Bloggerin Nadine Schubert in Lauf

Mit kreativen Ideen gegen Berge von Plastik

und 90 Zuhörer waren zum Vortrag von Nadine Schubert (rechts) ins Alte Rathaus gekommen. Sie sprach über ein Leben ohne Plastik. | Foto: Scharrer2017/06/plastikfreies-leben-nadine-schubert-vortrag-lauf1.jpg

LAUF — „Moo, mir kaaf´n ab etz ka Plastik mehr!“– so lautete die Ansage der Hassfurterin Nadine Schubert an ihren Mann, als sie sich zum plastikarmen Leben bekehrte. Fränkisch-schnodderig, frech und unterhaltsam zeigte die Bloggerin und Buchautorin bei ihrem Vortrag in Lauf gangbare Wege auf, um Plastikmüll weitgehend zu vermeiden. Das lockte zahlreiche Zuhörer zu der Veranstaltung der Grünen ins Obergeschoss des Alten Rathauses.

Die Flyer mit der Werbung für Nadine Schuberts neues Buch wurden zunächst nur zum Herbeifächeln etwas kühlerer Luft verwendet. Am Ende des Abends kauften die quer durch die Generationen vertretenen Zuhörer nicht nur den Buchvorrat von Band Eins auf – viele dürften sich auch für Band Zwei „Noch besser leben ohne Plastik“ interessieren. Denn die Anregungen, die Schubert für viele Lebensbereiche hatte, machten Lust zum Ausprobieren. Seien es nun die aus wenigen umweltfreundlichen Zutaten angerührten Haushaltsreiniger oder die Wimperntusche „Gebrannte Mandel“ – das ist durchaus wörtlich zu nehmen!

Am Anfang des Abends standen die stadt- und landespolitischen Begrüßungsreden. Bürgermeister Benedikt Bisping rollte mit großer Geste eine Rolle „Gelber Säcke“ aus – zu seinem Leidwesen der am meisten nachgefragte Artikel im Laufer Rathaus. Auch seine seit fast 15 Jahren weit gereiste Thermoskanne für „Tee to go“ begleitete den Rathaus­chef wie so oft und signalisierte seine Bereitschaft, am Ist-Zustand des gedankenlosen Konsumierens etwas zu ändern. Der Landesvorsitzende der bayerischen Grünen, Eike Hallitzky, betonte einmal mehr, dass das „sich Kümmern um die Zukunft“ in den Augen der Bevölkerung eine Kernkompetenz der Grünen sei.

„Wenn Politiker reden, geht schon etwas Zeit vom Abend drauf!“, frotzelte die ehemalige Journalistin Schubert, als ihr das Feld n überlassen wurde. Doch auch sie begann mit einer ernsten Botschaft: Nicht nur der Verpackungsmüll, der, würde man ihn nicht abholen lassen, im Laufe eines Jahres ein Einfamilienhaus füllen könnte, auch das weit gefährlichere, weil unsichtbare Mikroplastik sind ihr ein Dorn im Auge.

Gefährliches Mikroplastik

Durch die Geburt ihrer zwei Kinder sei sie ins Nachdenken gekommen über die kleinen Plastikpartikel, die wir bereits trinken, essen und einatmen und die sich in Blut und Urin nachweisen lassen. Doch: „Das kann sich auch wieder bessern!“, versprach die Buchautorin und Vortragsreisende. Otto-Normalverbraucher könne an einigen Schrauben drehen, um Plastikmüll einzusparen.

Über die ersten, noch einfachen Schritte – „Einkaufskorb statt Plastiktüte“, „Glas statt Plastik“ und „lose statt abgepackt“ – arbeitete sich Nadine Schubert zu den Feinheiten vor. Dabei bewahrheitete sich, was Bürgermeister Bisping bereits zu Anfang angedeutet hatte: Von „früher“ kann man viel lernen. Die Wortbeiträge der älteren Zuhörer zeigten, dass diesen die Putzmittel aus Soda, Zitronensäure und Essig noch vertraut sind und sie auch wissen, dass ein Stück Seife alles kann, wofür der normale Konsument eine Armada von Körperpflegeprodukten hortet: in Plastik verpackt und randvoll mit Mikroplastikpartikeln. Dass man aus zerkleinerten Kastanien ein wirksames und zugleich schonendes Waschmittel herstellen kann, war aber vielen völlig neu.

Schuberts Erfolg besteht zum einen im Humor, mit dem sie ein ernstes Thema leicht verdaulich macht. „Was weg muss, kommt ins Peeling rein – und wenn Sie wollen, peppen Sie es mit Gulaschgewürz auf“, propagierte sie selbstgemachte Körperpflegeprodukte. Zum anderen überzeugte Schubert mit Bodenständigkeit und Gelassenheit: „Jetzt bloß nicht durchdrehen!“ – mahnte die letzte ihrer Powerpoint-Folien zu strategischem, aber schrittweisem Vorgehen auf dem Weg zu weniger Plastikmüll.

Der Ortsvorsitzende der Laufer Grünen, Philipp Kredel-Bengl, freute sich, dass um die 90 Gäste zu dem Abend erschienen waren und Bisping kündigte die Pflanzung von Kastanienbäumen an, um den zukünftigen Waschmittelbedarf der Laufer auch decken zu können.

N-Land Ute Scharrer
Ute Scharrer