Buch von Matthias Hunger

„Fußballheimat Franken“

Natürlich darf auch die Sportanlage des 1. FC Hersbruck im neuen Buch des gebürtigen Hersbruckers Matthias Hunger nicht fehlen. | Foto: I. Strasser2017/11/8583168.jpg

HERSBRUCK – Matthias Hunger hat sein inzwischen drittes Buch zum Thema Fußball veröffentlicht. Mit seinem Band „Fußballheimat Franken“ legt er eine lesenswerte Mischung aus Reiseführer, Bildband, Anekdotensammlung und Nachschlagewerk zum fränkischen Fußball vor.

In „Fußballheimat Franken“ hat der gebürtige Hersbrucker 100 Orte zusammengetragen, die das hiesige Fußballherz höherschlagen lassen. Fotografisch vom Autor höchstpersönlich abgelichtet, erzählt er deren Geschichte und Geschichten. Wer nun 100 Stadien und Fußballplätze erwartet, wird angenehm überrascht. Denn Hunger gibt Stätten der Kunst, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft genauso ihren Raum und zeigt, dass auch sie ihren Stammplatz im fränkischen Fußball haben.

Und so nimmt Hunger seine Leser mit auf eine interessante Reise durch Fußballfranken. Mal ist es ein aktuelles oder ehemaliges Stadion für den Profifußball, mal eine Amateursportanlage wie die des 
1. FC Hersbruck. Mal geht es um ein WM-Maskottchen ohne Hose, mal um die Meisterschaft im Arbeiterfußball. Mal um einen WM-Ball, der überraschenderweise nicht aus Herzogenaurach kam, mal um Henry Kissinger und den Gradmesser für die deutsch-amerikanischen Beziehungen. Auch die Fragen, welchen fränkischen Verein der große Fritz Walter einst trainierte und wieso Günter Netzers Ferrari in Erlangen stand, werden beantwortet. Selbst die Nürnberger Bratwurstfabrik von Uli Hoeneß kommt nicht zu kurz.

Für sein aktuelles Werk ist der Fußballbuchautor kreuz und quer durch Franken getourt. Von Hersbruck bis Aschaffenburg, von Dinkelsbühl bis Hof. „Ich war sogar in Fürth“, sagt der bekennende Fan des 1. FC Nürnberg schmunzelnd. Und sein Club liegt Matthias Hunger nach wie vor sehr am Herzen. Da zeigt sich dann auch, dass er sich nicht nur mit der Fußballgeschichte beschäftigt, sondern auch mit dem modernen Fußball. Dass es dabei nicht ohne Geld geht, ist ihm bewusst. Und auch in Franken gibt es laut Hunger seit jeher ein ausgeprägtes Mäzenatentum. Ein paar Geschichten hierzu finden sich auch in „Fußballheimat Franken“, beispielsweise die über den VfL Frohnlach und Willi Schillig.

Doch die Entwicklung, die der Fußball in den vergangenen Jahren genommen hat, sieht der Autor kritisch. Allgemein rege sich ja zunehmend Widerstand gegen immer flächendeckendere Kommerzialisierung und absurde Transfersummen. „So wie es naiv ist zu glauben, man könne die Entwicklung aufhalten, so ist es auch naiv zu glauben, man könne die Schrauben der Kommerzialisierung endlos anziehen. Es gilt, die Möglichkeit einer anderen Fußballkultur zu wahren.“

Ein Thema ist dem Autor besonders wichtig: Die drohende Ausgliederung der Profiabteilung des FCN in eine Kapitalgesellschaft samt Einstieg eines Investors. Dem steht er skeptisch gegenüber. „Das ist zugegeben der Weg, den die allermeisten Vereine beschreiten“, sagt Hunger und wünscht sich, dass sein Club „nicht hinterherläuft, sondern seinen eigenen Weg findet“.

Noch gehört der 1. FC Nürnberg keinem Konzern, sondern den Mitgliedern, den Fans. Somit könne der Club als einer der letzten Fanvereine überhaupt bewahrt werden, wofür er laut Hunger prädestinierter wäre als jeder andere Verein in Deutschland. „Das scheint zumindest nicht so viel utopischer als darauf zu hoffen, dass ein Investor den FCN mit einem eher niedrigen zweistelligen Millionenbetrag in die erste Liga katapultiert und dort hält. Vor allem in einer Zeit, in der Milliardäre ihre Dorfklubs oder selbst gegründeten Fußballunternehmen in die Champions League hieven können.“

Vielleicht werde der Club dann in Zukunft wieder von sich behaupten: „Es handelt sich beim 1. FC Nürnberg um einen eingetragenen Verein, und zwar den bedeutendsten in ganz Deutschland.“ Wie schon einmal im Zusammenhang mit der Beantragung eines städtischen Zuschusses 1925. Genauer nachzulesen im Kapitel über den „Zabo“ in Matthias Hungers Buch.

„Fußballheimat Franken“, 216 Seiten, über 100 Fotografien, ist im Arete Verlag erschienen (ISBN 978-3-942468-91-6) und für 16,95 Euro im Buchhandel erhältlich.

N-Land Irma Strasser
Irma Strasser