Gemeinderatsmehrheit ist für den Abriss

Das denkmalgeschützte Schönweiß-Haus in der Richthausener Straße: Professor Galneder wagte den Vergleich mit der Medizin: „Sollen wir die lebenserhaltendenen Apparate abschalten oder nicht?“Foto: Blinten2012/02/schoenweisshaus_New_1330519802.jpg

WINKELHAID – Gerhard Schönweiß will sein denkmalgeschütztes Haus in der Richthausener Straße abreißen. Einen entsprechenden Antrag hat er bereits mehrfach gestellt, bislang immer vergeblich. Seinen letzten Antrag prüft das zuständige Landratsamt jetzt erneut. Hintergrund: Das Haus Richthausener Straße 1 ist nicht nur denkmalgeschützt, es ist zwischenzeitlich auch einsturzgefährdet (wir berichteten mehrfach).

Ein Gutachter ist derzeit dabei, die Kosten für eine Sicherung des Gebäudes zusammenzustellen – für eine Sicherung, nicht für eine Sanierung. Die würde mehrere Hundertausend Euro kosten. Allein die Sanierung des Dachstuhls würde mit über 230.000 Euro zu Buche schlagen. Fachleute schätzen, dass für das gesamte Gebäude mindestens 600.000 Euro an Gesamtsanierungskosten anfallen.

Über den Antrag auf Abriss des alten Hauses, in dem Denkmalschützer Hinweise fanden, dass Teile des Gebäudes bereits im 16. Jahrhundert errichtet wurden, muss zwar das Landratsamt entscheiden. Die Behörde wollte dazu aber eine Stellungnahme des Winkelhaider Gemeinderats, der sich deshalb auf seiner jüngsten Sitzung mit der Angelegenheit befasste und sich nach kontroverser Diskussion mit 12 gegen vier Stimmen für eine Beseitigung des Gebäudes aussprach.

Grüne und FWG für den Erhalt

Für den Erhalt waren Thomas Koch und Heidi Maurer von den Grünen sowie Ulrich Kretschmer und Andrea Vestner von der FWG. Koch brach im Gemeinderat ein Lanze für die historischen Gebäude in der Gemeinde. Diese seien Ortsbild prägend und sollten erhalten bleiben. „Es täte mir sehr leid, wenn das Haus weggerissen würde“, so Koch.

Ulrich Kretschmer wünschte sich, einmal die Vertreter der Denkmalschutzbehörde zum Thema zu hören, und wies darauf hin, dass das Schönweiß-Haus doch sehr schön hergerichtet werden könnte: „Wir haben doch auch 7,5 Millionen Euro für das Rathaus ausgegeben.“ Im Übrigen seien der Erhalt und die Pflege des Ortsbilds Aufgabe der Allgemeinheit und die Gemeinde stehe hier in der Verantwortung.

Klaus Blendinger von der SPD warnte davor, dem Hausbesitzer die hohen Kosten für die Sanierung aufzubürden: „Der kann die nicht tragen.“ Und die Gemeinde könne das auch nicht. „Wer soll das also bezahlen?“ so Blendinger, der sich für den Abriss aussprach, ebenso wie alle weiteren Redner im Gemeinderat. So CSU-Fraktionschef Andreas Gleich, für den die Diskussion um das Haus 20 Jahre zu spät kommt. Oder Manfred Holzinger (CSU), der bedauert, dass das Haus nun abgerissen werden muss: „Denn eigentlich wäre es erhaltenswert.“ Professor Gerhard Galneder (CSU) wagte den Vergleich mit der Medizin: „Wir sind in der Situation, in der man fragt, ob man die Geräte abschaltet oder nicht.“ Und noch ein Vergleich von Galneder, diesmal aus dem Bereich der Jagd: Das Haus sei „waidwund“, beim nächsten Sturm drohe es zusammenzufallen. Horst Schönweiß (SPD) schloss sich ebenfalls den Stimmen für einen Abriss an, könnte sich aber vorstellen, das Haus dann zu erhalten, wenn die Denkmalschutzbehörde die Sanierungskosten nahezu vollständig übernehmen würde.

„Schäden sind enorm“

Bürgermeister Michael Schmidt sieht das Ganze kritischer: Die Schäden am Gebäude seien so enorm, dass mindestens 600.000 Euro hineingesteckt werden müssten, um es zu sanieren.

„Ich bin nicht bereit, solch hohe Summen an Steuergeldern auszugeben.“ Grundsätzlich sei er auch dafür, alte zu erhalten, aber hier sei wohl eine Grenze überschritten. Einen Schandfleck in Winkelhaid nannte Manfred Holzinger schließlich das Schönweiß-Haus.

Wie das Landratsamt die Stellungnahme der Gemeinde pro Abriss schließlich werten wird, bleibt abzuwarten. Bis spätestens April soll das Gutachten fertig sein, das Aufschluss über die Kosten für die nötigsten Sicherungsmaßnahmen geben wird, die ergriffen werden müssen, um einen Einsturz zu verhindern.

ALEX BLINTEN

N-Land Der Bote
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