Lesung am Sonntag

Mutterglück und Babysorgen

Gemeinschaftswerk zweier Kulturbegeisterter: Anna Schwarm (rechts) schrieb die Glossen, Ute Scharrer illustrierte dazu. | Foto: M. Wildner2017/11/8566358.jpg

HERSBRUCK – Mit einem entnervten Facebook-Post fing alles an. Daraus entstanden regelmäßige Zeitungsglossen über „Mutterglück und Babysorgen“ und schließlich ein ganzes Buch, das jüngst im Pfeiffer Verlag erschien. Am kommenden Sonntag stellen Autorin Theresa Mutter alias Anna Schwarm und Illustratorin Ute Plank alias Ute Scharrer ihr gemeinsames Werk bei einer Lesung vor. Im Interview erzählen sie, was besonders in Erinnerung bleibt und was Sisyphos mit dem Buch zu tun hat.

Wie kam Frau Mutter auf die Idee, das Leben mit Kind in Glossen festzuhalten?
Anna Schwarm: Während meiner Schwangerschaft habe ich hin und wieder leicht genervte Sätze auf Facebook gepostet. Die damalige Redaktionsleiterin der HZ, Susanne Will, fand die Posts lustig und fragte mich, ob ich mich mal an einer Glosse versuchen möchte. Ein paar Monate nach der Geburt meines Sohnes erschien dann die erste in der HZ.

Viele weitere folgten. Half das Schreiben dabei, das Erlebte noch mal zu reflektieren?
Ich habe ja das Buch meiner Mama gewidmet, die leider schon früh verstorben ist und die ich gerade in der Zeit nach der Geburt sehr vermisst habe. Dieses Fehlen habe ich durch das Schreiben irgendwie kompensiert. Vielleicht kann man es als gedanklichen Austausch bezeichnen.

Frau Scharrer, Sie haben drei erwachsene Töchter. Hat Sie das Illustrieren an Ihre eigene Zeit als junge Mama zurückerinnert?
Ute Scharrer: Absolut. Es hat mich regelrecht zurückgeworfen. Es hat mich aber auch melancholisch gestimmt, dass ich es selbst nicht geschafft habe, besonders die flüchtigen Momente festzuhalten. Ich hätte meine Kinder zum Beispiel zeichnen können. Wir hatten zwar ein dickes Familienbuch mit Geschichten, aber oft lässt man darin nicht alle Gefühle heraus.

Ist das Buch nur für junge Mütter gedacht?
Schwarm: Jeder, der diese Zeit erlebt hat, kann es lesen. Es kann durchaus auch ein Rückblick für Eltern sein, deren Kinder schon aus dem Haus sind oder für Omas und Opas, die sich durch ihre Enkel wieder an die eigene Zeit als junge Eltern erinnert fühlen. Außerdem enthält jede Geschichte etwas allgemein Gültiges: Ich habe versucht, auch Sorgen und Nöte, wie die Angst vor Terror, herunterzubrechen. Mir ist klar geworden, dass ein Kind dich mit allen Themen des Lebens konfrontiert.

Was war das Schwierigste am Schreiben?
Schwarm: Eindeutig der Schlafentzug, dem Mütter nun einmal ausgesetzt sind. Darunter hat meine Konzentration oft gelitten. Es gab Momente, in denen mir alles zu viel wurde und ich keine Lust mehr hatte. Ich bin stolz, trotzdem durchgehalten zu haben. Es war auch nicht immer leicht, in jeden Text etwas Allgemeingültiges einzubauen.

Frau Scharrer, hatten Sie bei Ihren Illustrationen irgendwelche Vorgaben?
Scharrer: Nein, ich war völlig frei. Und es ist ein großes Privileg für mich, meine Kunst beisteuern zu dürfen. Bisher habe ich nur Jugendbücher illustriert, bei denen ich relativ strikte Vorgaben hatte. Für „Mutterglück und Babysorgen“ war das anders. Ich habe zuvor einen Workshop von Quint Buchholz besucht, in dem ich gelernt habe, ein Konzept für ein Buch zu entwickeln. Ich wollte eine Figur schaffen, die witzig, aber nicht nur albern ist.

Schwarm: Sie durfte das malen, was die Texte in ihr berührt haben. Und ich habe mich von ihren Bildern sofort verstanden gefühlt. Besonders gut gefällt mir das Titelbild, weil es die Aussage des Buches einfach auf den Punkt bringt: Das Kind strahlt dich voller Freude an, drückt dir aber gleichzeitig die Zeit ab.


Anna Schwarm liest am kommenden Sonntag aus ihrem Buch „Mutterglück und Babysorgen“, 16 bis 18 Uhr, im Stadthaus am Schlossplatz in Hersbruck. Ute Plank zeichnet als besonderes Schmankerl live dazu. Der Eintritt ist frei. Verbindliche Sitzplatzreservierungen telefonisch unter 09151/822188 oder per Mail an FrauMutter2017@gmail.com.

N-Land Marina Wildner
Marina Wildner