Wahl-Podiumsdiskussion in Röthenbach

Zwölf Kandidaten im Kolping-Check

Mit zwölf Kandidaten war das Podium in der Schulaula mehr als voll.
Mit zwölf Kandidaten war das Podium in der Schulaula mehr als voll. | Foto: Sichelstiel2018/09/podiumsdiskussion.jpg

NÜRNBERGER LAND — Mit einer Diskussionsveranstaltung in der Aula des Schulzentrums am Röthenbacher Steinberg haben die Kolpingfamilien aus dem Nürnberger Land den Kandidaten für die Landtagswahl auf den Zahn gefühlt. Nur drei der 15 im Wahlkreis zugelassenen Parteien waren nicht vertreten – die volle Besetzung des Podiums führte dazu, dass viele Positionen an diesem Abend Schlaglichter blieben.

Die Rollen waren schnell verteilt: Bereits in der Vorstellungsrunde präsentierte sich der CSU-Amtsinhaber Nobert Dünkel, der sein Direktmandat verteidigen möchte, als Macher, „euer Landtagsabgeordneter“, gerade erst aus München angereist, während die SPD-Kandidatin Andrea Lipka, die den sicheren Beamtenjob vor zehn Jahren für das Kabarett aufgegeben hat, für „Mut und Kreativität“ warb. Pirat Michael Ceglar  wünschte sich schnelles Internet, ÖDP-Mann Norbert Spiegel weniger „Ressourcenverbrauch“, FW-Kandidatin Angelika Feisthammel, Behindertenbeauftragte des Landkreises, mehr Barrierefreiheit. Und natürlich plädierte Doris Dischner als Vertreterin der Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer für „Ahimsa“, das buddhistische und hinduistische Prinzip der Gewaltlosigkeit.

Dass es in der ersten der insgesamt zwei Stunden Diskussion überwiegend bei solchen Schlaglichtern blieb, war nicht die Schuld von Moderator Stephan Sohr, Chefredakteur der Nürnberger Zeitung. Er schaffte das Kunststück, alle zwölf Kandidaten gleichmäßig zu Wort kommen zu lassen – doch große Debatten konnten angesichts des vollen Podiums nicht aufkommen. Von den 15 in Mittelfranken zugelassenen Parteien fehlten nur drei: die Partei für Gesundheitsforschung, die satirische Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative („Die Partei“) sowie die Bayernpartei. Alle anderen waren entweder mit ihren Direktkandidaten für das Nürnberger Land oder mit Vertretern dabei.

Protest gegen die AfD

Nur für einen Moment aus dem Tritt kam die Veranstaltung, als Linken-Mitglieder mit einem Transparent gegen die Teilnahme der AfD demonstrierten. Das „Bullshit-Bingo“, das die Jusos obendrein am Eingang verteilt hatten, wies am Ende des Abends viele leere Felder auf: Der Allersberger Ferdinand Mang, für Ralph Müller aus Altdorf eingesprungen, stieg zwar mit einem Seitenhieb gegen die vermeintlich „herrschende Lobbypolitik“ ein und verwendete damit eine jener Floskeln, die mit dieser Variante des Bingo-Spiels kritisiert werden sollen, erwies sich ansonsten aber in vielen Punkten nicht als rechter Hardliner. Susanne Philipp von der „mut“-Partei konnte sich sogar mit seinem Vorschlag anfreunden, der angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt mit der Förderung von Genossenschaften zu begegnen. „Wir wollen niemanden ausgrenzen, sondern ein breites Spektrum abbilden“, begründete Peter Wolf, Vorsitzender der Röthenbacher Kolpingfamilie, die Einladung der AfD.

Die Kolpingfamilie hatte auch Themenfelder vorgegeben, an denen sich die Fragen von Moderator Sohr orientierten. So ging es etwa um das Verhältnis von beruflicher und akademischer Bildung oder um die Positionen der Kandidaten zur Ladenöffnung an Sonntagen. Andreas Neuner, FDP-Kandidat im Stimmkreis Nürnberg-Ost, positionierte sich hier gegen die Mehrheit in seiner Partei: „Ich möchte, dass der Kapitalismus einen Tag lang zur Ruhe kommt.“

Dünkel bekam viel Gegenwind

Norbert Dünkel verwies ein ums andere Mal auf die aus seiner Sicht vielfältigen Erfolge der CSU, ob in der Bildungspolitik oder beim Breitbandausbau, wo Bayern so viel wie kein anderes Bundesland investiere, aber er bekam aus allen Richtungen Gegenwind. Familien- und Baukindergeld sind für Andreas Brandl von der Partei für Franken nur „Mittelstandspflege“, wichtiger sei die Senkung oder Abschaffung von Kita-Gebühren. Andrea Lipka (SPD) forderte außerdem eine Grundsicherung für Kinder. Vielleicht deutlichster Kritiker war René Wiedmann (Linke). Er warf der CSU „unfassbare Scheingefechte“ vor. Eines seiner Beispiele: Zuerst halbiere sie die Mittel für den sozialen Wohnungsbau, dann beschließe sie ein Wohnungsbaupaket.

Gleiche Lebensbedingungen in allen Regionen Bayerns will die Grüne Gabriele Drechsler unter anderem durch den konsequenten Ausbau des Nahverkehrs erreichen. Nicht nur der Piraten-Kandidat Ceglar sieht hingegen den Breitbandausbau als adäquates Mittel. Angelika Feisthammel (FW) unterschreibt beides.

Emotional ging es am Schluss zu – mehrere Fragen aus dem Publikum drehten sich um die Asylpolitik. Susanne Philipp von der „mut“-Partei hat einen afghanischen Pflegesohn, sie sprach von einem „Trauerspiel“: oft seien Asylbewerber den Ämtern ausgeliefert, „jedes entscheidet anders“. Ob Ausländer, deren Asylantrag zwar abgelehnt wurde, die aber eine Ausbildung absolvieren, eine Bleibeperspektive bekommen können, wollte eine Zuschauerin wissen. CSU-Kandidat Dünkel argumentierte nüchtern: „Wer verfolgt ist und einen Anspruch auf Asyl hat, erhält auch den entsprechenden Status. Aber welches Signal hat das in anderen Ländern, wenn die Leute, auf die das nicht zutrifft, trotzdem bleiben können?“

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel