auch so umsetzen.“ Gleichzeitig zeigt er aber auch Verständnis für das Vorgehen einiger Vereine, einer Ligenvergrößerung stünde er positiv gegenüber: „Ob 14 oder 16 in der Liga sind, macht bei uns keinen Unterschied.“ So bleibt es vorerst bei „digitalen Trainingseinheiten mit anschließendem Frühschoppen am Sonntagvormittag.

SVR-Spielertrainer Flroian Schmidt. Foto: privat2021/04/SV-Rasch-Flo-Schmidt.jpg
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